FCK
FCK-Jahreshauptversammlung: „Regionale“ helfen auch dem Verein – Koblischeck neu im Aufsichtsrat
„Wir sind auf einem guten Weg, aber wir befinden uns nach wie vor auf dünnem Eis“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Keßler. Der FCK e. V. ist die Konzernmutter der Profifußball-Kapitalgesellschaft FCK GmbH & Co. KGaA. Sie verfügt per 7. Dezember, dem Tag der Aufhebung des Insolvenzverfahrens der KGaA, über eine schuldenfreie Tochter: Durch das Insolvenzverfahren hat sich die KGaA von rund 24 Millionen Euro Verbindlichkeiten befreit. „Es war uns klar, dass wir viele Tausend Mitglieder und Fans enttäuschen und ihnen auch wirtschaftlichen Schaden zufügen werden“, betonte Soeren Oliver Voigt, der Geschäftsführer der FCK Management GmbH. Er sprach von einem „großen moralischen Dilemma“, aber auch einem alternativlosen Weg.
Darlehen der Saar-Pfalz-Invest GmbH
„Durch den Einstieg der regionalen Investoren mit einem Zeichnungsanteil in Höhe von 33 Prozent kann das lang ersehnte Eigenkapital in Höhe von 11 Millionen Euro generiert werden“, hieß es in einer Vereinsmitteilung vom 12. Dezember 2020. Der e. V., aus dem die KGaA 2018 ausgegliedert wurde, hat weiter hohe Verbindlichkeiten. Laut Keßler waren dies im Januar 6,2 Millionen Euro.
Ganz aktuell nun haben die regionalen Investoren, die Saar-Pfalz-Invest GmbH, dem FCK ein Darlehen in Höhe von 1,05 Millionen Euro gewährt. Damit könne der e. V. seine Verbindlichkeiten gegenüber Dritten im Jahr 2021 bedienen, sagte Keßler. Um weiteres Geld auch von anderen Investoren vor allem für die Zukunft ab 2022 soll sich bemüht werden. „Wir sind noch lange, lange nicht über dem Berg“, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Keßler.
„Der FCK e. V. braucht finanzielle Hilfe, er braucht diese Hilfe zeitnah“, betonte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Erfurt. Der Vorstand des e. V. werde sich mit dem neugewählten Aufsichtsrat damit befassen, einen Beiratssitz in der FCK Management GmbH Profifußball schon bei einem FCK-Aktienbesitz von 10 Prozent des genehmigten Kapitals (bisher 20 Prozent) möglich zu machen. Um den Investoren entgegenzukommen. Sie hätten dann bald die maximalen zwei der fünf Sitze dort. Diesen Plan kritisierten bei der Aussprache mehrere Mitglieder mit teils deutlichen Worten.
Weimer erhält die meisten Stimmen
Apropos Aufsichtsrat: Nach Mitternacht stand fest, wer künftig diesem Gremium angehört: Martin Weimer (1871 Stimmen), Rainer Keßler (1845), Bernhard Koblischeck (1717), Markus Merk (1715) und Fritz Fuchs (1066). Nachrücker sind Johannes B. Remy (762), Valentin Helou (358) und Carsten Krick (209). Udo Zender kam auf 66 Stimmen.
Auch Ehrmann-Streit Thema
„Wenn es der Kapitalgesellschaft gut geht und sich sportlicher Erfolg einstellt, dann geht es auch dem e. V. gut“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Tobias Frey. Wäre nicht auch ein Insolvenzverfahren des e. V. die bessere Lösung gewesen? Laut Keßler hätte „dies unkalkulierbare Risiken eingebracht“. Das unterstrich in einem eingespielten Video auch Jurist Frank Schäffler aus Stuttgart von der Kanzlei Menold Bezler, der den FCK im Insolvenzverfahren begleitet hatte: „In einem Insolvenzverfahren des Vereins hätte das Aktienpaket veräußert werden müssen – unter hohem Zeitdruck und womöglich deutlich unter Wert.“ Wie Erfurt mitteilte, ist der Verein weiter daran interessiert, den Nachlass von Fritz Walter „in sein Stadion zurückzuholen“. Gespräche mit Harald Layenberger, der den Nachlass erworben hat, sollen wieder geführt werden.
