Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Eintracht Frankfurt schlägt die einst Unfehlbaren in beeindruckender Manier

Beutezug: Eintracht-Torhüter Kevin Trapp schnappt sich den Ball vor Leroy Sané, der in einer anderen Szene das Münchener Ehrento
Beutezug: Eintracht-Torhüter Kevin Trapp schnappt sich den Ball vor Leroy Sané, der in einer anderen Szene das Münchener Ehrentor vorbereiten kann. Even Ndicka (links) kann nicht mehr eingreifen, Martin Hinteregger hat das Geschehen im Blick.

Eintracht Frankfurt gewinnt gegen den FC Bayern München mit 2:1. Trainer Adi Hütter frohlockt. Und er lobt besonders einen Spieler, der nicht nur durch die Leistung auf dem Rasen imponiert.

Am Ende spendeten in der verwaisten Arena im Frankfurter Stadtwald einfach Ordnungskräfte und Klubangestellte jene stehend dargebrachten Ovationen, die im Normalfall von den voll besetzten Rängen gekommen wären. Irgendwo musste die Freude der wenigen Anwesenden ja hin, nachdem Eintracht Frankfurt in beeindruckender Manier die Anwartschaft auf einen Champions-League-Platz mit einem nicht unverdienten 2:1 (2:0)-Heimsieg gegen den FC Bayern bestätigt hatte.

Vor allem durch eine überragende erste Hälfte verdienten sich die Hessen nach Toren von Daichi Kamada (12.) und Amin Younes (31.) bei einem Gegentreffer von Robert Lewandowski (53.) diesen Triumph im 100. Aufeinandertreffen der Bundesliga-Urgesteine. „Das ist schon Wahnsinn“, frohlockte Eintracht-Trainer Adi Hütter, „das sind Bonuspunkte, mit denen man nicht rechnen kann.“

Neuer sauer, Flick nachsichtig

Der Österreicher bedauerte umso mehr die Absenz der Zuschauer, „nach so einem Spiel wäre das Dach weggeflogen.“ Während das Eintracht-Umfeld mit nunmehr sagenhaften 25 Punkten aus diesem Jahr das Hochgefühl auskostete, war Bayern-Kapitän Manuel Neuer hochgradig verärgert: „Wir haben nicht aus dem Bielefeld-Spiel gelernt. Es muss von Anfang an Aggressivität auf dem Platz sein.“

Erstaunlich, dass ausgerechnet Hansi Flick mildernde Umstände gelten ließ. Statt den fahrigen Auftritt im ersten Durchgang zu kritisieren, stellte der Bayern-Coach das Aufbäumen nach der Pause heraus, als Lewandowski bei seinem 26. Saisontreffer nach starker Vorarbeit von Leroy Sané nur eine von zahlreichen Gelegenheiten nutzte: „Wenn wir so spielen wie in der zweiten Halbzeit, hätte der Sieger FC Bayern geheißen. Ich nehme was Positives mit.“

Younes, der Entfesselungskünstler

Doch trotz des Prädikats als Klubweltmeister haben die Münchner Allesgewinner gerade ihre Unfehlbarkeit eingebüßt: Die Personaldecke ist gefährlich dünn, die Automatismen sind mit den erzwungenen Wechseln verloren gegangen, denn das Coronavirus hat tiefe Furchen im Kader gezogen. „Wir wollten nicht vergessen, dass wir turbulente Tage gehabt haben“, sagte Flick. Erstaunlich allerdings, dass Frankfurt in dem hochklassigen Spitzenspiel mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten auch mit individueller Klasse die Stirn bot. Als wahrer Entfesselungskünstler entpuppte sich der einst beim 1. FC Kaiserslautern nicht zur Geltung gekommene Trickser Amin Younes, der den vor Ort weilenden Bundestrainer Joachim Löw gewiss beeindruckt haben dürfte – gut möglich, dass der fünffache Nationalspieler demnächst wieder zur DFB-Auswahl eingeladen wird.

Ansatzlos in den Winkel

Hütter bescheinigten dem 27-Jährigen für dessen erste Halbzeit eine „absolute Weltklasseleistung“. Younes sei ein Spieler, der ihm „als Kicker und als Mensch“ imponiere. Die Leihgabe des SSC Neapel leitete nicht nur den Führungstreffer ein oder versuchte sich nach einer Viertelstunde mit einem Heber von der Mittellinie wie einst Klaus Augenthaler im ehemaligen Waldstadion, sondern feuerte die Kugel auch ansatzlos zum 2:0 in den Winkel. Nicht nur in dieser Szene sah der auf der rechten Verteidigerseite aufgebotene Niklas Süle aus wie ein tapsiger Bär.

Spontan lief der Frankfurter Kunstschütze zur Seitenlinie, um ein bereits beim Aufwärmen benutztes Shirt mit dem Namen eines Ermordeten beim rechtsextremen Attentat in Hanau vor einem Jahr hochzuhalten – eine bemerkenswerte Aktion, die der in Düsseldorf geborene Deutsch-Libanese so erklärte: „Es ist was Schlimmes passiert. Es bringt die Opfer nicht zurück, aber die Familienangehörigen sollten wissen, dass wir das nicht vergessen.“

Es waren einfühlsame Worte nach beeindruckenden Taten auf dem Rasen.

Gedenken an die Opfer von Hanau: Amin Younes nach seinem Tor zum 2:0.
Gedenken an die Opfer von Hanau: Amin Younes nach seinem Tor zum 2:0.
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