EM-Tagebuch RHEINPFALZ Plus Artikel Farbenlehre der anderen Art

Unzählige Kassetten im Baader-Café.
Unzählige Kassetten im Baader-Café.

Ein Besuch in einem besonderen Café während der European Championships in München.

Wir sind unglücklich gestartet, aber wir haben uns dann doch noch gefunden.

Meine Frage war witzig gemeint, aber sie kam in dem Moment nicht witzig an. Ich saß im Baader-Café, einem wirklich gemütlichen Ort, in unmittelbarer Nähe zu meinem Appartement. Wenn ich beruflich unterwegs bin, setze ich mich gerne in ein Café, um Texte zu schreiben. Das fühlt sich besser an, als in meiner ohnehin viel zu warmen Bude zu sitzen oder irgendwo in einem viel zu kühl klimatisierten Medienzentrum irgendwo in München.

„Nein, bei uns taugt nichts“

Ich setzte mich an den Fensterplatz an der Bar, warf einen Blick in die Frühstückskarte und entdeckte ungewöhnliches: ein „Burrito-Breakfast“, ein Burrito-Frühstück. Rühreier mit Käse, Tomaten und Lauchzwiebeln in einer Weizentortilla, dazu Salsa und Sauerrahm. Klang spannend, das wollte ich probieren und stellte der Dame hinter der Theke die folgenschwere Frage: „Sagen Sie, taugt dieses Burrito-Frühstück?“ Blicke wie Blitze trafen mich nur Sekundenbruchteile später. Hinzu kam die Antwort: „Nein, bei uns taugt nichts.“

Wie gesagt, unser Start war komplett in die Hose gegangen, aber als zwei erwachsene Menschen haben wir dem jeweils anderen eine zweite Chance gegeben. Als ich das Burrito-Frühstück vor mir stehen hatte, das übrigens empfehlenswert ist, also durchaus taugte, kamen die Dame und ich uns näher. Nicht nur im Wortsinn, weil sie unmittelbar vor mir ein paar Gläser und Tassen spülte, sondern auch im übertragenen Sinn.

Von schwarz bis zu einem hellen Rosa

Mir war längst eine Besonderheit des Baader-Cafés aufgefallen, denn die seichte Hintergrundmusik kam nicht aus dem Computer oder dem CD-Spieler, sondern von einem Kassetten-Deck. Ein Kassetten-Deck! Im Jahr 2022! Ich war und bin begeistert, denn ich ertappe mich regelmäßig bei nostalgischen Gedanken. „Wir machen das seit 1985 so, warum sollen wir was verändern“, berichtete mir die zunehmend freundlicher werdende Frau.

Unzählige Kassetten waren hinter der Theke aufgetürmt, mit der Hand beschriftet. „Missingising“, „Cool Cool Blues“ oder „Do Right Dub“ stand dort, außerdem mit kleinen farbigen Aufklebern versehen. „Je heller die Farbe, desto ruhiger die Musik. Das haben wir uns irgendwann so überlegt“, lautete die Erklärung für die Farbgebung. Blau, rot, blau-rot, rot-orange und so weiter, es gab viele Kombinationen. Bei meinem Besuch war die Kassette, die abgespielt wurde, mit einem gelben Aufkleber versehen, eine Frau säuselte zu Jazz-Klängen aus den Lautsprechern.

Wenn man meinen Besuch im Baader-Café in Farben nacherzählen möchte: Er startete schwarz und endete in einem hellen Rosa.

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