1. FC Kaiserslautern
Gewinnen – der simple Plan der Roten Teufel
Kaum hatte man dazu angehoben, Robin Bormuth die Ballbesitzdaten des Derbys nahezubringen, da begann der Innenverteidiger des 1. FC Kaiserslautern schon lachend mit dem Kopf zu schütteln. Schließlich fuhr er einem in die Parade, noch ehe man den Satz beendet hatte. „Das ist mir ja so was von egal“, sagte Bormuth, lachte noch immer und hörte schier gar nicht mehr auf zu wiederholen, wie schnurz ihm das sei. 30 Prozent Spielanteile Rote Teufel, 70 Prozent Karlsruher SC: War es der Plan, dem Kontrahenten den Ball derart zu überlassen? „Unser Plan war, zu gewinnen. Und das haben wir geschafft“, betonte Bormuth.
Nächste Frage, nächste Intervention. Ein Punkt Rückstand auf Platz drei, da ...? „Nein, nein, nein, hör auf, hör auf“, sagte Bormuth, „wir sollten in Zukunft immer so verteidigen, wie wir das heute gemacht haben, als Mannschaftsverbund, und dann sollten wir relativ schnell die 40 Punkte erreichen können.“ 40 Punkte, die magische Grenze, die sinnbildlich für den Klassenverbleib steht. In der vorigen Saison brauchte es 33 Zähler, um sich über dem Strich zu platzieren, in der Spielzeit 2020/21 deren 34; davor wiederum 37.
Eine Luxussituation
Der 1. FC Kaiserslautern hat mit dem 2:0-Erfolg am Dienstag gegen den Karlsruher SC nun schon 26 Punkte beisammen, drei weitere können am Freitag im Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf hinzukommen. Im Jahr 2023 bleiben der Elf von Cheftrainer Dirk Schuster noch 17 Rückrundenspiele, um (Stand jetzt) 14 Zähler einzuheimsen. Eine luxuriöse Situation. Der Vorsprung auf Position 16 beträgt nach diesem Spieltag zehn Punkte.
An Effizienz war das Spiel der Roten Teufel gegen die nun sechsmal in Folge unterlegenen Badener kaum zu überbieten. Die erste Chance führte in der 34. Spielminute zum 1:0 durch Terrence Boyd, vorangegangen war ein formidabler Angriff über Jean Zimmer, Philipp Hercher und Marlon Ritter, der den entscheidenden Pass nach innen spielte. Der eingetauschte Kenny Prince Redondo markierte in der 86. Minute das entscheidende 2:0. Abermals diente Ritter als Ausgangspunkt des Angriffs, Aaron Opoku legte Redondo den fünften Saisontreffer auf. „Es war, was das Fußballerische angeht, kein Superspiel von uns. Es war ein Derby, das wir angenommen haben“, sagte Redondo, „viele lange Bälle, viele hohe Bälle: Hut ab vor der Defensivabteilung, was die da hinten alles wegverteidigt haben.“
Ritter: „Endlich war der KSC dran“
Tatsächlich spielte der KSC gefällig, im Strafraum aber, spätestens bei Torwart Andreas Luthe, war Endstation. Wie Bormuth, so hob auch Redondo auf das originäre Rundenziel ab: „Jeder Punkt ist Gold wert. Wir wissen, es kann auch mal eine schlechte Phase kommen. Es ist schon noch ein Stückchen Arbeit, das vor uns liegt.“
Marlon Ritter, die kreativste Kraft des FCK am Dienstagabend, übte sich in Pragmatismus. „Unter dem Strich ist es auch ein verdienter Sieg, denn wir haben zwei Tore geschossen und die keins“, sagte der 28-Jährige: „Jeder Fan hat sich nach Jahren darauf gefreut, mal wieder gegen den KSC zu spielen. Vorher mussten Saarbrücken und Mannheim immer leiden, heute war der KSC endlich dran.“
Jean Zimmer kehrte nach verbüßter Gelbsperre zurück, er ersetzte den nun zwangspausierenden Erik Durm auf der Position des Rechtsverteidigers; Dominik Schad rutschte nach links. Der Kapitän mochte eines nicht: über Ästhetik im Fußball sprechen. „Ich spiele lieber erfolgreich statt schön“, bekundete Zimmer. Andreas Luthe, der zum dritten Mal in dieser Saison sein Torgeviert sauber hielt, akzentuierte die Fortentwicklung des FCK: „Man merkt, dass die Mannschaft in den letzten Jahren zusammengewachsen ist. Jeder, der letztes Jahr schon hier war, hat noch einmal einen kleinen Schritt nach vorne gemacht. Die Mannschaft behauptet sich auf diesem Niveau sehr gut.“
Nach dem 3:2 in Bielefeld hatte Trainer Dirk Schuster trotz des Erfolges mit dem Auftritt seiner Elf gehadert. Nun war auch er zufrieden: „Fußballerisch haben wir zwar nicht unseren besten Tag gehabt, aber von der kämpferischen Komponente her haben die Jungs alles abgerufen.“ In Düsseldorf wird dies abermals gefordert sein.
