Sport
Handball: Kastening im EM-Zeugnis als Klassenbester
Sieben Spiele absolvierte das deutsche Team bei der Handball-EM, es fehlt noch das Match um Platz fünf – am Samstag um 16 Uhr gegen Portugal. Zeit für ein Zeugnis.
Note 1,5
Frechdachs! Rechtsaußen Timo Kastening nahm erst Patrick Groetzki den Platz im Kader weg – und dann auch noch den von Europameister Tobias Reichmann. Der 24-Jährige beeindruckte mit seiner Ruhe vor dem Tor, stibitzte in der Abwehr den einen oder anderen Ball. Der Aufsteiger!
Note 2,5
Philipp Weber sprang gerade noch so auf den EM-Zug auf, überrundete seine Kameraden im Rückraum und prägte das deutsche Spiel. Spielte viel besser als vor zwei Jahren in Kroatien.
Der Schachzug mit Johannes Bitter (37) ging auf. Überragend gegen Österreich und Tschechien. Der Torhüter hatte auch Schwankungen, tat der Mannschaft aber gut.
Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek, die beiden Maurermeister aus Kiel, boten im Spiel gegen Kroatien eine heroische Leistung. Alles in allem nicht so stabil wie bei der Heim-WM. Was womöglich auch daran lag, dass sie angeschlagen ins Turnier gingen.
Note 3
Johannes Golla kam spät, musste gegen Kroatien krank passen, drängt sich als gute Alternative zu Pekeler und Wiencek auf.
Jannik Kohlbacher vergab die große Ausgleichschance in der Schlusssekunde gegen Kroaten. Das wirft den Kreisläufer nicht um. Er spielte eine passable EM, nicht so eindrucksvoll wie in Berlin und Köln vor Jahresfrist.
Gut: Tobias Reichmann verwertete 17 von 20 Siebenmetern. Schlecht für ihn: Er verlor seinen Platz an Timo Kastening. Stark gegen Tschechien.
Marian Michalczik spielte wenig, überzeugte gegen Tschechien.
Note 4
Das war nicht das Turnier des Kapitäns Uwe Gensheimer. Startete durch die Rote Karte sehr unglücklich. Vor der Halbzeit gegen Kroatien klasse. Verlor seinen Status als Siebenmeterschütze Nummer 1 an Reichmann. Er kann nicht zufrieden sein.
Keeper Andreas Wolff hielt weltklasse in der Partie gegen Kroatien, hatte zwischendurch aber viele schwächere Phasen. Zuletzt durfte Jogi Bitter ran. Bezeichnend.
Licht und Schatten bei Kai Häfner. Der Halbrechte kann es besser. Schien müde nach dem ganzen Bundesliga-Stress. Großer Fehler in der Partie gegen Kroatien
Note 4,5
Schwaches Turnier des Berliners Paul Drux. Fühlte sich in seiner neuen Rolle als Spielgestalter nicht wohl. Wenige Geisterblitze.
Julius Kühn warf acht Tore gegen Lettland, verschwand dann wieder in der Versenkung.
Fabian Böhm setzte sich erst in Szene, als das Halbfinale passé war. Der Halblinke war nicht stilprägend. Kein Mann für die Top-Gegner.
Patrick Zieker ersetzte Uwe Gensheimer schon in Trondheim, machte zu wenig Eigenwerbung.
Die EM war für David Schmidt noch eine Nummer zu groß. Der Novize bekam in der Abwehr zu schnell Zwei-Minuten-Strafen, vorne mit vielen Stürmerfouls. Aber: Es gab keine Vorwürfe.
Bundestrainer Christian Prokop geriet nach der Niederlage gegen Kroatien wieder in die Kritik. Positiv: Er brachte seine Mannschaft sofort danach wieder auf Kurs. Negativ: Manche Wechsel waren einfach nicht zu verstehen.