Thema war auch der Streit des langjährigen und sehr erfolgreichen FCK-Torwarttrainers Gerry Ehrmann mit dem damaligen Chefcoach Boris Schommers. Ehrmann wurde zunächst freigestellt, dann fristlos entlassen. Dagegen klagte Ehrmann. „Wir sind erleichtert, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden konnten“, sagte Keßler. Nach RHEINPFALZ-Informationen hat Ehrmann eine Abfindung von rund 300.000 Euro erhalten – mit Hilfe der regionalen Investoren. Der Aufsichtsratsvorsitzende sagte sehr selbstkritisch: „Zu vielen Themen ist unsere Kommunikation kritisch zu bewerten.“ Keßler wie Voigt betonten, dass man nach wie vor die Fansäule im Blick habe. „Die Fans dürfen aber nicht mehr als Notnagel herhalten“, betonte der Geschäftsführer. Die Fansäule solle erst geöffnet werden, wenn der Verein ein stabiles finanzielles Fundament habe – Ziel sei dafür Ende des Jahres.
Lizenzunterlagen sollen Montag eingereicht werden
Laut dem Geschäftsführer sollen am Montag die Lizenzunterlagen eingereicht werden. Er kündigte für die kommende Saison „nicht unwesentliche Einsparungen“ an, ab Januar 2022 sieht die Planung wieder normalen Besuch auf dem Betzenberg vor.
Voigt zeigte sich vom Verbleib in der Dritten Liga überzeugt. „Es steht und fällt alles mit dem sportlichen Erfolg“, sagte Keßler. Die Mannschaft brauche nun Rückhalt. Mit Blick auf die Zukunft meinte der Aufsichtsratsvorsitzende: „Der FCK muss seine DNA – Leidenschaft, Einsatz und Mut – wieder regelmäßig auf den Platz bringen.“
E-Sport-Team ab April
Vorstandsmitglied Gero Scira kündigte an, dass der E-Sport künftig eine Rolle beim FCK spielen soll. Ab April soll ein E-Sport-Team gegründet werden, teilte der Verein dann mit.
Eingangs der Versammlung stimmten die Mitglieder einem Antrag zu, einen Journalisten der „Bild“-Zeitung von der Jahreshauptversammlung auszuschließen.
Schockierter Merk
Schockiert zeigte sich Aufsichtsratssprecher Markus Merk darüber, dass Unterlagen einer Beiratssitzung der „Sport Bild“ zugespielt wurden, dass generell immer mal wieder interne Infos nach außen gelangten. „Das tut weh. Wir sind alle entsetzt“, sagte Merk. Aufsichtsratsmitglied Martin Weimer kündigte an, dass die Geschäftsordnung überarbeitet werden soll, dass Sanktionen ausgesprochen werden sollen. „Das, was hier beim FCK passiert, ist rufschädigend“, meinte Weimer.
Konzerte im Fritz-Walter-Stadion
Einen Rückkauf des Stadions sieht Merk aktuell nicht. „Natürlich ist das unser aller Wunsch. In dieser Zeit ist das aber kein Thema“, sagte der Aufsichtsratssprecher. Eine anderwertige Nutzung durch Konzerte sei jedoch angedacht, wenn es die Corona-Situation wieder zulasse, sagte Voigt.
Neuer Ehrenrat
Michael Koll (1336 Stimmen), Ottmar Frenger (1238), Josef „Sepp“ Stabel (1011), Günter Klingkowski (925) und Jürgen Kind (906) stellen den neuen Ehrenrat des FCK. Ersatzkandidaten sind Wolfgang Rotberg (611), Hardy Höfli (590) und Peter Glöckner (533).
Nicht entlastet wurden von den Mitgliedern die früheren Aufsichtsräte Patrick Banf und Jochen Grotepaß.
„Auch wenn aus meiner Sicht technisch alles hervorragend funktioniert hat, hoffe ich sehr, dass wir unsere nächste Jahreshauptversammlung wieder im gewohnten Rahmen als Präsenzveranstaltung abhalten können“, meinte Keßler um 0.41 Uhr zum Abschluss der Veranstaltung.
