Tennis
Grün-Weiss stürzt Spitzenreiter Gladbach
„Pedro, Pedro, Pedro“, sangen, riefen, jubilierten die Spieler von Grün-Weiss hinter der Bande. Der Center Court am Neckplatt hat schon viele denkwürdige Spiele gesehen, gestern kam ein weiteres dazu. Das Einzel von Pedro Martinez, das der Spanier im Match-Tiebreak nach vier vergebenen Matchbällen 14:12 gegen Tallon Griekspoor gewann.
Pedro Martinez wollte unbedingt dabei sein. Der 24-Jährige stand am Samstagabend im Finale des Turniers von Kitzbühel, unterlag dem Norweger Casper Ruud erst um 23.33 Uhr. Auch in Kitzbühel gab es Regenunterbrechungen. Martinez wurde im Anschluss an das Finale dann vom Fahrservice nach München gebracht, dort holte ihn ein Grün-Weiss-Beauftragter ab und fuhr ihn nach Mannheim. Um 6.30 Uhr war er in Feudenheim und legte sich schlafen.
Neun Stunden später holte der Marathon-Mann den zweiten Einzelpunkt. Was für ein Einsatz. Er wurde gefeiert, sagte: „Es war eine großartige Atmosphäre, das gab mir die Energie, um bis zum Ende zu kämpfen. Ich liebe es so sehr, in Mannheim zu spielen. Klar bin ich müde, ich hatte einen langen Tag in Kitzbühel.“
Mit den letzten Reserven
Mit den letzten Kraftreserven setzte sich der Mitarbeiter des Tages, ach was, der Mitarbeiter der Saison, am Ende durch. Dass er mit Radu Albot noch das Doppel gewann, das passte. Grün-Weiss Teamchef Gerald Marzenell sprach von einem Sieg des Willens, des Teamgeistes.
Der zweimalige French-Open-Doppelsieger Kevin Krawietz verlor an der Seite von Maximilian Marterer, das machte nichts mehr. Auch Krawietz zeigte Leidenschaft für seinen Klub. Er kam erst am Samstagabend von den Olympischen Spielen in Tokio zurück. „Es war eine Ehre, dort zu spielen“, betonte der 29-Jährige.
Ein sehr aufregender Tennis-Tag wurde durch einen sintflutartigen Regen kurz vor 15.30 Uhr direkt nach dem Spitzeneinzel unterbrochen.
Melzer wächst über sich hinaus
Knapp zwei Stunden später schlug die Stunde von Gerald Melzer, der Österreicher holte tatsächlich den dritten Einzelpunkt. „Ich bin in der Regenpause ein bisschen runtergekommen. Mir war bewusst, dass eine Niederlage von mir uns die Meisterschaft kosten kann“, sagte er. Jetzt standen die Zeichen auf Sieg gegen Gladbach.
Ein tolles Comeback feierte Radu Albot. Drei Jahre war der moldauische Spieler nicht in Mannheim, 2018 war er der entscheidende Mann beim Titelgewinn. Gestern siegte er nach Anlaufschwierigkeiten sicher im zweiten Satz gegen Andrej Martin. „Ich liebe es, zurück in Mannheim zu sein, bei dem Team. Ich habe hier so viele Partien gespielt, so viele Siege geholt, ich habe die Mannschaft über unsere Whatsapp-Gruppe verfolgt, ich bin up to date. Ich hoffe, dass wir den Titel zum dritten Mal in Serie gewinnen“, meinte er. Mit seinen Leistungen auf der Tour ist die aktuelle Nummer 92 nicht so zufrieden. „Verletzungen haben mich aus dem Rhythmus gebracht. Auf der amerikanischen Hartplatz-Serie will ich Boden gut machen und wieder dahin kommen, wo ich hingehöre“, betonte er. 2019 stand er schon einmal auf Rang 39.
Maximilian Marterer hatte auch den Sieg in der Hand. Der Nürnberger unterlag dem aufstrebenden Daniel Altmaier im Match-Tiebreak. „Ich habe die Chancen, die ich hatte, nicht genutzt“, haderte er.
Aber es ging ja gut!
So spielten sie
Einzel: Radu Albot - Andrej Martin 6:4, 6:2, Pedro Martinez - Tallon Griekspoor 6:4, 4:6, 14:12, Maximilian Marterer - Daniel Altmaier 7:6, 6:7 (4:7), 8:10, Gerald Melzer - Mario Vilella 6:3, 4:6, 10:7
Doppel: Albot/Martinez - Griekspoor/Altmaier 6:3, 6:4, Marter/Krawietz - Haase/Nedovyesov 6:4, 4:6, 4:10