1. FC Kaiserslautern
FCK nach Sieg in Rostock: Fremdgänger
Es war einer dieser seltenen Momente. Ein Augenblick, den der 1. FC Kaiserslautern bis Freitag nicht allzu oft in dieser Saison der Zweiten Fußball-Bundesliga erlebte. Es ist das Gefühl, in Führung zu gehen. In Fürth und gegen Darmstadt 98 drehte Lautern jeweils einen Rückstand. Doch das erhabene Gefühl, von den Fans als Sieger vom Platz verabschiedet zu werden, blieb dem FCK gegen Darmstadt verwehrt. Die Partie endete 3:3. In Fürth siegte Lautern.
Am Freitag war es mal wieder soweit. Zum vierten Mal in bis dahin 1147 absolvierten Spielminuten ging Kaiserslautern in Führung. Es war aber das erste Mal in dieser Saison, dass der FCK keinem Rückstand hinterherhecheln musste. Terrence Boyd hatte nämlich einen Freistoß von Philipp Klement zum glücklichen 1:0 ins Tor geköpft (67.). Dabei sah Rostocks Torwart Markus Kolke nicht gut aus. Ihm kullerte der Ball durch die Beine. Ein durchaus peinlicher und unglücklicher Moment für den sonst gut haltenden Kolke. Aber das ist Fußball. Fehler werden auf diesem Niveau bestraft – meistens mit einem Tor. Das hat der FCK schon mehrmals in dieser Saison erfahren müssen – und deswegen immer wieder zurückgelegen.
Die Mannschaft ackerte sich dann zwar zurück und erkämpfte sechsmal ein Unentschieden. Aber solche kraftraubenden und zehrenden Aufholjagden sollten nicht die Regel werden. Deshalb äußerte Kaiserslauterns Spielmacher Philipp Klement einmal nach so einer Partie den Wunsch: „Es wäre schön, wenn wir einmal in Führung gehen würden.“
Boys kaltschnäuzig
In Rostock war das vor 25.000 Zuschauern im ausverkauften Ostsee-Stadion schließlich der Fall. Ja, und diesem seltenen Moment folgte schließlich ein weiterer, noch seltenerer Augenblick. Der FCK ging am Ende als Sieger vom Platz, und zwar ohne Gegentor. „Das war wichtig“, sagte Lauterns Kapitän Jean Zimmer: „Das ist uns nicht allzu oft geglückt.“ Abermals Boyd hatte das 2:0 nach einem schnellen Spielzeug über Julian Niehues und Marlon Ritter erzielt (82.). Dieses Mal behielt der Stürmer die Nerven. In vielen Partien davor vergeigte er gute Chancen. „Deshalb bekam er auch den ein oder anderen Spruch gedrückt“, verriet Zimmer.
Boyds Kaltschnäuzigkeit am Freitag beendete Kaiserslauterns Serie von sieben sieglosen Spielen. „Das war ein extrem wichtiger Sieg“, atmete Zimmer auf. Es sei die richtige Reaktion nach der 0:3-Niederlage zu Hause gegen Jahn Regensburg gewesen. „Ich freue mich auch, dass wir die Fans wieder belohnen konnten“, sagte Zimmer. 1300 Lauterer Anhänger hatten sich zum Teil schon um 3 Uhr in der Früh auf den Weg in die Hansestadt gemacht. Die Strapazen wurden mit dem zweiten Auswärtssieg in dieser Saison letztlich versüßt.
Anfangs wie gelähmt
Überhaupt kommt der FCK diese Runde in der Fremde besser zurecht als auf dem Betzenberg. Die Roten Teufel haben auswärts noch kein Spiel verloren in dieser Saison – zehn Zähler holte Kaiserslautern in fremden Stadien, neun zu Hause. Seit dem 8. Mai – 0:2-Niederlage bei Viktoria Köln – haben die Roten Teufel auswärts nicht mehr verloren. Zimmer erklärt, warum das so ist: „Wir legen auswärts eine extreme Wucht auf den Platz“, betont er.
Philipp Klement spricht nicht von Wucht oder Befreiungsschlag oder gar einem Pflichtsieg. Rostock musste gegen Kaiserslautern auf zehn Spieler verzichten. „Ich mag nicht so sehr in Extremen denken“, sagt der aus Wachenheim stammende Klement. Er beurteile lieber ein Spiel nach der Leistung der Mannschaft. „Nach dem 1:1 beim Hamburger SV war alles hipp, hipp, hurra, nach der Niederlage gegen Regensburg alles schlecht“, sagt Klement.
Und in Rostock? „Da sind wir auf einen Gegner getroffen, gegen den man gewinnen kann“, entgegnet der Spielmacher. Klement brauchte am Freitag allerdings, um in Fahrt zu kommen. Der 30-Jährige wirkte wie gelähmt in den ersten 20 Minuten. Da lief nicht viel zusammen. „Als Zehner ist es auch schwer, etwas zu bewegen, wenn wir kaum den Ball haben“, sagt Klement. Er ist einer der filigransten Fußballer in der Zweiten Liga. Klement braucht seine Freiheiten. Er braucht den Raum für seine Spielideen. Und er braucht die Rückendeckung des Trainers. Die hat er jedenfalls. „Dirk Schuster hat mir vor dem Spiel gesagt, dass ich sein Vertrauen habe“, bestätigt Klement: „Als Kreativspieler ist es auch wichtig zu wissen, dass der Trainer hinter mir steht. Ich würde ja gerne den Trainern, dem Team und den Fans mehr zurückgeben.“