Boxen RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Kontinent in zwei Fäusten: Muhammad Ali und der„Rumble in the Jungle“

Kaum einer hatte damit gerechnet: Muhammad Ali (rechts) besiegte Weltmeister George Foreman.
Kaum einer hatte damit gerechnet: Muhammad Ali (rechts) besiegte Weltmeister George Foreman.

Vor genau 50 Jahren stieg einer der berühmtesten Boxkämpfe der Geschichte. „Rumble in the Jungle“ war mehr als nur der sportliche Wettstreit zwischen Muhammad Ali und Weltmeister George Foreman. Er wurde auch zu einem Politikum.

„Ich habe Neues für diesen Kampf getan. Ich habe mit einem Alligator gerungen, mit einem Wal gerauft, dem Blitz Handschellen angelegt und den Donner eingekerkert. Ich bin böse“, tönte Muhammad Ali im Herbst 1974 vor dem in Kinshasa (Zaire, heute Demokratische Republik Kongo) stattfindenden Boxkampf um den Weltmeistertitel im Schwergewicht, der als „Rumble in the Jungle“ (Schlägerei im Dschungel) in die Geschichte eingegangen ist. Wieder einmal machte er seinem legendären Ruf als Großmaul alle Ehre.

Tatsächlich hätte Ali solch übermenschliche Kräfte gut brauchen können, sollte ihm doch im Ring kein Geringerer als Weltmeister George Foreman gegenüberstehen – bei den allermeisten Experten haushoher Favorit. Der damals 25-jährige Olympiasieger von 1968 war bis dahin in 40 Profikämpfen ungeschlagen geblieben (37 K.-o.-Siege) und hatte neun seiner letzten zehn Gegner durch K. o. in den ersten beiden Runden besiegt. Dagegen schien Alis Zenit nach zwei Niederlagen gegen Joe Frazier und Ken Norton endgültig überschritten zu sein.

Ali gewinnt die Massen für sich

Zunächst aber musste der große Fight wegen einer im Training erlittenen Verletzung Foremans kurzfristig vom 25. September auf den 30. Oktober 1974 verschoben werden. Die beiden schon nach Kinshasa angereisten Boxer blieben die folgenden Wochen bis zum neuen Kampftermin in dem zentralafrikanischen Land.

Während dieser Zeit suchte Foreman kaum Kontakt zur Bevölkerung und trat zu allem Übel bei den Pressekonferenzen auch noch mit seinem deutschen Schäferhund auf – die verhassten früheren belgischen Kolonialherren im ehemaligen Zaire hatten mit dieser Hunderasse Angst und Schrecken verbreitet. Demgegenüber gelang es dem sieben Jahre älteren Ali, die Herzen der Einheimischen für sich zu gewinnen. Der Ex-Weltmeister und Olympiasieger von 1960 sprach mit den Menschen, tanzte und sang mit ihnen. „Ali, boma ye!“ („Ali, töte ihn!“) lautete auf Lingala der martialische Schlachtruf, den sie gemeinsam auf den Straßen skandierten. Geschickt gab sich der Herausforderer als Kämpfer für die Unterdrückten und Armen Afrikas und erklärte voller Pathos: „Amerika ist nicht meine ursprüngliche Heimat, das ist Afrika.“

Foreman haut und haut und wird dann müde

Als in Kinshasa schließlich am 30. Oktober 1974 morgens um 4.30 Uhr Ortszeit (zur besten Sendezeit in den USA) bei 30 Grad Celsius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit der erste Gong zum „Rumble in the Jungle“ ertönte, hatten die beiden Hauptdarsteller bereits ein steuerfreies Preisgeld von jeweils fünf Millionen US-Dollar sicher. Vor rund 40.000 Zuschauern im damaligen „Stade du 20 Mai“ (heute „Stade Tata Raphael“) entwickelte sich schnell ein spannender Schlagabtausch. Ali hielt sich häufig an den Seilen auf, die er dazu nutzte, George Foremans Schlägen durch Zurücklehnen und Aufrichten die Wucht zu nehmen. Bisweilen prügelte „Big George“ wie von Sinnen auf seinen Rivalen ein, doch dieser wehrte mit einer Doppeldeckung so gut wie alles ab und landete im Gegenzug einige schwere Treffer gegen den Kopf seines Kontrahenten.

Zudem sah sich Foreman beinahe unentwegt dem Trashtalk seines Widersachers ausgesetzt. Dabei waren Provokationen zu hören wie „Ist das alles, George? Ich habe mehr erwartet. Ist das wirklich alles, was du draufhast? Hau doch endlich zu, du Memme! Du bist kein Champion!“ Und in den Rundenpausen dirigierte der Publikumsliebling den Chor der 40.000 Zuschauer: „Ali, boma ye!“

„Sieg für alle Unterdrückten“

Diese Psychotricks zeigten Wirkung. George Foreman verlor seine Ruhe, boxte immer ungestümer und büßte dadurch sehr viel Kraft ein. Ab der sechsten Runde baute er körperlich zusehends ab, und kurz vor dem Ende der achten Runde geschah etwas, womit vor dem Kampf wohl kaum jemand ernsthaft gerechnet hätte: Nach einer Serie von neun Treffern gegen seinen Kopf ging der vermeintlich als unbesiegbar geltende Titelverteidiger endgültig zu Boden. Die tobende Menge feierte den neuen Champion Muhammad Ali, der im Interview unmittelbar nach seinem Triumph gewohnt unbescheiden verkündete: „Ich bin immer noch der Größte aller Zeiten.“

Eindrucksvoll hatte er den Weltmeistertitel zurückgewonnen, der ihm sieben Jahre zuvor aus politischen Gründen aberkannt worden war – seinerzeit hatte er den Kriegsdienst in Vietnam verweigert. „Es ist ein Sieg für alle Unterdrückten in der Dritten Welt“, schrieb ein senegalesischer Journalist tags darauf überschwänglich: „Ganz Afrika hat sich hinter Muhammad Ali vereint – dem Geliebten unseres Kontinents.“

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