Fussball
Geschenke für den Jogi
Mit dem Frohsinn ist es dieser Tage nicht so einfach. Die Corona-Krise und der gerade bis weit über Ostern verlängerte Lockdown zerren an den Nerven und trüben die Stimmung der pandemiemüden Bevölkerung, das spürt auch der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft.
Manuel Neuer ist nur nicht derjenige, der mit einer übergreifenden Botschaft das Land ermuntern kann. Nur so viel: „Die Politik macht sich die Entscheidungen nicht leicht. Wir hoffen alle, dass es bald in eine positive Richtung geht.“ Sein Versprechen am Dienstag in einem Hotel am Düsseldorfer Rheinufer zielte daher eher in den sportlichen Bereich: „Für uns als Mannschaft gibt es keine Ausrede. Wir wollen das so positiv wie möglich gestalten.“
Drei Siege angepeilt
Drei Siege sind in der WM-Qualifikation angepeilt, wenn binnen sieben Tagen die ersten Pflichtaufgaben auf dem Weg zum Wüstenturnier 2022 in Katar anstehen. Der 96-malige Nationaltorhüter, der die Kapitänsbinde auch beim FC Bayern trägt, feiert zwischen den WM-Qualifikationsspielen in Duisburg gegen Island (Donnerstag, 20.45 Uhr/ RTL) und in Bukarest gegen Rumänien (Sonntag 20.45 Uhr/RTL) noch seinen 35. Geburtstag. Aber Präsente soll bitte ein anderer bekommen: Joachim Löw, der im Sommer in seinen selbst gewählten Ruhestand als Bundestrainer wechselt.
Neuer will etwas zurückzahlen
Um die Verdienste des 61-Jährigen in dieser besonderen Rolle zu würdigen, wählte sogar der Diplomat zwischen den Pfosten ungewohnte Formulierungen: „Ich bin als Baby 2009 zur Nationalmannschaft gekommen und habe mit diesem Trainer alles erlebt“, sagte der Welttorhüter. Davon gelte es jetzt nach 15 Jahren noch etwas zurückzuzahlen. „Wir wollen diese erfolgreiche Ära mit einem tollen Abschluss krönen. Wir wollen ihm ein großes Geschenk machen. Das hat der Trainer auch verdient, mit einem Höhepunkt aufzuhören.“
Der Schlussmann bestätigte die von Manager Oliver Bierhoff getätigte Einschätzung, dass Löw auf der Zielgerade nahezu „enthusiastisch“ unterwegs sei: „Er will unbedingt. Das hat man an seiner Ansprache gemerkt.“ Der Bundestrainer muss gegen Island nur auf Robin Gosens und Niklas Süle verzichten, die beide an muskulären Problemen leiden.
Vielspieler Neuhaus
Genau wie der bei den Bayern vom früheren Löw-Assistenten Hansi Flick fast ständig eingesetzte Neuer ist auch der zehn Jahre jüngere Florian Neuhaus ein Vertreter aus der Kategorie der Vielspieler. Der Mittelfeldmann von Borussia Mönchengladbach verkraftet die Belastung auf nationaler und internationaler Ebene derzeit ohne größeren Verschleiß: Neuhaus war gar nicht bewusst, verriet er, dass er 140 Pflichtspiele in dreieinhalb Jahren bestritten habe. Aber schön zu hören. Neuhaus, ganz der Pragmatiker mit Fokus auf den Job als Profi, versicherte glaubhaft, dass niemand auch nur annähernd über die aktuellen Umstände in Corona-Zeiten klagen würde: „Es gibt Schlimmeres, als zehn Tage bei der Nationalmannschaft im Bubble zu sein.“
Es gibt ein neues Auswärtstrikot des deutschen Ausrüsters. Das schwarze Outfit wirkt allerdings ein bisschen düster, einziges Farbelement ist die deutsche Flagge an den Ärmelenden und am Kragen.