Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Für welche Ligareform der Südwestdeutsche Fußballverband sich entschieden hat

Der SV Kirchheimbolanden, im Bild mit Yannick Krist (rechts) und der SC Hauenstein, hier mit Alexander Seibel, spielen in der La
Der SV Kirchheimbolanden, im Bild mit Yannick Krist (rechts) und der SC Hauenstein, hier mit Alexander Seibel, spielen in der Landesliga West. Künftig wird es drei statt zwei Landesligen geben.

Der SWFV wird eine große Ligareform vollziehen. Aber noch sind nicht alle Details ausgearbeitet. Der Verband rechnet jetzt schon damit, dass er wohl nachbessern muss.

Die Gewohnheit wurde zu einer gewissen Bequemlichkeit. „Wir haben 75 Jahre in diesen Grenzen gespielt“, sagt Thomas Bergmann, Präsident des Südwestdeutschen Fußballverbandes (SWFV). Nun sei es Zeit, umzudenken. Das geht der SWFV mit einer gewissen Vehemenz an. Am Dienstag entschied das Präsidium, dass das Ligensystem der Männer reformiert wird – und zwar im großen Stil.

Statt bislang einer Verbandsliga, zwei Landes-, vier Bezirksligen, zehn A-, 19 B- und 23 C-Klassen gibt es ab Sommer 2027 eine Verbandsliga, drei Landesligen, sechs Bezirksligen, 15 A- und 36 B-Klassen. Die C-Klassen werden in einer Hobbyliga spielen. Die neue Spielklassenstruktur ist nach 75 Jahren so etwas wie eine kleine Revolution –jedoch eine im Schulterschluss mit den Vereinen. „Die Zeit ist vorbei, dass der Verband etwas im Alleingang entscheidet“, sagt Bergmann: „Die Vereine sitzen mit im Boot.“ Von Beginn an seien die Klubs mit in den Gedankenspielen eingebunden gewesen, sagt Bergmann.

Anzahl der Verein sinkt von 1200 auf 890

Beim Verbandstag 2024 war das SWFV-Präsidium beauftragt worden, einen Vorschlag für einen zukunftsfähigen Spielbetrieb auszuarbeiten. Denn durch das veränderte Freizeitverhalten und den demografischen Wandel ist die Anzahl der Männerteams im Verbreitungsgebiet des SWFV von 1200 auf 890 gesunken. Der SWFV verschickte Fragebögen an die Klubs. 3000 kamen zurück und wurden ausgewertet. 30 Lösungsansätze gab es. In gut 20 Sitzungen wurde schließlich die beste Variante herausgefiltert – der ganz große Wurf.

Die künftige Klassenstruktur befürworten jedenfalls die Vereine. Sie hatten den Prozess genau verfolgt. 244 Klubs kamen zu den drei regionalen Treffen, bei denen die neue Einteilung vorgestellt wurde. Die Beteiligung lag somit deutlich über der des Verbandstages 2024 (160 Klubs).

Nicht nur Befürworter für Reform

Aber nicht alle Vereine finden die Ligareform gut. Besonders bei künftig drei Landesligen haben einige Klubs, unter anderem der SV Kirchheimbolanden, der ASV Fußgönheim, Phönix Schifferstadt, TuS Steinbach, ihre Bedenken. Sie befürchten, dass Derbys verloren gehen und sie künftig länger zu Spielen fahren müssen.

Das will der SWFV verhindern. Der Spielausschuss wird diese Hürden meistern müssen. Im Landesverband Schleswig-Holstein und im Rheinland testet der Deutsche Fußball-Bund aktuell ein mit Künstlicher Intelligenz unterstütztes Computerprogramm, das die Spiele ansetzt. Sollte sich das Programm bewähren, überlegt der SWFV, dieses auch einzusetzen. „Aber“, sagt SWFV-Geschäftsführer Michael Monath, „bei uns wird immer final ein Mensch entscheiden. Wir werden jedoch auf die Derbys schauen.“ Aktuell sind die Ligen geografisch vertikal eingeteilt, sagt Thomas Bergmann: „Man könnte auch über eine horizontale Einteilung nachdenken.“

Ab Sommer 2027 wird es eine neue Spielklassenstruktur im Südwestdeutschen Fußballverband geben.
Ab Sommer 2027 wird es eine neue Spielklassenstruktur im Südwestdeutschen Fußballverband geben.

Das ist aber nur eine von vielen Aufgaben, die künftig zu lösen sein werden. Vorrang hat die Auf- und Abstiegsregelung in der Übergangssaison. Im April wird sich der Spielausschuss des SWFV damit befassen. „Das ist unsere dringendste Aufgabe“, sagt Bergmann: „Wir wollen eine klare Regelung.“

Danach wird sich der Verband mit weiteren Folgeaufgaben beschäftigen. Bergmann nennt es „Feintuning“. Konkret geht es um die Schiedsrichter, die Rechtssprechung und die Besetzung der Spiele mit Schiedsrichtern. Das Hauptaugenmerk liege bei den Unparteiischen. Erfreulich sei, dass die Anzahl der Schiedsrichter steige. Aktuell pfeifen rund 1500 Referees im SWFV. 2012 waren es nur 1202. Allerdings beruht der Zuwachs auf einer verschärften Regel. Lange hatte der SWFV gehofft, dass die Vereine freiwillig ihr Soll an Schiedsrichter erfüllen. Das misslang. Nun wird eine Strafe fällig: etwa 1000 Euro.

Gibt es genügend Schiedsrichter?

Ob der Pool an Schiedsrichtern genügt, um alle Spiele zu besetzen, wird auch eine der zu lösenden Aufgaben sein. Denn ab der Bezirksliga begleiten drei Schiedsrichter – Haupt- und zwei Linienrichter – eine Partie. „Ist das auch künftig machbar?“, fragt Bergmann: „Der Spielausschuss hat eineinhalb Jahre Zeit, um eine Lösung zu finden. Im Herbst soll es eine erste Rückmeldung geben.“

Bergmann bezeichnet die Ligareform als ein Projekt. Es habe den Verband zusammengebracht und für eine neue Zugehörigkeit, eine Identität gesorgt. Daher ist ihm nicht bange, wenn am Ende der Strukturreform Fälle auftauchen, die nicht vorhersehbar waren. „Das Manko werden wir nachbessern. An alles können wir auch nicht denken“, sagt Bergmann.

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