Sport
Formel E: Die Bundesliga des Motorsports
Auf dem „Circuit Ricardo Tormo“ nahe Valencia steigen die offiziellen Testfahrten der ABB-FIA-Formel-E-Meisterschaft. Die Saison beginnt im November in Saudi-Arabien. Mit Audi, BMW, Mercedes-Benz und Porsche gehen erstmals vier deutsche Premium-Autohersteller in einer Serie an den Start.
„Mit so vielen namhaften deutschen Herstellern kann man wohl von der Bundesliga des Motorsports sprechen“, meint Allan McNish, der schottische Teamchef der Audi-Sport-Abt-Schaeffler-Mannschaft. Das Kemptener Team Abt Sportsline ist weiterhin für den Audi-Einsatz verantwortlich, mit Daniel Abt und Lucas Di Grassi bleibt die Fahrerkonstellation der vergangenen fünf Saisons unverändert. Kein anderes Fahrerduo ist schon seit dem Start der Formel E zusammen.
Audi mit Ambitionen
„Natürlich ist der Gewinn des Fahrer- und des Herstellertitels für uns wieder das erklärte Ziel“, sagt McNish. Wie in der Vorsaison liefert Audi auch den Antriebsstrang für das britische Virgin-Team, das mit Robin Frijns einen Audi-Werksfahrer unter Vertrag hat. Frijns’ Schweizer DTM-Teamkollege Nico Müller fährt für das Dragon-Team.
Allgäuer Maximilian Günther für BMW am Start
BMW arbeitet für den Einsatz der Werksautos mit dem US-Team Andretti Autosports zusammen. Hier blieb der Brite Alexander Sims an Bord, während mit dem Allgäuer Maximilian Günther erstmals ein deutscher Fahrer verpflichtet wurde. „Natürlich ist es für mich toll, fortan als Werksfahrer an den Start gehen zu dürfen, noch dazu für einen so namhaften Hersteller wie BMW“, sagt Günther, der seine Karriere einst in der damaligen Formel BMW startete. 2018 fuhr der gebürtige Oberstdorfer in der Formel 2, danach waren seine Möglichkeiten aber begrenzt. Die Formel E war für ihn daher eine willkommene Alternative. Die Vorsaison beim Dragon-Team war jedoch immer von Unsicherheit geprägt. „Jetzt bei BMW bin ich in einer wesentlich besseren Situation“, sagt Günther.
Neueinsteiger Mercedes im Lernprozess
Auch für den jungen Niederländer Nyck de Vries, frisch gekürter Gesamtsieger der Formel 2, erwies sich die Formel E mangels Aufstiegsmöglichkeiten in die Königsklasse als sinnvolle Alternative: Er startet als Werksfahrer für Neueinsteiger Mercedes. Die Stuttgarter Marke sammelte bereits in der vergangenen Saison mit dem HWA-Team wertvolle Erfahrungen in der Formel E. „Es hilft ungemein, wenn man bereits das Umfeld kennt: Prozesse, Abläufe, die Bedingungen. Dennoch sind wir jetzt als Hersteller natürlich auch in einem Lernprozess, die Kurve ist sehr steil“, sagt Teamchef Ian James. Der andere Fahrer des Teams ist der Belgier Stoffel Vandoorne, der im Vorjahr schon für HWA startete.
Auch Porsche neu in der Formel E
Passend zum Trend zur Elektrifizierung in der Serienproduktion steigt auch Porsche neu in die Formel E ein. Als einziger Hersteller arbeiteten die Zuffenhausener nicht mit einem externen Einsatzteam zusammen: Für das Formel-E-Programm wurde ein großer Teil der erfolgreichen LMP1-Mannschaft übernommen, die Fahrer sind Neel Jani aus der Schweiz und der gebürtige Duisburger André Lotterer. „Wir haben natürlich auch die Möglichkeit studiert, zuerst mit einem anderen Team Erfahrungen zu sammeln, haben uns dann aber entschlossen, alles intern zu tun, wie wir das bei Porsche gewohnt sind“, sagt Pascal Zurlinden, als Gesamtprojektleiter Werksmotorsport bei Porsche auch für die Formel-E-Aktivitäten verantwortlich.
Saisonstart am 22./23. November
Vierter deutscher Fahrer im Feld ist der Worndorfer Pascal Wehrlein, der im zweiten Jahr für das indische Mahindra-Team startet. Es ist klar: Die Formel E spricht in zunehmendem Maße Deutsch. Dieser Vergleich mit der Bundesliga ist also gar nicht so weit hergeholt. Die Saison mit 14 Rennen an 12 Wochenenden beginnt am 22. und 23. November in Ad Diriyah in Saudi-Arabien, am 21. Juni 2020 wird in Berlin gefahren.