Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Ein sehr hartes Stück Arbeit für die deutsche Mannschaft

Ermöglichte seiner Mannschaft den Sieg: Torhüter Joel Birlehm.
Ermöglichte seiner Mannschaft den Sieg: Torhüter Joel Birlehm.

Das erste Ziel ist erreicht. Mit dem 34:33-Sieg gegen Serbien im zweiten WM-Gruppenspiel erreicht die deutsche Nationalmannschaft vorzeitig die Hauptrunde. Durch einen Erfolg am Dienstag gegen Algerien möchte das Team ohne Verlustpunkt weiterziehen. Ein Spieler der Rhein-Neckar Löwen macht von sich reden.

Der erste Gratulant war Andreas Wolff. Christoph Steinert folgte. Sie liefen auf Joel Birlehm zu, beglückwünschten den Kameraden. Mit etlichen klasse Paraden ermöglichte der Keeper den schwer erkämpften 34:33-Sieg gegen Serbien. „Das hat super viel Spaß gemacht mit den Fans im Rücken. Es war eine super Kampfleistung gegen eine starke serbische Mannschaft. Ich glaube, die Serben hatten noch nie eine so starke Mannschaft“, sagte Joel Birlehm. Dass er der entscheidende Mann bei dem knappen Sieg war, das sah er nicht so. „Ich habe das Spiel nicht alleine gewonnen. Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte.“

Andere springen in die Bresche

Birlehm war die Überraschung im deutschen Kader, als Alfred Gislason das WM-Aufgebot einen Tag vor Weihnachten bekannt gab. Denn im Herbst legte sich der Coach auf Till Klimpke von der HSG Wetzlar als zweiten Torhüter hinter dem gesetzten Andreas Wolff fest. Gislasons Mut zur Korrektur zahlte sich aus. „Heute sind andere Spieler in die Bresche gesprungen“, betonte Andreas Wolff. Die Spieler freuten sich, tanzten durch die Spodek-Arena.

Allgemeines Durchatmen. Das deutsche Team hat 60 Minuten nicht nachgelassen, eine spielerisch sehr gute serbische Auswahl auf Distanz gehalten. Das war sicherlich ein weiterer Schritt im Reifeprozess. „Wir wussten, dass wir sehr gut spielen müssen, um zu gewinnen. Wir sind sehr glücklich, wir hatten einige Probleme in der Abwehr“, lautete das Resümee von Alfred Gislason.

Ja, die deutsche Abwehr konnte gestern Abend die jüngsten Leistungen nicht bestätigen. Sie stand nicht kompakt, sie tat sich schwer, die Angriffe der Serben um den siebenmaligen Torschützen Lazar Kukic zu stoppen. Der frühere Bundesliga-Spieler Petar Dordic von Benfica Lissabon hatte zunächst viel zu viel Raum.

Gislason reagiert

Alfred Gislason reagierte nach gut einer Viertelstunde, stellte seine 6:0-Abwehrformation auf eine 3:2:1-Deckung um, brachte Christoph Steinert für Kai Häfner und zog Julian Köster weiter nach vorne. Das half, aber nur kurz. Torhüter Andreas Wolff konnte nicht an seine Glanzleistung vom Freitag beim 31:27-Auftaktsieg gegen Katar anknüpfen. Ob er wegen seiner Wadenverletzung im Kopf doch nicht so ganz frei war?

Joel Birlehm löste ihn Ende der ersten Halbzeit ab. Das war ein Wechsel mit Folgen. Birlehm wurde zum Faktor. Den wichtigsten Ball parierte er vier Minuten vor Schluss, Rechtsaußen Bogdan Radivojevic scheiterte beim Stand von 33:31. Zuvor hielt er auch noch einen Siebenmeter.

Schlag auf Schlag

Es ging Schlag auf Schlag, Tor um Tor fiel. Was für eine tolle Partie. Nach einem ausgezeichneten Start in die zweite Halbzeit lag das deutsche Team mit fünf Toren vorne. 28:23, das sah in dem Moment sehr gut aus.

Aber wieder leistete sich die Mannschaft im Angriff einige leichte Fehler, zwei Anspiele von Anführer Juri Knorr kamen nicht an. Der junge Julian Köster fasste sich ein Herz, er spielte frech auf, warf drei Tore in Folge, vergab aber eine gute Chance, weil er sich zu einem Heber entschloss.

Nie in Sicherheit

Die deutsche Mannschaft konnte sich nicht in Sicherheit wiegen, auch wenn sie sich zumeist drei Tore Vorsprung erarbeitete. Erst in der 59. Minute stand der Sieg im Grunde fest, als der furiose Linksaußen Lukas Mertens das 34:31 markierte. Der Magdeburger Flügelflitzer war gerade in der ersten Halbzeit nicht zu stoppen. Für ihn standen am Ende sieben Tore in seiner persönlichen Statistik. Sehr fein seine Vorlage auf Christoph Steinert, der per Kempa-Trick zum 13:10 traf.

Juri Knorr lenkte wieder das deutsche Spiel, flankiert von dem sehr guten Kai Häfner, der bislang auch eine klasse Weltmeisterschaft spielt. Dem Routinier war die Erleichterung über den Sieg deutlich anzusehen. „Es ist sehr wichtig, dass wir gewonnen haben. Bei dem Modus kann man sich eigentlich keinen Punktverlust leisten. Wir sind sehr, sehr erleichter“, meinte der Halbrechte der MT Melsungen.

Kohlbachers Erinnerungen

Und nun wartet am Dienstag (18 Uhr, ZDF) im letzten Gruppenspiel Algerien. Jannik Kohlbacher, der Flagge zeigte, wenn er für Kapitän Johannes Golla an den Kreis durfte, erinnerte in der Stunde des Sieges an die Olympia-Qualifikation in Berlin 2021. Damals gewann die deutsche Auswahl gegen Algerien mit 34:26, tat sich zeitweise aber sehr schwer.

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