Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel Geduld und Frusttoleranz der Adler zahlen sich aus

Ihm gelang der 1:1-Ausgleich: Nigel Dawes (rechts).
Ihm gelang der 1:1-Ausgleich: Nigel Dawes (rechts).

Erstes Saisonheimspiel für die Adler Mannheim in der Deutschen Eishockey-Liga – und das erste seit März 2020 (!) mit Fans. 5854 Zuschauer sahen am Freitagabend den 3:2 (0:0, 1:1, 2:1)-Sieg gegen die Nürnberg Ice Tigers. Ein Neuzugang deutete seine Klasse an, und der Held des Abends atmete auf.

Der Adler-Siegtorschütze durfte sich im turbulenten Schlussdrittel regelrecht warmschießen. Es war beileibe nicht seine erste Chance, aber Geduld und eine hohe Frusttoleranz zahlen sich eben aus: Jason Bast gelang drei Minuten vor dem Ende der entscheidende Treffer, als er seine Kelle in den von Nico Krämmer abgefeuerten Puck hielt und der Scheibe die richtige Richtung gab. Kollektives Aufatmen, denn plötzlich sah die Welt wieder ganz anders aus ...

Über den Spielplan zu meckern, bringt ja nichts. In einer Liga mit 15 Teams muss pro Spieltag eben immer einer pausieren, nur dass es nach ihrer Auftaktniederlage in Straubing vergangenen Sonntag ausgerechnet die Adler erwischte, wurmte sie dann schon ein wenig. „Manchmal ist es schwer, eine Woche lang mit einer Niederlage zu trainieren und zu leben“, räumte Trainer Pavel Gross ein, stellte aber auch klar, dass seine Mannschaft genau das nicht getan habe: „Wir haben es am Tag danach analysiert und abgehakt.“ Trotzdem, die Null auf der Punkteseite in der Tabelle auszumerzen, dieses Bestreben merkte man den Adlern von der ersten Sekunde eine anfangs sehr flüssigen und flotten Spiels an. Trotz – oder gerade wegen? – des schmalen Kaders: Kurzfristig gesellte sich auch noch Verteidigerriese Ilari Melart auf die eh schon lange Ausfallliste.

Ein Klassetor von Nigel Dawes

Bei allem guten Willen fehlten aber – auch und gerade in Überzahl – lange etwas die Zielstrebigkeit, der direkte Zug zum Tor, auch die letzte Konsequenz. Die bewies dagegen Nürnbergs Tim Fleischer etwa zur Mitte der Partie, als er einen Abpraller zur Gästeführung nutzte. Kein Zufall dann aber, dass Nigel Dawes mit einem Handgelenksschuss in den Winkel den Ausgleich folgen ließ – der routinierte Neuzugang deutete erneut seine große Klasse an.

Kurz vor der zweiten Pause hatte Torwart Felix Brückmann seine Adler vor einem erneuten Rückstand retten müssen, direkt nach Wiederbeginn reagierte dafür Neuzugang Tim Wohlgemuth vor dem 2:1 blitzschnell. Dumm nur, dass prompt ein Scheibenverlust den Ausgleich durch Tyler Sheehy begünstigte. Aber der war die Initialzündung für ein hochspannendes Schlussdrittel – mit dem besseren Ende für die Adler.

Bald vor bis zu 9500 Fans

Und noch zum Thema Fans. „Seit zwei Tagen“, informierte Adler-Geschäftsführer Matthias Binder, dürfen die Adler dank der neuen Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Baden-Württemberg die SAP-Arena mit bis zu 9500 Zuschauern füllen. Dafür war es am Freitag noch zu früh, aber ab sofort arbeitet der Klub an den Voraussetzungen dafür. Es könnten mit 2G (geimpft und genesen) sogar noch mehr werden, „doch wir wollen vorerst bei 3G bleiben“, betonte Binder. Ein Grund: Den Adlern sind auch die jungen, ungeimpften, dafür aber getesteten Fans wichtig.

Sinatra singt für Udo Scholz

Vor der Partie war es emotional geworden: Die Adler gedachten vor dem Spiel in einer würdigen Zeremonie ihrer am 1. Juli 2020 verstorbenen Hallensprecher-Legende Udo Scholz. „Udo war weit mehr als ein Stadionsprecher: ein Freund, ein Helfer in allen Lebenslagen; herzlich, hilfsbereit, immer gut gelaunt und für alle da“, sagte Adler-Geschäftsführer Matthias Binder. Zu Frank Sinatras „My Way“ wurde ein Banner mit Scholz’ Namen unters Dach der Arena gezogen. Fanliebling Scholz, der im Alter von 81 an einem Herzstillstand starb, war auch 21 Jahre lang Stadionsprecher des 1. FC Kaiserslautern.

So spielten sie

Adler Mannheim: Brückmann - Reul, Akdag; Larkin, Philipp Preto; Holzer, Dziambor - Plachta, Desjardins, Wohlgemuth; Bergmann, Szwarz, Dawes; Rendulic, Klos, Tosto

Nürnberg Ice Tigers: Sharipov - Bender, Bodnarchuk; Weber, Welsh; Karrer, Mebus; Pilu - Fleischer, Stoa, Reimer; Schmölz, Sheehy, Lobach; Fox, Jahnke, Friedrich

Tore: 0:1 Fleischer (Reimer) 28:55, 1:1 Dawes (Bergmann) 32:59, 2:1 Wohlgemuth 40:42, 2:2 Sheehy 41:19, 3:2 Bast (Krämmer) 56:48 - Strafminuten: 4 - 6 - Beste Spieler: Brückmann, Bergmann, Dawes - Bender, Fox - Zuschauer: 5854 - Schiedsrichter: MacFarlane (USA)/Schrader (Essen).

x