1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Erik Durm, seine Leistung und die des FCK: Noch Luft nach oben

Flexibilität als Trumpf: Erik Durm (links) bekleidete für den FCK in elf Zweitliga-Spielen drei Positionen: rechts in der Vierer
Flexibilität als Trumpf: Erik Durm (links) bekleidete für den FCK in elf Zweitliga-Spielen drei Positionen: rechts in der Viererkette, links in der Viererkette und rechts vor der Dreierreihe, wie auf diesem Bild im Spiel beim Hamburger SV.

Erik Durm stand in allen elf Saisonspielen für den 1. FC Kaiserslautern auf dem Rasen. Trainer Schuster sagt deutlich, was er verbessern muss.

Mersad Selimbegovic weiß sehr genau, was ihn an diesem Sonntag ab 13.30 Uhr im Fritz-Walter-Stadion erwarten kann. Der Trainer des SSV Jahn Regensburg rühmt den gastgebenden 1. FC Kaiserslautern in den höchsten Tönen, er lobt Umschaltspiel, Erfahrung, Kompaktheit und Standardstärke der Roten Teufel und wundert sich in keiner Weise über den Tabellenplatz des kommenden Kontrahenten. „Sie hatten schon in der Dritten Liga keinen normalen Kader“, betont der gebürtige Bosnier, „und wenn man sieht, aus welchem Regal sie sich im Sommer bedient haben, dann sieht man auch, dass das mehr ist als ein normaler Aufsteiger.“

In dem von Selimbegovic angesprochenen Regal lagen die Namen Andreas Luthe, Philipp Klement und Erik Durm. Spieler mit Erstliga-Erfahrung. Spieler, die, siehe Durm, gar dem deutschen Weltmeisterkader des Jahres 2014 angehörten. Der FCK belegt nach elf Spieltagen den achten Platz des Klassements. Das lässt Raum für Verbesserung. Und ebenso würde Durm auch seine bis dato erbrachten Leistungen einordnen.

„Ich bin sehr selbstkritisch“

„Am Optimum ist man nie so richtig, es ist immer Luft nach oben, bei mir definitiv auch“, sagt der 30-Jährige. In den ersten Spielen habe er „schon gemerkt“, dass er auf seiner vorangegangenen Station bei Eintracht Frankfurt acht Monate lang keine Spielpraxis erhalten hatte, hinzu kam zu Beginn der Vorbereitung eine Oberschenkelverletzung. „Zwischendurch hatte ich in zwei Spielen, die mir gar nicht so gefallen haben, mal einen Durchhänger, wo ich mich ein bisschen durchbeißen musste“, sagt Durm. „In den letzten Spielen war die Leistung okay. Natürlich verlange ich sehr viel von mir selbst. Ich bin sehr selbstkritisch. Richtig zufrieden bin ich sowieso nie mit mir.“

Beim 1:1 in Hamburg spielte Durm als rechter Schienenspieler vor der Dreierabwehrkette. Einerseits schien es, als könne Durm das Kaiserslauterer Offensivspiel dadurch besser mit ankurbeln als in einer Viererkette. Andererseits störte er Sonny Kittel vor dessen in die HSV-Führung mündenden Flanke unzureichend, und seinen eigenen Hereingaben mangelte es an Genauigkeit.

Schusters klarer Auftrag

Trainer Dirk Schuster bringt dies unverblümt aufs Tablett: „Auch er hat Entwicklungspotenzial nach vorne. Ich will nicht allzu kritisch sein, aber wenn seine Offensivaktionen in Hamburg hintenraus noch gekrönt worden wären, mit einer gescheiten Flanke, die den eigenen Mann trifft, wären wir vielleicht noch torgefährlicher gewesen.“ Ein klarer Auftrag für die kommenden Partien. Durm hat die Botschaft vernommen: „Offensiv kann ich noch ein bisschen präziser werden.“

2008 verließ Erik Durm die sportliche Heimat. Von der SG Rieschweiler ging es zum 1. FC Saarbrücken, danach zu Mainz 05 und 2012 zu Borussia Dortmund. Im Pott blieb er bis 2018. Einer Saison bei Huddersfield Town folgte der Wechsel zurück nach Deutschland und zu Eintracht Frankfurt. In der Ferne hat Durm sich des Hochdeutschen bemächtigt, denn mit dem pfälzischen Idiom wäre er nach eigener Aussage nicht weit gekommen. „Ich habe es gar nicht mehr so drin“, sagt Durm. In Kaiserslautern switcht er nun öfter in seinen ureigenen Dialekt, vor allem im Gespräch mit Jean Zimmer oder Hendrick Zuck. Meist kann er in seiner Geburtsstadt Pirmasens unbehelligt durch die Straßen laufen oder zum Bäcker gehen, manchmal kommen Kids auf ihn zu. „Es ist schön, wenn sie einen ansprechen und sich freuen“, sagt Durm.

Das Regensburger Problem

Wie seine Teamkollegen, so liegt es auch ihm fern, große Töne zu spucken. Durm hielte es für „vermessen“, den 1. FC Kaiserslautern im Duell mit Jahn Regensburg zum Favoriten zu stilisieren. Natürlich sei die Brust gewachsen, die Partie aber fände „definitiv auf Augenhöhe“ statt. Das Ziel ist klar umrissen: „Es wäre definitiv wichtig, mal wieder einen Dreier zu holen. Das würde uns guttun. Mit 19 Punkten wären wir gut dabei. Das Spiel ist sehr richtungsweisend für uns.“

Gefühlt trennen den FCK und den SSV im Augenblick Welten. Tatsächlich aber kann das Regensburger Ensemble mit einem Sieg bis auf einen Zähler an die Betze-Buben heranrücken. „Die Liga ist noch ein Stück ausgeglichener geworden, das sieht man an der Tabelle“, sagt Mersad Selimbegovic. Seine Elf hat in dieser Saison vor allem ein Problem: Die Stärke bei ruhenden Bällen hat im Vergleich zur vorigen Runde abgenommen.

Während der Jahn in der Saison 2021/22 laut „Kicker“ noch 42 Prozent seiner gesamten Tore durch Standards erzielte (21 von 50), sind es in dieser Saison bisher schmale 22,2 Prozent (zwei der neun erzielten Tore). Selimbegovic glaubt, den Grund zu kennen: „Wir haben Spieler, die es können, aber noch keine so klaren Schützen wie letztes Jahr, die immer punktgenau den Zielbereich getroffen haben.“ Dabei wäre das ungemein wichtig: „Standards können in dieser Liga die halbe Miete sein – wenn du es gut machst.“

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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