1. FC Kaiserslautern
FCK-Rückschlag in Wiesbaden: Mister Zuverlässig patzt fatal
Es hatte etwas von einer freundlichen Übernahme, was sich schon weit vor dem Anpfiff in der Brita-Arena in Wiesbaden ereignete. Mit einem Lächeln im Gesicht und der Entschlossenheit, die positive Grundstimmung an diesem Abend nicht mehr zu verlieren, schritten die Schlachtenbummler des 1. FC Kaiserslautern am Freitag in Richtung des Stadions, das im Normalfall der SV Wehen Wiesbaden seine Heimat nennt. Der Saisonendspurt in der Dritten Liga ist allerdings kein normaler Fall – und deshalb war die kleine, schmucke Arena in der hessischen Landeshauptstadt am viertletzten Spieltag fest in der Hand der Roten Teufel.
Drei der vier Tribünen waren zu einem überwältigenden Teil mit Fans des FCK besetzt, die ihren Helden in den kurzen Sporthosen von außen helfen wollten, dem Aufstieg in die Zweite Liga mit einem Dreier entscheidend näherzukommen. Es herrschte Volksfeststimmung, die jedoch von den Kickern des SVWW auf eine Probe gestellt wurde. Die Spieler von Markus Kauczinski hatten Spaß daran, sich als Party-Verderber zu versuchen. Der Plan ging auf, die Lauterer Aufstiegsträume erhielten durch eine 1:2 (1:1)-Niederlage einen bitteren Dämpfer.
Braunschweig nun mit den besten Chancen
„Das ringt uns nicht nieder“, sagte Hendrick Zuck nach der Partie. Der Kapitän war wie seine Kollegen frustriert, war geschlagen, wirkte aber nicht niedergeschlagen. „Wir dürfen uns nicht aus der Bahn werfen lassen“, sagte der Linksfuß in dem Wissen, dass jetzt die an diesem Wochenende spielfreie Eintracht aus Braunschweig die beste Ausgangslage hat, den zweiten Platz zu erobern.
Der große Jubel des Lautern-Anhangs nach dem Anpfiff waberte noch durch die Arena, als plötzlich nur noch die in deutlicher Unterzahl befindlichen Fans der Hessen lachten. Benedict Hollerbach setzte sich auf der linken Außenbahn gegen Boris Tomiak durch, brachte den Ball flach nach innen, wo sich John Irdale gegen Alexander Winkler sowie Max Hippe durchsetzte und zum 1:0 traf (2.). Für die FCK-Elf und ihren feierfreudigen Anhang ein Schockmoment.
Zucks Eiseskälte vom Punkt
Immerhin setzte sich der nicht fest, weil Hendrick Zuck schnell für ein wenig Ruhe sorgte. Gino Fechner war bei einem Kopfballduell etwas unbeholfen in den Körper von Daniel Hanslik gesprungen, und weil sich das Vergehen im Strafraum des SVWW ereignete, gab es Elfmeter für den FCK. „Es gibt Schiedsrichter, die den nicht pfeifen“, räumte Kevin Kraus später bei Magentasport ein. Der rotgesperrte Innenverteidiger verriet nebenbei, dass sich sein Kontrakt im Aufstiegsfall verlängert und konnte mit der Entscheidung des Unparteiischen gut leben. Kapitän Zuck verwandelte den ruhenden Ball aus elf Metern durch die Mitte zum 1:1 (9.).
Die Kräfteverhältnisse auf den Rängen blieben eindeutig verteilt, auf dem Feld war es fortan ausgeglichen. Der SVWW spiegelte taktisch das System des FCK, beide Teams agierten in einem 3-4-1-2-System – und damit neutralisierten sich die Mannschaften. Die Wiesbadener haben sehr robuste Akteure, agieren viel mit langen Bällen und Wucht – ganz ähnlich wie die Lauterer. Dem Tabellenzweiten aus der Pfalz gelang es deshalb in der Brita-Arena nicht, den Gegner mit der eigenen Körperlichkeit zu dominieren.
Drei erstklassige Chancen
Bessere Voraussetzungen für einen Dreier besaß dennoch der FCK, weil er bei ähnlicher Spielanlage schlicht in der Lage war, mehr individuelle Qualität auf den Rasen zu schicken. Das wurde in der zweiten Halbzeit deutlich, als das Spiel anarchischer und der FCK dominanter wurde. Im Mittelfeld mit dem starken Hikmet Ciftci waren die Lauterer besser und besaßen durch den insgesamt blassen Terrence Boyd (56.), Mike Wunderlich (64.) und den eingewechselten Kenny Prince Redondo (70.) klare Chancen.
Die Lauterer kassierten dennoch die erste Niederlage seit dem 1. März (1:2 bei 1860 München), weil Matheo Raab, dem Mister Zuverlässig des FCK, ein folgenschwerer Patzer unterlief. Der Torhüter berechnete einen Eckball falsch, wehrte ihn nach vorne ab und ermöglichte Ahmet Gürleyen die Schusschance, die der Abwehrmann des SV Wehen Wiesbaden zum 2:1 nutzte (73.).
SV Wehen Wiesbaden: Stritzel - Mrowca, Carstens (46. Mockenhaupt), Gürleyen - Stanic, Taffertshofer (90. Kurt), Jacobsen, Fechner - Wurtz (70. Goppel) - Hollerbach (70. Thiel), Iredale (59. Nilsson)
1. FC Kaiserslautern: Raab (Note 5) - Tomiak (3,5; 76. Zimmer/-), Hippe (4; 46. Klingenburg/4), Winkler (4) - Hercher (4), Ciftci (2,5), Ritter (3; 85. Niehues/-), Zuck (3) - Wunderlich (3,5) - Hanslik (3,5; 63. Redondo/-), Boyd (4)
Tore: 1:0 Iredale (2.), 1:1 Zuck (9., Foulelfmeter), 2:1 Gürleyen (73.) - Gelbe Karten: Jacobsen (4), Mrowca (2) - Trainer Antwerpen (6), Ciftci (3), Hippe (2) - Beste Spieler: Hollerbach, Gürleyen, Taffertshofer - Ciftci, Ritter - Zuschauer: 9671 - Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach).
