Fussball
Dokumentation: Die aufregende Karriere des Bastian Schweinsteiger
So, das wäre auch geklärt. Treffen Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanovic auf dem Tennisplatz aufeinander, erhält der Gatte von seiner Liebsten in jedem Spiel einen Vorsprung von 30:0.
Das nützt dem Fußballer aber wenig. Es gibt in der Dokumentation „Schw31ns7eiger: Memories – Von Anfang bis Legende“, die ab Freitag bei Amazon Prime zu sehen ist, ein Spielchen, das dann doch 6:2 für die frühere Tennis-Weltranglistenerste endet. Bastian Schweinsteiger schimpft die ganze Zeit auf den rutschigen Untergrund. Aber sie haben offenkundig viel Spaß zusammen.
Emotionaler Moment in der Kabine
Es sind – natürlich – eher private Aufnahmen wie diese, die die Dokumentation besonders wertvoll machen. Die beeindruckendste Sequenz des knapp zweistündigen Films kommt ganz am Ende, als die Fußball-Legende nach dem Spiel in Orlando in der Kabine die Kameraden von Chicago Fire informiert, dass dies definitiv sein letztes Spiel war. Und emotional überwältig nicht weitersprechen kann. Die Trainer hat er schon beim Frühstück informiert. Den Herren Papa hat er in Chicago vor lauter Aufregung bei der Ankunft auf dem Flughafen vergessen, es ging aber noch gut.
Eine Heldensaga
Die phasenweise beeindruckende Dokumentation ist eine Heldensaga – aber das ist schon in Ordnung. Sie zeichnet den Weg des begabten Skifahrers Bastian Schweinsteiger, der als Knirps gerne auch mal seinen alten Spezi Felix Neureuther besiegte, bis zum Karriereende im vergangenen Oktober nach. Zwei Ereignisse bilden den Schwerpunkt: das verlorene Champions-League-Finale 2012 in München gegen Chelsea London und das Weltmeisterschaftsfinale 2014 in Rio de Janeiro gegen Argentinien. Der heute 35-Jährige sagt zu dem Triumph: „Das war das perfekte Spiel, das war das Spiel, in dem ich die meiste Energie hatte.“
Im verlorenen Finale „dahoam“ gegen Chelsea verschoss Schweinsteiger den letzten Elfmeter. Auch Jahre danach wird noch klar, wie sehr den FC Bayern München diese Niederlage getroffen hat, indem Ex-Präsident Uli Hoeneß betont, der ganze Verein sei eine Woche wie gelähmt gewesen. Anstehende Transfergeschäfte blieben einfach liegen. Auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge kommt zu Wort, und wieder erzählt er, dass er sich das Finale jedes Jahr im Urlaub auf Sylt anschaut und immer noch etwas Neues entdeckt.
Der Fehlschuss hat Bastian Schweinsteiger nicht zerstört, er kam zurück und wurde wieder belohnt. Mit dem Triple 2013 sowie dem WM-Titel 2014, und Joachim Löw zu war sowieso immer ein Bastian-Schweinsteiger-Fan. Unterstreicht er.
Als Uli Hoeneß mal schimpfte
Hinreißend ist die Episode, in der Hoeneß den jungen Schweinsteiger schon auf der Ersatzbank kritisiert, weil er mit seiner neuen Frisur völlig daneben lag. „So einen Schmarrn braucht er nicht wieder machen. Der soll Fußball spielen und keinen auf Schauspieler“, diktierte Hoeneß nach dem Match in die Fernsehkamera. Als eindrücklichstes Erlebnis wiederum bezeichnet Hoeneß das Interview nach dem WM-Sieg, als Schweinsteiger explizit Hoeneß lobte – der Boss saß damals wegen seiner Steuerschuld im Gefängnis.
Am Ende wird es ein bisschen gedrängt, Schweinsteigers Abschiedsspiel kommt nur ganz kurz vor, die EM 2016 auch. Damals machte Schweinsteiger im Halbfinale gegen Frankreich (0:2) übrigens ein fatales Handspiel, das wird in der von Freund Til Schweiger produzierten Dokumentation ausgeklammert.
„Ich bin einer von euch“, sagte Schweinsteiger nach seinem Abschiedsspiel in der Allianz-Arena. Wohl wahr.
Und das mit dem Erinnerungen sammeln, Schweinsteigers Lebensmotto, hat definitiv geklappt.