Handball
Früherer Eulen-Spieler Valiullin: Es ist eine menschliche Katastrophe
Der Krieg in der Ukraine, die russische Invasion, beschäftigt auch den 31-Jährigen intensiv. „Es ist eine menschliche Katastrophe, was gerade in der Ukraine geschieht“, sagte Azat Valiullin der RHEINPFALZ, als er auf den Krieg angesprochen wurde. Der Handballer betonte: „Ich kann diesen Krieg nicht nachvollziehen.“
Familie bei Kriegsbeginn in Russland
Zunächst war er auch persönlich von den Wirren betroffen. Ehefrau Ksenia und der 16 Monate alte Sohn Artur waren zu Beginn des Überfalls noch in Russland. „Ich bin so froh, dass sie wieder gesund zu mir gekommen sind“, sagte Valiullin. Dem Profi-Sportler setzt die politische Situation zu. Er reflektiert sie so: „Ich fühle mich als Russe für etwas schuldig, obwohl ich nichts dafür kann und auch nichts dagegen tun kann.“
Keine Auswirkungen auf die Bundesliga
Der russische Angriff auf die Ukraine hatte keinen Einfluss auf die Bundesliga. Obwohl die Europäische Handballföderation rasch den Ausschluss der russischen und belarussischen Klubs aus den internationalen Wettbewerben beschloss, gab es in der HBL keine Sanktionen. Neben Azat Valiullin spielt mit Gleb Kalarash von der MT Melsungen nur noch ein weiterer Russe in der Bundesliga. „Wir haben uns zu Beginn des Überfalls auf die Ukraine mit der Fragestellung auseinandergesetzt und uns geschlossen gegen eine Sanktionierung dieser zwei Spieler ausgesprochen. Aus unserer Sicht macht es keinen Sinn, hier einen Zusammenhang zu konstruieren. Wir sind derzeit eher froh darüber, dass die Spieler hier in Sicherheit ihrer beruflichen Aufgabe nachkommen können“, erklärte auf Anfrage Oliver Lücke, der Sprecher der HBL. Auch die anderen großen deutschen Profi-Ligen sahen von Sanktionen ab. „Eine Suspendierung wäre nicht gerecht gewesen“, meinte Frank Bohmann. Vor seiner Station in Ludwigshafen spielte Valiullin beim ThSV Eisenach und TBV Lemgo Lippe.
Die Fans stehen hinter ihm
Wie gehen Azat Valiullins Gegner mit ihm um? Wie behandelt ihn das Publikum? „Aufgrund der aktuellen Situation habe ich bisher noch keine Probleme in Deutschland gehabt. Die Leute hier wissen wie ich bin und ich denke, der Verein, die Mannschaft und die Fans stehen hinter mir – das ist ein gutes Gefühl“, erläuterte der in Chelyabinsk geborene Spieler. Anfeindungen erlebte er nicht. Klar ist aber auch: „Ich muss mich hier auf Handball konzentrieren. Ich würde am liebsten in Deutschland noch fünf bis sechs Jahre spielen“, unterstrich er. Natürlich kann er über die Perspektiven der russischen Auswahl und seine Rolle in dem Team nichts sagen: „Ich weiß nicht, wie es mit der Nationalmannschaft weiter geht.“ 2017 und 2019 war er mit Russland bei den Weltmeisterschaften in Frankreich und Deutschland.
Sportlich heißt das Saisonziel für Azat Valiullin und den HSV Hamburg Klassenerhalt.