Sport Eine unvergessliche Nacht
BARCELONA. So eine Aufholjagd hat es in der Fußball-Champions- League noch nie gegeben. Nach dem 6:1-Sieg nach 0:4 im Hinspiel hagelte es Lob für den Kampfgeist des FC Barcelona im Achtelfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain. Es gab aber Kritik am deutschen Schiedsrichter Deniz Aytekin.
Trainer Luis Enrique sprang mit hochrotem Kopf immer wieder in die Luft, Lionel Messi feierte auf der Bande des Camp Nou mit den Fans. Barça hat einmal mehr Geschichte geschrieben und mit einer einzigartigen Aufholjagd für einen Gänsehaut-Abend in einem der legendären Fußball-Tempel Europas gesorgt. „Keiner hätte mehr gedacht, dass wir es schaffen, aber wir haben es gepackt“, sagte Barcelonas deutscher Nationalkeeper Marc-André ter Stegen: „Das war ein emotionales Ende einer hart umkämpften Partie.“ Enrique, der vorige Woche seinen Rücktritt zum Saisonende bekannt gab, betonte: „Kein Barça-Fan wird diese Nacht je vergessen.“ In der fünften Minute der Nachspielzeit war das Fußball-Wunder gegen die Franzosen mit Julian Draxler und im Tor Kevin Trapp vollbracht. Ter Stegen war mit in den gegnerischen Strafraum geeilt, die Nerven der Fans waren zum Zerreißen gespannt. Und dann erlöste Sergi Roberto die Katalanen und sorgte mit seinem Tor für den sensationellen Viertelfinal-Einzug. Die Konkurrenz war beeindruckt. „Wir sind völlig euphorisiert vom Platz in die Kabine gekommen, und da liefen die letzten zwei Minuten des Spiels gegen Paris beim Stand von 5:1 noch. Wir standen alle da, als wären wir involviert“, erzählte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel nach dem eigenen 4:0 über Benfica Lissabon: „Wir dachten, dass wir die spektakuläre Nachricht des Abends wären, aber es hat nicht gereicht (lacht). Das kann nur Barça, das war eine sensationelle Leistung.“ Seit Einführung des Europapokals ist es zum ersten Mal einer Mannschaft gelungen, nach einem 0:4 im Hinspiel in die nächste Runde einzuziehen. Auch hatten es zuvor nur drei Mannschaften geschafft, einen Vier-Tore-Rückstand aufzuholen. In Erinnerung bleibt vor allem das 0:4 von Borussia Mönchengladbach im Rückspiel bei Real Madrid im Uefa Cup 1985/86, nachdem die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes das Hinspiel noch 5:1 gewonnen hatte. „Mit Worten ist das schwer zu erklären, es war wie in einem Horrorfilm“, sagte Enrique, die Stimme heiser vom Schreien und Jubeln. „Der Schlüssel war das Vertrauen, das die Mannschaft und die Fans bis zur 95. Minute hatten.“ Barça habe – bewusst oder unbewusst – genau so gespielt, wie Enrique es selbst bei den Katalanen immer getan habe: „Laufen und glauben, glauben und laufen, bis zum letzten Atemzug.“ Das stellte die Sportzeitung „Marca“ unter dem Titel „Wunder existieren“ fest. Dabei wähnte sich Paris durch Edinson Cavanis Anschlusstor (62.) zum 3:1 bereits in der nächsten Runde und übte Kritik an Schiedsrichter Aytekin. Vor allem der fragwürdige, von Neymar verwandelte Foulelfmeter zum 5:1 in der 90. Minute erhitzte die Gemüter. Aytekin habe sogar drei zweifelhafte Entscheidungen getroffen, die eine Schlüsselrolle gespielt hätten, befand die spanische Sportzeitung „AS“. Den Profis, den Trainern und den Fans war das egal. „Wie schön doch der Fußball ist“, schrieb Popstar Shakira bei Instagram. Ihr Partner, Barcelonas Verteidiger Gerard Piqué, riet: „Die Krankenhäuser sollten in den nächsten neun Monaten mehr Hebammen einstellen, denn heute Nacht wird es viel Liebe geben.“ |dpa