Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: FCK-Kapitän Sickinger – hitzige Duelle beim Familienabend

Szenen wie diese vermisst er: FCK-Kapitän Carlo Sickinger. Rechts Manuel Konrad, KFC Uerdingen.
Szenen wie diese vermisst er: FCK-Kapitän Carlo Sickinger. Rechts Manuel Konrad, KFC Uerdingen.

Laufprogramm und Fitnessübungen – das Salz in der Suppe aber fehlt Carlo Sickinger. Der Kapitän des Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern fühlt sich mit der Heim- und Kurzarbeit nicht ausgelastet. Fernsehen ist auch nicht immer sein Ding. So lauern nun Herausforderungen ganz anderer Art.

Carlo Sickinger weiß, dass es ihm besser geht als vielen anderen 22-Jährigen. Und der Kapitän des Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern weiß es zu schätzen. Sickinger ist nicht der Typ für einen extravaganten Lebensstil und überzogene Erwartungshaltungen. Der Absolvent des Lauterer Heinrich-Heine-Gymnasiums, der dort zu seiner Zeit im Nachwuchsleistungszentrum des FCK im Sportinternat gelebt hat, ist dankbar, dass er ein Haus mit Garten zur Verfügung hat. Er ist in den Zeiten der Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie daheim bei seinen Eltern in Stutensee. Die Kreisstadt liegt vor den Toren Karlsruhes, wo Sickinger geboren ist.

Mit der Freundin bei den Eltern

So war es für den Abwehr- und Mittelfeldspieler klar, dass er, als die Profis des FCK vor nun genau zwei Wochen wegen der Fußball-Zwangspause in Heim- und Kurzarbeit geschickt wurden, zu den Eltern fahren und nicht in seiner Lauterer Wohnung bleiben würde. Zumal seine Freundin nun mit ihm in Stutensee ist.

Irgendwie das Beste aus einer Situation machen, wie sie die Nachkriegs-Generationen in unserem Land noch nicht annähernd erlebt haben, das will auch Jungprofi Sickinger. „Die Gesundheit der Menschen geht vor, das ist ganz klar“, sagt der 22-Jährige. Der Alltag aber steht kopf. Statt sich meist im Kreise der Mannschaftskameraden vom FCK zu bewegen und regelmäßig zum Training auf den „Betze“ zu fahren, ist Individualprogramm angesagt. Tag für Tag. Heute geht das Ganze in die dritte Woche. Vom Team um Chefcoach Boris Schommers und Reha- und Fitnesstrainer Bastian Becker sind die Profis mit Heimarbeitsplänen ausgestattet worden. Vor allem Lauf-, Gymnastik- und Krafteinheiten stehen an.

Hanteln ausgeliehen

„Nach dem Frühstück geht es los“, sagt Sickinger, „die Laufeinheiten absolviere ich meistens im Wald. Der ist bei uns ganz in der Nähe.“ Zeiten, Kilometer und Herzfrequenzen werden elektronisch ans Trainerteam übermittelt. „Wir sind mit entsprechenden Pulsgurten und Uhren ausgestattet worden“, sagt der 22-Jährige. Von einem Freund, der in einem Fitnessstudio arbeitet – die Mucki-Buden dürfen ja derzeit auch nicht öffnen –, „hab’ ich mir ein paar Hanteln und Bänder ausgeliehen“. Für die Kraft- und Stabilisationsübungen. Bis zu zwei Stunden trainiere er vormittags, erzählt Sickinger im Telefongespräch. Aber das reicht dem ehrgeizigen Profi bei Weitem nicht.

„Man ist voller Tatendrang, darf aber nicht wie gewohnt Fußball spielen. Das Mannschaftstraining und die Spiele, wo es auch mal im Zweikampf mit den Kollegen zur Sache geht, das fehlt mir. Man ist abends kaum richtig müde, weil man aus dem Profialltag viel höhere Belastungen gewöhnt ist.“ Der Tiger im Käfig. Meistens trainiert der 22-Jährige dann abends freiwillig noch mal etwa eine gute halbe Stunde, macht „ein bisschen was für den Oberkörper“. Sit-ups und mehr.

Ein Trainer gehört zur Familie

Immerhin hat Sickinger einen aktiven Trainer in der Familie, mit dem er im Garten wenigstens ein bisschen kicken kann. Sein 25 Jahre alter Bruder Luca ist U18-Coach bei Astoria Walldorf und spielt selbst in der Verbandsliga. „Er hat auch immer gute Ideen, was für Übungen man zusätzlich noch so machen kann“, verrät der FCK-Profi. Die beiden trainieren dann gemeinsam – mit Personen aus dem eigenen Haushalt ist das ja auch in Corona-Zeiten ohnehin kein Problem. Auch bei den vom Trainerkollegen Schommers verordneten Läufen begleitet Luca seinen jüngeren Bruder oft. „Ich ziehe ihn dann meistens ein bisschen mit“, sagt Carlo Sickinger. Das verschmitzte Grinsen kann man durchs Telefon sehen.

Luca Sickinger lernt ansonsten für sein Studium. Das will Carlo vielleicht auch bald, er denkt an ein Fernstudium ab Herbst. Das soll nebenbei laufen, wenn dann irgendwann wieder richtig dem Fußball nachgejagt wird. Vorerst ruht der Spielbetrieb in der Dritten Liga bis 30. April.

Und noch ein paar Klassiker für abends

So lange müssen ein paar Klassiker herhalten: Brettspiele wie Monopoly. Einen anderen Strategiespiel-Hit „haben wir uns jetzt extra noch bestellt – die Game-of-Thrones-Version von Risiko“. Da geht es bei den nun ungewohnt häufigen Familienabenden rund. „Das macht Spaß“, sagt Carlo Sickinger, der Fußball-Stratege, „weil jeder unbedingt gewinnen will.“

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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