Kommentar
Eintracht gegen Rangers: Eine Nacht für Nostalgiker
Ein Klub aus Griechenland hat den Sprung ins Finale der Europa League nicht geschafft, aber eine Ode waren die 120 Minuten plus Elfmeterschießen, nein, waren die gesamten zurückliegenden Tage für die Nostalgiker unter den Fußballfans dennoch. Eintracht Frankfurt und der Rangers FC aus Glasgow trafen zum Endspiel aufeinander, was denen wie ein Gedicht vorkommt, die sich nicht damit abfinden wollen, dass die Konzentration der (Spitzen-)Kräfte nichts anderes als Europa-League-Sieger aus England oder Spanien zulässt.
Die Finalpaarung wirkte wie aus einer Zeit gefallen, in der im Mai immergleiche Fußballvereine aus Madrid, Liverpool, Manchester, Sevilla, Barcelona, Paris, Turin und manchmal auch München um die Trophäen des europäischen Klubfußballs kämpfen. An dieser Stelle wird bewusst übertrieben, um die mitunter langweilige Monokultur des europäischen Spitzenfußballs zu verdeutlichen.
Leistungsgrenzen verschoben
Da hatten sich zwei Mannschaften entgegen der Erwartungen der Experten durchgesetzt, weil sie mehr waren als die Summe ihrer Einzelspieler, weil sie als Team ihre Leistungsgrenzen verschoben – und weil es ihnen offensichtlich gelang, durch die Energie der Fans in ihrem Rücken noch besser zu werden.
Auffällig war in den Tagen rund um das Finale, dass weder aus Frankfurt noch aus Glasgow Stimmen vernehmbar waren, die sich mit der Chance aufs Geldverdienen beschäftigten, weil der Gewinner der Europa League automatisch für die Champions League qualifiziert ist. Es ging den Fans der traditionsreichen Klubs und – dankenswerter Weise – ebenso den Granden nicht (ausschließlich) um das Bankkonto, sondern vordergründig um einen neues Exponat für die Klubvitrine.
Aufeinandertreffen eine Abnormität
Am Samstag in einer Woche treffen sich der FC Liverpool und Real Madrid, zugegebenermaßen ebenfalls zwei Klubs mit einer ruhmreichen Geschichte, in Paris zum Endspiel in der Champions League. Fußballerisch wird das Duell ein Leckerbissen sein, für die Liebhaber des schönen Spiels ein Jahreshöhepunkt.
Dennoch wird das Geschehen nicht vergleichbar mit der Nacht von Sevilla sein, in der zwei Klubs, etwa vier Dutzend Fußballer und hunderttausende Anhänger wussten, dass sich ihnen eine einmalige Chance bietet. Weil ihr Aufeinandertreffen im Europa-League-Endspiel für den Profifußball der Gegenwart eine Abnormität ist.
Wahrscheinlich war es gerade deshalb für die Nostalgiker so außergewöhnlich schön.