Eishockey
Es ist noch nicht vorbei für die Adler Mannheim
Dass Eishockey ein Spiel der Momente und des daraus resultierenden Momentums sein kann, hatten die Adler bei den zwei Niederlagen zuvor in dieser Play-off-Serie schmerzlich erfahren müssen. Diesmal aber gönnten sie dem Titelverteidiger kaum eine dieser Szenen, die eine Partie drehen kann. Denn „mit der nötigen Galligkeit und verzweifelt“, so Nationalverteidiger Korbinian Holzer, waren die Mannheimer ein zweites Mal nach Berlin gereist – und mit dem Gefühl, das kleine Wunder doch noch schaffen zu können, bestiegen sie gestern am Sonntagabend ihr Charterflugzeug zurück in die Kurpfalz, wo sie am Dienstag (19.30 Uhr) in der heimischen SAP-Arena die Best-of-five-Serie zum 2:2 ausgleichen könnten. „Das war der wichtigste Sieg dieser Saison, und der Dienstag wird noch wichtiger“, stellte der dreifache Torschütze Nigel Dawes fest.
Am Dienstag gibt’s die Ausgleichschance
Es war klar, dass Bill Stewart angesichts der schwierigen Lage irgendwie noch einen neuen Reiz setzen musste. Nur welchen? Dennis Endras ins Tor anstelle von Felix Brückmann? Riskant, schließlich hatte Endras seit drei Wochen kein Spiel mehr bestritten. Also kehrte Ruslan Iskhakov aufs Eis zurück, und da ja drei deutsche U23-Akteure spielen müssen (Dziambor, Wohlgemuth, Elias), erwischte es einen Nationalspieler: Markus Eisenschmid schaute gestern zu, weil „uns Ruslan einen Funken geben kann“, wie der Adler-Trainer hoffte. Aber hellwach war seine Mannschaft so oder so von Beginn an, spielte eine ganz starke Anfangsphase und beeindruckte die Eisbären auch mt dem Führungstreffer: Markus Hännikäinen hatte sein Tor in der neutralen Zone mit großem Körpereinsatz quasi selbst vorbereitet, bestätigte mit dem Abschluss seine gute Play-off-Form.
Diesmal kein Einbruch, im Gegenteil
Dumm nur, dass erneut eine Strafzeit die Adler aus dem Konzept brachte. David Wolf, zuvor noch mit der großen Chance aufs 2:0, saß draußen, Berlin nutzte die Überlegenheit zum Ausgleich. „Da muss ich die Scheibe rausbekommen, dann passiert das gar nicht“, gab sich Nico Krämmer selbstkritisch. Allerdings: Die besseren Gelegenheiten dieses ersten Drittels gehörten weiterhin den Gästen die diesmal natürlich unbedingt einen Einbruch wie in der Verlängerung der ersten Partie und vor allem der Schlussphase des Heimspiels verhindern wollten. Was ihnen im Mitteldrittel nicht nur trefflich gelang, sie zogen sogar der Stimmung in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof den Stecker. Klasse die Vorarbeit von Mark Katic, der Nigel Dawes nach toller Körperdrehung perfekt bediente, obwohl er die Scheibe gar nicht richtig traf – das 1:2. Ein Schlüsselmoment
Wie wertvoll der in den ersten Play-off-Partien dieser Saison angeschlagen fehlende Hauptrunden-Topscorer für die Mannheimer ist, stellte Dawes dann noch zweimal unter Beweis – erst mit dem 4:1 in Überzahl nach 50 Minuten. Zuvor schon hatte Nico Krämmer das 3:1 nachgelegt. Das 5:2 besorgte Dawes ins verwaiste Berliner Tor. Die Erlösung, jedenfalls für den Moment.
So spielten sie
Eisbären Berlin: Niederberger - Ellis, Müller; Wissmann, Jensen; Després, Hördler; Mik - Pföderl, Byron, Noebels; Fiore, Boychuk, White; Wiederer, Nielsen, Södergran; Bokk, Zengerle, Streu
Adler Mannheim: Brückmann - Reul, Akdag; Larkin, Katic; Holzer, Lehtivuori; Dziambor - Plachta, Desjardins, Wolf; Dawes, Szwarz, Rendulic; Iskhakov, Wohlgemuth, Krämmer; Hännikäinen, Bast, Elias
Tore: 0:1 Hännikäinen (Bast) 3:19, 1:1 Nielsen (Pföderl) 6:40, 1:2 Dawes (Katic) 30:47, 1:3 Krämmer (Wohlgemuth) 46:23, 1:4 Dawes (Katic) 50:09, 2:4 Boyd (Pföderl) 57:19, 2:5 Dawes (Szwarz) 59:10, 3:5 Södergran (Mik) 59:38 - Strafminuten: 8 - 10 - Beste Spieler: Niederberger, Bokk, Pföderl - Brückmann, Hännikäinen, Wohlgemuth, Dawes - Zuschauer: 13.951 - Schiedsrichter: MacFarlane (USA)/Rantala (Finnland).