Sport
FCK: Fan-Proteste bei öffentlichem Training
Ob es eine gute Idee war, nach der Freistellung der Vereinsikone Gerry Ehrmann in dieser Woche eine öffentliche Trainingseinheit abzuhalten? Im Nachhinein war es zumindest keine schlechte, obgleich der Schuss anfänglich nach hinten loszugehen drohte. Als Boris Schommers mit seinem Stab und der Mannschaft kurz nach 14 Uhr aus den Katakomben des Fritz-Walter-Stadions zur Übungseinheit Richtung Platz vier schritt, glich dies bei Nieselregen einem Spießrutenlauf. Hunderte Anhänger hatten sich an diesem Faschingsdienstag auf dem Betzenberg versammelt, eine Clique hart gesottener Ehrmann-Sympathisanten war offenkundig gewillt, ihr Mütchen durch sprachlichen und gesanglichen Unflat zu kühlen. „Schommers raus!“, spien sie dem Cheftrainer aus nächster Nähe entgegen, er möge sich „verpissen“. Augenblicke des Fremdschämens. In dem 41-Jährigen machen diese Ehrmann-Getreue jenen Mann aus, der die Legende vom Berg gejagt haben soll.
Schommers lässt sich nicht beeindrucken
Schommers selbst ließ sich nicht beeindrucken, recht bald flaute der Protest auch ab. Als die 75 strammen Übungsminuten vorüber waren, inzwischen hatte sich gar die Sonne gezeigt, wurde die Mannschaft mit aufmunterndem Applaus bedacht. Offensivspieler Florian Pick stand einer Gruppe von Fans noch Rede und Antwort, es war ein Miteinander, kein Gegeneinander. Offiziell mochte sich niemand äußern, weder Schommers noch einer der Profis.
Derweil lässt sich Gerry Ehrmann nach der öffentlichen Verlautbarung des 1. FC Kaiserslautern vom Montagabend juristisch vertreten. Dies bestätigte er gestern der RHEINPFALZ. Der Verein hatte die Freistellung des 61-Jährigen unter anderem mit „massiven, substanziellen Beleidigungen, Arbeitsverweigerungen und Drohungen gegenüber dem Trainerteam“ um Schommers begründet. „Ich sage dazu nichts mehr, um die Sache kümmert sich mein Anwalt“, erklärte Ehrmann und fügte hinzu: „Ich freue mich über den Rückhalt und die Unterstützung durch die Fans.“
Über 7000 Fans unterzeichnen Petition
Die Online-Petition „Gerry Ehrmann bleibt beim FCK“ etwa hatten gestern Nachmittag gegen 17 Uhr rund 7700 Personen unterzeichnet. In einer ersten Reaktion hatte der Meistertorwart des Jahres 1991 und Ausbilder diverser Klasse-Keeper wie Tim Wiese, Roman Weidenfeller, Tobias Sippel, Kevin Trapp oder Marius Müller am Montagabend gegenüber Sport1 geäußert, er sei „geschockt und traurig“ über die Auswüchse, die seine Freistellung angenommen hätten. Die Vorwürfe seien „erfunden und erlogen“, er habe „niemanden beleidigt und niemanden bedroht“. Sämtliche drei von ihm aktuell betreuten Torhüter könnten bezeugen, dass er die Arbeit nicht verweigert habe. Was ihm vorgeworfen werde, entspreche nicht der Wahrheit. „Und ich lüge nicht.“ Schon am Sonntagnachmittag hatte Ehrmann im Gespräch mit der RHEINPFALZ gesagt, er habe niemanden beleidigt. Es steht Aussage gegen Aussage. Bewertungen sind nun Sache der Juristen.
Buchholz will Freund Ehrmanns bleiben
Dieter Buchholz, einer der sechs regionalen FCK-Aktionäre außer dem FCK e.V. als permanentem Mehrheitsaktionär, trifft sich dieser Tage mit der Gruppe der Anteilseigner. „Wir werden über den Stand der Dinge diskutieren. Für mich ist dem FCK mit Gerry wieder ein großes Stück Tradition verloren gegangen“, sagte der ehemalige FCK-Aufsichtsratsvorsitzende am Dienstag der RHEINPFALZ. Er ist und bleibt nach eigenen Worten ein Freund Ehrmanns. Buchholz sagte, er habe seit 2009 rund drei Millionen Euro als Sponsor in den Klub investiert und 2019 auch Aktien gezeichnet. Die Unternehmergruppe, alles FCK-Fans, hat bisher zusammen Klubaktien für 750.000 Euro gekauft. Sie hat weitere rund vier Millionen Euro in Aussicht gestellt und spricht über die daran geknüpften Bedingungen seit vielen Wochen mit den neuen FCK-Verantwortlichen.
