Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel „Furchtbare erste Halbzeit“: KSC spielt 2:2 gegen Hansa Rostock

Wenigstens ein Punkt: Budu Zivzivadse (links) bugsiert den Ball zum 2:2 über die Linie.
Wenigstens ein Punkt: Budu Zivzivadse (links) bugsiert den Ball zum 2:2 über die Linie.

Trainer Christian Eichner vom Karlsruher SC kann sich wenigstens an der Moral seiner Mannen ein bisschen erfreuen. Ansonsten gibt sie ihm einige Rätsel auf.

Eichner stapfte überaus mürrisch in die Kabine. Bedient und gefrustet, das war unschwer zu erkennen. Es kam nicht von ungefähr. Zwar hatte der von ihm trainierte Karlsruher SC im Zweitligaduell mit Hansa Rostock nach einem 0:2-Rückstand noch einen 2:2-Teilerfolg ergattert, die Leistung allerdings ließ in vielen Bereichen zu wünschen übrig.

Der punktgleiche Gast hatte nicht eben die beste Woche hinter sich. Starker Schneefall sorgte für schlechte Trainingsbedingungen, Spieler verletzten sich kurzfristig, als „Krönung“ fiel das Teamgefährt aus, Hansa musste mit einem Linienbus vom Hotel zur Arena fahren. Im Unterschied dazu habe der Karlsruher SC „eine blendende Woche“ erlebt, bekundete Eichner mit schwer ironischem Unterton, „doch dann begann das Problem: Wir haben eine furchtbare erste Halbzeit gespielt. Wir hatten keine Körpersprache, keine Energie, keinen Tiefgang, wir kamen überhaupt nicht in die Zweikämpfe.“

Gefrorene Leitungen

Alles habe sehr, sehr schwer gewirkt, bekannte Eichner, die Leitungen von den Hirnzellen zu den Zehen seien äußerst lang gewesen, oder, dem Wetter entsprechend: eingefroren. Rechtsverteidiger Sebastian Jung pflichtete dem bei: „Wir haben sehr viele leichte Fehler gemacht, auf jeder Position, auch im Passspiel, was oftmals zu gefährlichen Kontern geführt hat. Wenn du 0:2 zurückliegst, kannst du über den Punkt natürlich froh sein.“

Zu viele Schnitzer und im Schnarchmodus

Vor allem in der Defensive erlaubte sich die nun auf Tabellenplatz 14 notierte Elf aus Baden etliche Schnitzer und Defizite. So führte ein leichtfertiger Ballverlust im Mittelfeld zum 0:1, das Junior Brumado erzielte (16.). Keine zehn Minuten später drehte der Karlsruher Schlussmann Patrick Drewes einen Pröger-Schuss gerade noch so am Pfosten vorbei. Beim 0:2 in der 34. Minute befand sich die komplette Hintermannschaft im Schnarchmodus. Paul Nebel hob im Mittelfeld schon zu einem Angriff des KSC an, Dennis Dressel aber stahl ihm den Ball und spielte diesen sofort steil in den Strafraum. Damian Roßbach, ehemals auch für den KSC aktiv, wurde völlig „vergessen“ – und vollendete.

Roßbach in der Hauptrolle

Das Ende der Miniserie von zwei ungeschlagenen Partien schien in diesem Augenblick schon eingeläutet. Allerdings gestattete Hansa es seinem Gastgeber, in die Partie zurückzukommen, und das kurz vor dem Pausenpfiff. Als Folge eines tumben Aufbaufehlers, Rhein verlor am eigenen Strafraum den Ball gegen Jung, erzielte Igor Matanovic das 1:2.

Der Reigen an Kalamitäten setzte sich nach dem Seitenwechsel fort. Roßbach ließ sich von Matanovic auf simpelste Art das Spielgerät stibitzen, der Stürmer lief auf das Rostocker Gehäuse zu, umkurvte Markus Kolke. Der Torhüter blieb lange stehen und blockte den Ball mit einer Hand. Matanovics Nachschuss köpfte Oliver Hüsing von der Linie. Roßbach bekleidete auch beim Ausgleich in der 81. Minute eine Hauptrolle.

Sah sich mehrfach im Scheinwerferlicht: der Rostocker Damian Roßbach.
Sah sich mehrfach im Scheinwerferlicht: der Rostocker Damian Roßbach.

Infolge einer Flanke hatte der 30-Jährige im Zentrum des Strafraums alle Zeit der Welt, die Gefahr zu bereinigen. Er schaffte es nicht, den Ball zu kontrollieren, verhedderte sich. Der eingewechselte Budu Zivzivadse stocherte dazwischen und bugsierte den Ball über die Linie. 81 Minuten waren in diesem Augenblick absolviert. Zuvor hatte Junior Brumado das 1:3 erzielt, der Treffer wurde wegen eines vermeintlichen Fouls in der Vorbereitung jedoch nicht anerkannt.

Ungemütliche Lage im Keller

Beide Mannschaften erspielten sich die Chance zum Siegtreffer. Das Resultat aber war gerecht. „Den Punkt müssen wir als gewonnen verbuchen“, resümierte Christian Eichner, „wir haben einiges zu tun.“ Sein Rostocker Kollege Alois Schwartz fand mit Blick auf die eigene Mannschaft lobende Worte vor allem für eine „sehr gute erste Halbzeit“.

Mit jeweils verbuchten 17 Zählern belegen der KSC und Hansa als direkte Tabellennachbarn die Positionen 14 und 15. Der 1. FC Kaiserslautern hat einen Punkt mehr ergattert, der FC Schalke 04 als 16. einen weniger. Die Lage ist ungemütlich. Torschütze Matanovic versuchte bei aller Selbstkritik das Positive herauszustreichen: „Wir haben zu schwach angefangen und zu unsauber gespielt. Respekt aber an die Mannschaft, dass sie sich zurückgekämpft hat. Wir haben nicht aufgegeben.“ Auch Christian Eichner freute sich darüber. Die Laune verbesserte sich dadurch allerdings nicht.

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