Handball
Ein Pfälzer feiert Nationalmannschafts-Premiere – und Wolff hat „richtig Bock“
Andreas Wolff war der herausragende Akteur in der ersten Halbzeit. Der Torwart vom polnischen Meister KS Kielce hatte in den vergangenen Tagen für Wirbel gesorgt, weil er einige Kollegen kritisiert hatte, die wegen der Corona-Pandemie auf die WM-Teilnahme verzichtet hatten. Der meinungsstarke Keeper hatte mit seinen Aussagen polarisiert, stand deshalb unter genauer Beobachtung – und zeigte reihenweise starke Paraden. Fünf Gegentore kassierte Wolff in den ersten 30 Minuten lediglich, dem standen sieben Paraden gegenüber.
Deutscher Abwehrblock gefällt
Wolff, der zur Pause genug gezeigt hatte und von Silvio Heinevetter abgelöst wurde, hatte dabei tatkräftige Mithilfe seiner Vorderleute, denn die deutsche Abwehr war beweglich, aufmerksam und gab den Österreichern nur selten eine gute Wurfchance. Die gehören nicht zu den besten Teams im internationalen Handball, doch die Leistung der deutschen Deckung war trotzdem beachtlich. Offensichtlich ist es Alfred Gislason gelungen, die Abwehr um den neu formierten Innenblock mit Johannes Golla und Sebastian Firnhaber schnell zu einer homogenen Einheit zusammenzufügen. „Es macht Bock, hinter so einer Abwehr zu stehen“, fand Wolff lobende Worte für seine Kollegen.
Bundestrainer Alfred Gislason sah das ähnlich. „Wir wollten eine aggressivere, beweglichere 6:0-Formation spielen, das ist gelungen“, bilanzierte der Isländer: „Auch die Stimmung in der Deckung und die Kommunikation waren super.“
Für die ersten WM-Spiele gerüstet
Nach dem Seitenwechsel ließen die Deutschen deutlich nach, was aus zweierlei Hinsicht nachvollziehbar war. Eine hohe Führung verleitet ganz automatisch dazu, etwas unkonzentrierter zu werden, Hinzu kam, dass der Bundestrainer Spielern die Möglichkeit gab, Praxis zu sammeln, die zuletzt nicht viel auf dem Feld standen. Marian Michalczik und Christian Dissinger durften im Rückraum ran, so dass die Feinabstimmung verloren ging und Österreich bis auf 12:20 verkürzte (39.).
Die Deutschen fingen sich anschließend aber, erhöhten den Vorsprung wieder und hatten am Ende einen 34:20-Kantersieg eingefahren. In die Weltmeisterschaft startet die DHB-Auswahl jetzt mit der Gewissheit, für die ersten Partien gerüstet zu sein.
Haßlocher Metzner trifft am häufigsten
Einem Pfälzer wird das Spiel in der fast menschenleeren riesigen Arena in Köln wohl immer im Gedächtnis bleiben. Antonio Metzner aus Haßloch feierte seine Länderspielpremiere. Der Rückraumspieler vom HC Erlangen rückte überraschend in den WM-Kader und kam nach 20 Minuten erstmals aufs Feld.
Den ersten Wurf wehrte der österreichische Torhüter Thomas Bauer kurz darauf ab, in der 26. Minute jubelte der Linkshänder dann aber über seinen ersten Treffer im Trikot der Nationalmannschaft. Am Ende hatte Antonio Metzner fünf Treffer zum Erfolg beigesteuert – kein deutscher Akteur traf häufiger.
So spielten sie
Deutschland: Wolff, Heinevetter (ab 31.) - Häfner (3), Weber (1), Kühn (1) - Reichmann (2), Gensheimer (4/1) - Golla (3) - Firnhaber (2), Michalczik, Böhm (3), Preuß (2), Dissinger (1), Kastening (3), Drux (4), Metzner (5)
Österreich: Bauer, Kaiper (ab 31.) - Zivkovic, Zeiner (1), Dicker - Weber, Frimmel (1) - Wagner (4) - Hermann, Juric, Herburger (1), Pratschner (2), Ranftl (4/1), Hutecek (7), Stevanovic, Neuhold
Spielfilm: 5:0 (9.), 11:1 (16.), 15:3 (23.), 19:5 (Hz.), 20:12 (39.), 26:13 (47.), 34:20 (Ende) - Rote Karte: Herburger (41., dritte Zeitstrafe) - Beste Spieler: Wolff, Firnhaber - Hutecek, Wagner - Siebenmeter: 1/1 - 3/1 - Zeitstrafen: 5/4 - Schiedsrichter: Pichon/Reveret (Frankreich).