FCK RHEINPFALZ Plus Artikel Die Roten Teufel und die schier historische Chance

Emotional: Thomas Hengen im Spiel gegen den SV Waldhof Mannheim.
Emotional: Thomas Hengen im Spiel gegen den SV Waldhof Mannheim.

Mit einem Sieg beim MSV Duisburg will der 1. FC Kaiserslautern seine Erfolgsserie weiterspinnen. Der Trainer des Gastgebers ist aus gutem Grund heiser. FCK-Sportchef Thomas Hengen äußert sich zur Ausstattung des Kaders – und zur eigenen Gemütslage.

Als Trainer Hagen Schmidt am Freitag vor die Pressevertreter trat, die den MSV Duisburg begleiten, hatte er erst einmal das Bedürfnis, sich zu entschuldigen. Der 51-Jährige war heiser. Deshalb, so seine Befürchtung, könnte er womöglich etwas schwerer zu verstehen sein als üblich. Offenbar hatten die ersten Tage als Chefinstruktor der „Zebras“ einiges an deutlichen, die Stimme strapazierenden Vorgaben erfordert. Zudem hatte Schmidt im Spiel des Niederrheinpokals im Regen gestanden; tatsächlich, nicht im übertragenen Sinne, denn der MSV feierte bei Hellas Krefeld einen 8:0-Kantersieg.

Die Premiere also glückte. Schmidt geht seine Aufgabe an der Wedau „mit viel Herz und Optimismus“ an. „Ich bin ein Typ, der nicht zweifelt, sondern nach vorne schaut“, sagt er. Schmidt will (und muss) in die Köpfe seiner Spieler dringen. Angst, sagt er, sei ein schlechter Ratgeber, auch im Fußball. Doch die Verunsicherung ist groß. Der MSV hat die zurückliegenden drei Ligaspiele verloren, Platz 18 wäre im Augenblick gleichbedeutend mit dem Abstieg in die Regionalliga.

Die Anfangsformation des FCK hat sich etabliert, auch der Kapitän muss auf der Bank verharren

Schmidts Kaiserslauterer Kollege Marco Antwerpen ist es längst gelungen, den Trend ins Positive zu wenden. Seit fünf Partien sind die Roten Teufel ungeschlagen, die vergangenen vier Spiele haben sie gewonnen. Die Anfangself steht. Sogar Jean Zimmer, der Kapitän, musste nach kurierter Rückenblessur auf der Bank ausharren. Für Sportchef Thomas Hengen ist der Vorgang nicht außergewöhnlich. „Das ist im Fußball nun mal so: Wenn der Erfolg da ist, gibt es erst mal keinen Grund, etwas zu ändern“, sagt er. „Jean ist lange genug dabei, um das zu verstehen. Er ist genauso happy wie alle anderen, dass die Mannschaft erfolgreich spielt. Wir sind doch heilfroh, wenn wir so eine bockstarke Bank haben. Jean wird Gas geben, um wieder in die Mannschaft zu kommen.“

Die Chancen stehen für Zimmer weitaus besser als zum Beispiel für Elias Huth. Marius Kleinsorge kommt ebenfalls nur sporadisch zum Einsatz. Der Kader ist mit 26 Feldspielern üppig besetzt. Die Vermutung liegt daher nahe, dass der FCK in der kommenden Transferperiode bestrebt sein könnte, den Personalstand zu reduzieren.

Thomas Hengen freut sich über den Konkurrenzkampf

Es seien noch acht Wochen bis zur Winterpause, „im Fußball eine lange Zeit“, sagt Hengen. Es könnten sich Situationen innerhalb von zwei Wochen dramatisch verändern, von Spielerseite, von Beraterseite, wegen Verletzungen. Überhaupt: „Wir hatten nach elf Spieltagen erstmals den Luxus, Stammspieler draußen lassen zu können. Ich habe gerne diesen Konkurrenzkampf. Es ist mittlerweile sogar schwer, auf die Bank zu kommen.“

Das wirke sich auch auf das Training aus. Niemand der aktuell Arrivierten könne nachlassen. „Wenn wir die nächsten drei Wochen kein Spiel gewinnen, dann sind die anderen wieder da – und dann müssen sie auch da sein. Ich habe lieber solch eine Situation, als dass ich händeringend schauen muss, ob ich überhaupt noch jemanden auf die Bank bekomme.“ Mit Blick auf Huth und Kleinsorge verdeutlicht Hengen: „Im Moment passt das System. Wir können nächste Woche aus verschiedenen Gründen aber wieder auf ein 3-4-3 umswitchen, und dann brauchst du wieder Außenstürmer und Mittelstürmer.“

Der fünfte Sieg in Folge brächte dem FCK Tabellenplatz drei

Ihm persönlich dürfte das Arbeiten angesichts der jüngsten Erfolgsserie leichter fallen als noch vor einem Monat. „Entspannt bin ich grundsätzlich immer, aber du musst immer auf der Hut sein, musst immer die Mannschaft wachhalten“, sagt er. Je öfter die Mixtur aus „Erfahrung und jugendlichem Esprit“ zu Erfolgen führt, desto höher werden freilich die Ansprüche. „Es ist immer Druck auf einem Verein wie dem FCK“, sagt Hengen, „mit den Erwartungen musst du klarkommen.“

Durch einen Sieg am Montagabend beim MSV Duisburg (19 Uhr, MagentaSport, Liveblog bei rheinpfalz.de) kann der FCK bis auf Platz drei nach vorne rücken. Dort stand er seit Sommer 2018 ein einziges Mal während seiner Drittliga-Zeit: nach dem zweiten Spieltag der Saison 2019/20. Wie sagte Trainer Marco Antwerpen gestern vor der Abfahrt nach Duisburg doch: „Dann wird’s mal wieder Zeit.“ In der Tat.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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