Boxen
Don King: Der mit der Starkstrom-Frisur
King ist eine illustre Figur des Sportgeschäfts, dazu tragen auch seine nach oben gebürsteten grauen Haare bei – die vielzitierte Starkstrom-Frisur. In den vergangenen Jahren ist es ruhiger geworden um ihn, hinzu kommen gesundheitliche Probleme. Doch so ganz an den Ruhestand denkt ein Don King eben nicht. „Nennt mich Halb-Rentner“, sagte er vor einigen Jahren.
Ein Strippenzieher mit eigenem, zwielichtigem Hang zur Wahrheit. Wegen des Südafrikaners Francois Botha hielt sich Don King einst vermutlich zum ersten Mal in Deutschland auf. Am 9. Dezember 1995 wurde er Zeuge, wie Botha nach dem Schwergewichtsduell mit Axel Schulz in der Stuttgarter Schleyer-Halle zum Punktsieger ausgerufen wurde, was Schlägereien unter dem Publikum und Flaschenwürfe aufs Kampfgericht auslöste. Der mitsamt seinen bewaffneten zwei Leibwächtern in Richtung Umkleideräume gedrängte King beteuerte dort mehrmals, die Kampfwertung sei perfekt gewesen. Was sie insofern nicht war, als es sich herausstellte, dass Francois Botha gedopt hatte. Woraufhin das Duell mit Schulz als „offen“ gewertet wurde.
Fünf Patronensplitter im Kopf
Don King war laut dem Biographie-Lexikon „Who’s Who“ das siebte von neun Kindern eines Stahlarbeiters aus Cleveland/Ohio und musste frühzeitig zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, unter anderem als Laufbursche in einer Metzgerei. Dennoch konnte er nach der Elementarschule die Kent State University und die Case Western University besuchen. Zu einem „richtigen“ Beruf verwertete er die dort gewonnenen Erkenntnisse allerdings nicht, sondern er betrieb mehr oder minder legale Wettspiel-Lokale. Bei einer Schießerei erlitt King 1959 eine schwere Kopfverletzung; noch heute hat er davon fünf Patronensplitter im Kopf.
Wie es heißt, soll King zwischen 1951 und 1966 35 Mal festgenommen worden sein: wegen unerlaubten Glückspiels, Versicherungsbetrugs, Urkundenfälschung und – Totschlags! 1954 tötete er einen Wettbüro-Räuber, wurde aber wegen Notwehr freigesprochen. Nach einer 1967 wegen Mordes an einem Wettschuldner verhängten lebenslangen Haftstrafe wurde er 1971 begnadigt. In dieser Zeit bekam er über das Fernsehen Zugang zu Muhammad Ali. „Du hast mich inspiriert“, soll er zu dem vormaligen Cassius Clay gesagt haben, „als ich im Gefängnis deinen ersten Kampf gegen Joe Frazier sehen durfte“.
Von Muhammad Ali „inspiriert“
Nach seiner Entlassung wandte sich Don King dem Boxgeschäft zu und konnte 1972 Muhammad Ali für einen Kampf gewinnen. Erstmals als Promoter in Erscheinung trat er aber erst 1974 bei der Weltmeisterschaft Ken Norton - George Foreman. Danach promotete er Ali, Sugar Ray Leonard, Joe Frazier, Larry Holmes, Mike Tyson, Lennox Lewis, Botha, später Evander Holyfield, Larry Holmes, Wilfredo Gomez, Julio Cesar Gomez, Oliver McCall, Hasim Rahman Chris Byrd, James Toney und Lamon Brewster. 2008 bot er den Ukrainern Brüdern Vitali und Wladimir Klitschko 20 Millionen Euro für ein Bruderduell an, doch beide lehnten ab.
Um 2000 geriet King, dessen Vermögen sich auf 150 Millionen Dollar belaufen soll, in die Schlagzeilen, als ihm mehrere seiner früheren Klienten Betrug vorwarfen. So wurde der Promoter im Dezember 2003 zu einer Schadensersatzleistung von 7,5 Millionen Dollar an den ehemaligen Boxweltmeister Terry Norris verurteilt. Mit Mike Tyson einigte er sich auf eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe, nachdem ihn der Boxer wegen Unterschlagung und Betrug verklagt hatte.
Zwei weltberühmte Kämpfe
Weltbekannt wurde Don King mit zwei WM-Duellen außerhalb der USA. 1974 veranstaltete er den als „Rumble in the Jungle“ in die Box-Geschichte eingegangen Kampf Muhammad Ali - George Foreman in Kinshasa/Zaire. Und 1975 engagierte er sich bei dem von dem philippinischen Staatspräsidenten Ferdinand Marcos finanzierten „Thrilla in Manila“ zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier