50 Jahre Frauen-Fussball
Die Yogalehrerin mit dem Deidesheimer Weinfass
Wird sie heute gefragt, dann sagt die 53-Jährige: „Yoga, Yoga und nochmals Yoga.“ Das sind zwei Welten. Dass sie von der einen den Sprung in die andere vollzogen hat, kann die Bruchmühlbacherin, die 1993 mit dem TuS Niederkirchen deutscher Meister wurde, heute ganz gut erzählen. Aber es hat Momente in ihrem Leben gegeben, da wäre ihr das schwer gefallen.
Fußball war das Leben der zierlichen Technikerin, deren Großeltern aus Italien nach Deutschland gekommen waren. Doch der überraschende Tod erst der Mutter und dann relativ kurz darauf auch noch der von zwei Brüdern hat dem Leben der Mutter von zwei Töchtern eine Wende gegeben. Es war für den Familienmenschen eine Katastrophe. Es ist ihr lange schlecht gegangen. Sie versuchte, sich den ganzen Schmerz aus der Seele zu laufen. Sie ist damit bis an ihre Grenzen und auch fast darüber hinaus gegangen. Es hat nichts gebracht. Den Weg aus der Trauer hat sie erst gefunden, als sie zum Yoga ging und ihre große Skepsis überwand. „Es war eigentlich undenkbar für mich. Yoga, habe ich gedacht, habe ich doch damals als Baby schon gemacht, mich gereckt und gestreckt. Das hatte mir eigentlich gereicht“, erzählt sie daheim im Garten – zwischen zwei Stunden mit Yoga-Schülern.
Yoga half bei der Bewältigung der Trauer
Aber irgendwie war sie dann doch auf der Matte gelandet. Es hat ihr weder gefallen, noch gut getan. Vor allem der ganze Entspannungskram – auf dem Boden liegend und auch noch die Augen schließen – quälte sie, als sie vor etwa zehn Jahren anfing, einmal die Woche regelmäßig einen Kurs zu besuchen. „Ich weiß gar nicht warum. Jedes Mal habe ich gedacht, dass ich nicht mehr hingehe. Und ich bin dann trotzdem in der nächsten Woche wieder dort gewesen“, erzählt sie.
Disziplin war etwas, was sie vom Fußball kannte. Wer einmal ja sagt, muss dann eben auch hin – ins Training oder eben die Yoga-Stunde. Es hat sich ausgezahlt, dass sie durchgehalten hat. „Nach einem Dreivierteljahr bin ich plötzlich angekommen“, sagt sie.
Dann war die große Frage, wie es weitergeht. Einmal vom Yoga eingefangen, hat sie nach Möglichkeiten gesucht, eine Ausbildung zu machen – und sich schließlich für die des Deutschen Yogalehrerverbands (BDY) entschieden. Das war nicht untypisch für sie, denn es ist so ziemlich die anspruchsvollste. Rückblickend würde Patrizia Brocker sich wohl auch eher für einen anderen Weg entscheiden. Aber wie im Leben führen alle Yoga-Wege zum Ziel. Und deshalb hängt heute am Haus das Schild „Yoga Patricia“. Durch den Garten geht es zu ihrem Unterrichtsraum. Aber nicht nur dort unterrichtet sie den von ihr bevorzugten Stil, Ashtanga Yoga. Darin hat sie sich bei der in Ulm ansässigen Koryphäe Ronald Steiner fortgebildet. Patrizia Brockers Anliegen ist es, so zu unterrichten, dass sie alle Schüler mitnehmen kann.
Mit Heidi Mohr einst in einem genialen Sturmduo
An ihre Fußballzeiten hat Patricia Brocker sehr gute Erinnerungen. In Niederkirchen und in der Nationalmannschaft haben die Technikerin sowie die schnelle und vor dem Tor eiskalte Heidi Mohr ein geniales Sturmduo gebildet. Bei der Nationalmannschaft sind die beiden von dem kleinen Weindorf auch zusammen auf dem Zimmer gewesen. „Wir haben uns blind verstanden und perfekt ergänzt, sie war schnell, ich mehr der Strafraumspieler“, erzählt Patrizia Brocker, die im vergangenen Jahr geschockt war, als sie vom Tod ihrer ehemaligen Mitspielerin erfuhr.
Beim FSV Jägersburg war Brocker groß geworden und heulte Rotz und Wasser, als es 1990 für sie bei der Einführung der Bundesliga zum 1. FC Saarbrücken ging. Doch dort gelang ihr der Durchbruch, der Lohn war das erste Länderspiel: für Italien. Doch dem damaligen Bundestrainer Gero Bisanz gelingt es, sie für die deutsche Auswahl an Land zu ziehen – für die sie 46 Spiele bestritt.
EM-Titel 1995 ein Höhepunkt
Ein Höhepunkt in ihrer Laufbahn war der EM-Titel, den sie unweit von zu Hause 1995 holte. In Kaiserslautern gewann die Elf um Silvia Neid, Martina Voss und die junge Birgit Prinz am 26. März gegen Schweden mit 3:2. Der größte Vereinserfolg gelang mit dem TuS Niederkirchen, als 1993 mit dem 2:1-Erfolg über den Favoriten TSG Siegen, angeführt von Silvia Neid, die Meisterschaft in die Pfalz geholt worden ist. Nach der Karriere kehrte Patrizia Brocker zum FSV Jägersburg als Trainerin zurück.