Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: Löwen spielen nicht lange genug richtig gut

Jerry Tollbring im Duell mit Kiels Torhüter Niklas Landin, der mit seinen Paraden das Spiel mit entschied.
Jerry Tollbring im Duell mit Kiels Torhüter Niklas Landin, der mit seinen Paraden das Spiel mit entschied.

Unter dem Strich stand eine Niederlage mit sechs Toren, aber das nackte Resultat entsprach nicht der Leistung der Rhein-Neckar Löwen. Der Handball-Bundesligist überzeugte lange beim Tabellenführer THW Kiel, verlor aber am Ende zu deutlich 21:27 (15:13).

„Der Schuldige steht da hinten und hat ein rotes Trikot an“, sagte Andy Schmid. Der Spielmacher der Löwen deutete ein paar Meter zur Seite, wo Niklas Landin die Fragen von Reportern beantwortete. Schmid machte den früheren Teamkollegen – Landin spielte von 2012 bis 2015 bei den Löwen – zum Matchwinner und hatte damit die halbe Wahrheit gesagt. Es hatte nämlich nur zum Teil mit den Paraden des dänischen Torhüters zu tun, dass die Kieler das Spitzenspiel gewannen, sondern auch mit einigen schlechten Würfen der Badener und einigen technischen Fehlern zu viel in der zweiten Halbzeit.

In der ersten Halbzeit dominieren die Löwen

„Das Ergebnis beider Halbzeiten ist Analyse genug, mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen“, erklärte Martin Schwalb etwas später. 15:13 hatten die Löwen die erste Halbzeit für sich entschieden, ehe der zweite Durchgang mit 6:14 verlorenging. Sechs eigene Treffer in einer Halbzeit konnten nicht genügen, um beim Tabellenführer eine Siegchance zu haben. Dennoch blieben nach dem 60 Minuten in der Ostseehalle mehr positive wie negative Eindrücke vom Auftritt der Badener haften, denn die brachten den Meisterschaftsfavoriten gehörig ins Wanken.

Kiel nach 30 Minuten verunsichert

„Auf dem Weg in die Kabine habe ich Verunsicherung gespürt“, räumte THW-Coach Filip Jicha ein. In der Kabine musste der Tscheche reagieren, denn bis dahin hatten die Löwen die Partie bestimmt. „Wir haben dominiert, so gut man eben in Kiel dominieren kann“, sagte Schmid. Nach einer durchwachsenen Startphase waren die Badener tatsächlich die bessere Mannschaft, weil sie mit einer beweglichen Abwehr die Kieler vor große Probleme stellten. Im Angriff wiederum fanden die Löwen gute Lösungen, obwohl sie kurzfristig nach Uwe Gensheimer (Knöchelverletzung) und Jesper Nielsen (Schulter-Probleme) auch auf Alexander Petersson (grippaler Infekt) verzichten mussten. Im rechten Rückraum stand deshalb nur Niclas Kirkelökke zur Verfügung, der stark spielte, aber im Laufe der Partie müde wurde.

In Bestbesetzung wäre der Sieg drin gewesen

„Wenn wir noch den Alex gehabt hätten. Oder den Uwe“, sagte Schwalb. Der Löwen-Coach beendete den Satz nicht, denn es war klar, was er ausdrücken wollte. In Bestbesetzung wären die Kieler möglicherweise zu knacken gewesen. Letztlich kostete die Badener aber die Startphase der zweiten Halbzeit die Siegchance, denn aus einem 15:13 wurde innerhalb weniger Minuten ein 15:18. Andy Schmid, Jerry Tollbring und Patrick Groetzki ließen klare Chancen liegen und der THW überrannte die Badener im Tempospiel.

Kiel profitiert von Löwen-Fehlern

„Aber wir kommen noch einmal zurück, die Kieler wanken“, sagte Schwalb, dessen Team aus einem 16:20 ein 19:20 machte und bis zum 21:23 (53.) die Chance zur Wende hatte. In der Schlussphase versuchte Schwalb, mit dem siebten Feldspieler zu besseren Chancen zu kommen, aber es reichte nicht mehr. Im Gegenteil: Die Kieler profitierten von Fehlern der Löwen und gewannen am Ende zu deutlich 27:21.

So spielten sie

THW Kiel: Niklas Landin, Quensted - Reinkind (4), Zahabec (1), Duvnjak (6) - Ekberg (5/3), Magnus Landin (4) - Pekeler - Weinhold, Wiencek (3), Rahmel, Dahmke, Horak, Bilyk (3), Nilsson (1)

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Palicka (31.-38.) - Kirkelökke (6), Schmid (6/4), Mensah (1) - Groetzki (3), Tollbring (2) - Kohlbacher (2) - Lagarde, Abutovic, Guardiola (1), Fäth, Gislason, Kessler, Ganz

Spielfilm: 4:4 (7.), 6:8 (14.), 8:11 (19.), 13:15 (Hz.), 18:15 (38.), 20:16 (44.), 23:21 (53.), 27:21 (Ende) - Beste Spieler: Landin, Duvnjak - Schmid, Kirkelökke, Gislason - Siebenmeter: 4/3 - 5/4 - Zeitstrafen: 2/4 - Zuschauer: 10.250 - Schiedsrichter: Blümel/Loppaschewski (Berlin).

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