Löwen
Eine Glanzleistung gegen die HSG Wetzlar
Vielleicht haben sie bei den Rhein-Neckar Löwen im Herbst mal gedacht: Was haben wir nur verbrochen? Nach Mikael Appelgren fiel mit Andreas Palicka auch der zweite Torhüter verletzt aus, in einer Nacht- und Nebelaktion wurde Mitte Oktober der vereinslose Nikolas Katsiagiannis geholt. Gestern Abend machte der 38-Jährige ein fantastisches Spiel, hielt einen schwierigen Ball nach dem anderen und kam vor der Pause auf zehn Paraden. Die „Katze“ hat ihren Trainingsrückstand aufgeholt, war extrem wendig. „Alle haben mir geholfen, dass ich mich hier schnell zurecht finde. Das ist wirklich ein toller Verein“, erklärte der Keeper.
Starker Tempohandball in der Anfangsphase
Und so ließ es sich trefflich spielen für seine Vorderleute. Die Löwen liefen einen Gegenstoß nach dem anderen, distanzierten die Gäste früh. Nach zehn Minuten stand es 9:2. Das nennt man Tempo-Handball. Und das nicht einmal 48 Stunden nach dem 28:20-Erfolg in der European League gegen HC Pelister Bitola. „Der Tempo-Handball, das ist unsere Identität, das ist die Handschrift von Martin Schwalb. Wir laufen, wir haben die Spieler dazu. So sind wir echt schwer zu schlagen“, meinte der Torhüter.
Den Innenblock bildeten Jesper Nielsen und Mait Patrail. Wer hätte das vor der Saison gedacht? Der Schwede verletzte sich bei der Europameisterschaft im Januar, zog sich eine Sehnenruptur in der Schulter zu und feierte vergangene Woche sein Comeback. Er traf auch einmal.
Flügelzange überzeugt
Die Gäste brauchten einige Zeit, um ins Spiel zu finden. Dabei kamen sie mit dem 29:11-Sieg gegen die Eulen Ludwigshafen im Gepäck. In Wetzlars Wundertüte war diesmal nicht so viel. Im ganzen Spiel unterliefen den Hessen einfach zu viele Konzentrationsfehler. Diese nutzten gerade die Außenspieler der Löwen. Was für eine Flügelzange. Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki waren in bestechender Form. Gensheimer traf, wie er wollte, schoss neun Tore. Patrick Groetzki überzeugte auch mit seinen überlegten Querpässen bei Kontern. Die Löwen spielten zumeist wie aus einem Guss, ließen auch nicht nach, als Trainer Martin Schwalb in den letzten 15 Minuten munter durchwechselte. Es war kein Bruch im Spiel. Die Löwen ließen Wetzlar einfach nicht aus dem Schwitzkasten. Auch Routinier Alexander Petersson feierte sein Comeback.
„Wir hatten sehr viel Respekt vor dem Gegner. Und das genau hat das Spiel ausgemacht. Wir wussten, dass wir gegen eine Mannschaft kommen, denen wir keine Luft zum Atmen lassen dürfen, sonst werden sie mit jeder Minute stärker, weil sie an sich glauben und eingespielt sind“, erklärte Martin Schwalb. Sein Kollege Kai Wandschneider war bedient. „Das war ein krasser Fehlstart. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals 2:9 hinten lagen“, sagte er.
Es geht (vermutlich) am Dienstag weiter
Am Wochenende nun können die Löwen durchschnaufen. Weiter geht es (vermutlich) am nächsten Dienstag (20.45 Uhr) im Europacup mit der Heimpartie gegen die Kadetten Schaffhausen.
So spielten sie
Rhein-Neckar Löwen: Katsigiannis, Späth (ab 51.) - Lagergren (2), Patrail (2), Schmid (4/1) - Groetzki (5), Gensheimer (9/1) - Kohlbacher (4) - Nielsen (1), Lagarde (5), Gislason, Kirkelökke (2), Tollbring (2), Petersson (1)
HSG Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic (bei einem Siebenmeter) - Cavor (4), Mirkulovski, Schefvert (5) - Björnsen (2), Holst - Lindskog (4) - Henningsson (1), Fredriksen (2), Rubin (2), Srsen (1), Weissgerber (3), Gempp, Mellegard, Feld
Spielfilm: 5:1 (6.), 9:2 (10.)11:3 (14.), 13:6 (22.), 16:10 (27.), 21:14 (35.), 25:16 (41.), 29:20 (48.), 31:22 (52.), 34:23 (56.) - Siebenmeter: 3/2 - 0/0 - Zeitstrafen: 1/2 - Beste Spieler: Katsigiannis, Gensheimer, Groetzki, Kohlbacher - Schefvert, Lindskog - Schiedsrichter: Hartmann/Schneider (Magdeburg / Irxleben)