Voltigieren
Ein befreiender Saisonschlussstrich für zwei Pfälzer Pferdeturnerinnen
Wäre alles nach Plan gelaufen, dann wären womöglich beide Pferdeturnerinnen in dieser Woche von der Weltmeisterschaft aus Schweden zurückgekehrt. Doch die Corona-Pandemie hat die Voltigierer hart getroffen. Kurz vor dem ersten Turnier im April im französischen Saumur kam der Lockdown. In Congias Voltigierverein Köln-Dünnwald ruhte der Betrieb. Die Pferde wurden nur bewegt, die Voltigierer hielten sich zu Hause fit. Ihr Team Norka trainierte via Video-Chats, die Trainer übermittelten per Videobotschaft Aufgaben.
„Am Anfang hatten wir noch gar keinen Plan. Dann ist das Training wieder losgegangen, erst mit Abstandsregeln, dann in Vierergruppen. So konnten wir nicht unsere Kür trainieren“, berichtet die 23-Jährige vom Problem, dass das Training in Sechser-Teamstärke lange nicht möglich war. Das reguläre Training lief wieder, da wurde Weltmeisterschaft abgesagt. Kurz danach wurde auch die in den Oktober verschobene deutsche Meisterschaft endgültig gestrichen. „Die Pferde brauchen vier Monate Vorbereitungszeit. Da kann man nicht einfach so mit der Kür anfangen“, erzählt Congia, dass neben Corona auch die Zeit ein Faktor war. „Uns war schon ein bisschen früher klar, dass es nichts mehr wird“, ergänzt die Team-Weltmeisterin und Pas-de-deux-Europameisterin.
Raus aus dem kleinen Motivationsloch
Mit dem Bundeskader gab es Videokonferenzen. „Man versteht sich ja mit denen aus dem Kader und vermisst es schon, sich zu sehen und sich auszutauschen“, erzählt Steverding. Anfang Juli war die 21-Jährige auf Stippvisite am Bundesstützpunkt in Warendorf, hat sich länger mit den Bundestrainern Ulla Ramge und Kai Vorberg unterhalten. Da steckte sie in einem kleinen Motivationsloch. „Man trainiert so vor sich hin, jeder Tag ist ein bisschen gleich, man hat nicht wirklich was vor Augen gehabt“, erklärt sie ihr kurzes Tief, das sie überwunden hat. „Im Team ist es leichter nach vorne zu blicken. Das Teamgefühl hilft da schon“, sagt Congia.
„Es ist gut, einen Schlusspunkt zu setzen“, betont Steverdings Longenführerin und Trainerin Sophie Kuhn. „Für das Pferd ist es natürlich ein vergeudetes Jahr. Es ist topfit und in einem guten Alter“, sagt sie mit Blick auf den 14-jährigen Royal Flash. Bei Kuhn und Steverding hat die Vorbereitung auf das Jahr 2021 begonnen. „Wir trainieren nicht seltener und nicht kürzer, die Trainingszeit wird nur anders genutzt. Wir machen jetzt eher die Winterarbeit im Sommer“, bemerkt Congia und gewinnt dem auch etwas Positives ab: „Im Sommer die Kür zu bauen, ist auch mal geil“, sagt sie lachend. „Über Winter erarbeitet man immer eine andere Kür. Beim ersten Turnier ist alles noch ein bisschen entschärft. Jetzt kann man das umsetzen, was man im Kopf hatte und es perfektionieren“, erklärt Steverding.
Die Bundeswehr hat die Sportsoldatin gerade weitere elf Monate an sich gebunden, das gibt der Herxheimerin Sicherheit. Congia, die in Köln Psychologie studiert, konnte Studium und Sport zuletzt ein wenig einfacher unter den Hut bringen.
„Wir hatten eine schöne Zeit, waren ganz oft früh am Stall und sind mit den Pferden ins Gelände geritten“, erzählt Kuhn. Auch Congia freut sich über die „Zeit, die man sonst nicht hätte“. Eine Freude, die ganz sicher von der übertroffen wird, wenn die Voltigierer zum ersten Mal nach der Corona-Pause wieder in den Wettkampfzirkel einlaufen können.