Kommentar
Flicks XXL-Liste: Einfach albern
Die Schlagzeile vor vier Jahren im Mai 2018 lautete so: Mario Götze steht nicht im vorläufigen Kader für die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Bundestrainer Joachim Löw gab da das erweiterte Aufgebot bekannt, es handelte sich um 27 Spieler, um 27 Namen. Vier Akteure mussten dann noch gestrichen werden, bevor es nach Watutinki ging. Und jetzt?
Hansi Flick, Löws Nachfolger, hat eine Liste mit maximal 55 Kandidaten kürzlich der Fifa vorgelegt. Die Anzahl der Spieler wurde zunächst auf Weisung erhöht, damit es wegen möglicher Corona-Fälle noch zu Nachnominierungen kommen kann. Das ist vernünftig. Wobei der niederländische Coach Louis van Gaal dieses Kontingent nicht ausgeschöpft hat und nur 39 Namen auf den Bogen für die WM in Katar schrieb. Louis van Gaal hat sich (auch sonst) anders verhalten: Sofort nach der Nominierung hat er die 39 Namen bekannt gegeben. Das zeugt von Souveränität. Fußball-Holland weiß, was Sache ist.
Flick macht es nicht besser
Der Deutsche Fußball-Bund hat die Namen nicht veröffentlicht. Der DFB war nicht so souverän. Warum eigentlich nicht? So gibt es viele Spekulationen. Wer könnte es noch sein, wer wurde noch nicht genannt? Youssoufa Moukoko? Tatsächlich? Rani Khedira? Robin Knoche? Union macht mobil, oder? Oder doch nicht? Irgendein Journalist hat immer etwas gehört und noch eine Idee. Das ist doch albern. Das ist intransparent. Und Bundestrainer Hansi Flick machte die ganze Sache nicht besser, indem er erklärte, beim kurzweiligen Ratespiel sei der eine oder andere Spieler nicht korrekt. „Nicht alle Namen stimmen“, sagte Flick und führte aus: „Es stehen auch ein paar Spieler drauf, die bei uns bislang keine Rolle gespielt haben.“ So hofft manch’ einer vergebens. Flick äußerte sich auch wieder zu Routinier Mats Hummels, aber er sagte nichts Neues, er betonte nur, dass die beiden in Kontakt stehen. Und was ist mit Mario Götze? Dem zuletzt überragenden Taktgeber von Eintracht Frankfurt?
Im Handball beispielsweise wird das anders gehandhabt. Da gibt es zunächst einen Kader von 35 Spielern, der vor dem Turnier reduziert wird. Jeder weiß, woran er ist, wenn Bundestrainer Alfred Gislason zur Tat schreitet. Am 10. November ist es dann auch bei den Fußballern so weit, dann hat das Rätselraten ein Ende, dann nennt Hansi Flick seine 26 Auserwählten. Endlich! Die Spekulationen sind vorbei. Auch für Moukoko, Khedira und Knoche.