Handball RHEINPFALZ Plus Artikel DHB-Auswahl: Die erste Reihe ist schon bereit

Wurfgewaltig: Rückraumspieler Julius Kühn.
Wurfgewaltig: Rückraumspieler Julius Kühn.

Das Projekt Tokio ist für die deutschen Handballer positiv gestartet. Mit Siegen gegen Brasilien am Freitag (36:26) und Ägypten am Sonntag (29:27) beflügelte das Team des Deutschen Handballbundes (DHB) die Fantasie ihrer Anhänger, beim Olympischen Turnier bis ganz zum Schluss gefordert zu sein.

In Tokio werden die Deutschen schon in der Gruppenphase auf Mannschaften treffen, die stärker sind als die Sparringspartner vom Wochenende, doch die Signale, die das Team von Alfred Gislason in den 120 Minuten aussendete, waren positiv. Vor allem beim Erfolg gegen Afrikameister Ägypten, der bei der Weltmeisterschaft im Januar erst im Siebenmeterwerfen am späteren Weltmeister Dänemark scheiterte, deuteten die Gislason-Schützlinge ihre Leistungsstärke an. „Wir haben vorne sehr flüssig gespielt und standen gut in der Abwehr“, sagte Rückraumspieler Julius Kühn.

Alle drei Keeper zeigen starke Paraden

Der wurfgewaltigste Akteur im Rückraum der DHB-Auswahl war sichtlich zufrieden mit den Eindrücken, die er gegen die Ägypter gesammelt hatte, tat aber wie seine Kollegen auch gut daran, gleichzeitig auf „einige Bereiche“ aufmerksam zu machen, die es zu verbessern gelte.

Die Position der Torhüter zählt nach den Erkenntnissen des Drei-Nationen-Turniers nicht dazu. Gegen Ägypten spielten Johannes Bitter, Silvio Heinevetter und Andreas Wolff jeweils 20 Minuten – und jeder zeigte starke Paraden.

15. Mann: Kohlbacher oder Knorr?

Der stärkste Keeper war Heinevetter, für den in Tokio jedoch die Rolle des Reservisten vorgesehen ist. Zweiter Ersatzmann im 17-Mann-Kader ist Tobias Reichmann, der zwei Treffer gegen die Ägypter beisteuerte. Die Rolle des 15. Spielers, der zwar mit im Olympischen Dorf wohnen, aber nicht zum 14er Kader zählt, der zunächst eingesetzt werden darf, dürfte entweder Jannik Kohlbacher oder Juri Knorr einnehmen.

Bis zur 50. Minute hatten die deutschen Handballer gegen einen körperlich und spielerisch guten Gegner sogar eine Acht-Tore-Führung herausgeworfen (27:19), erst im Anschluss schrumpfte der Vorsprung noch zusammen. Die Schlussphase der Begegnung offenbarte, welches das dringlichste Problem der Deutschen ist. „Wenn unsere erste Sechs auf dem Feld steht, war das sehr gut“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason zufrieden, ehe der zweite Teil des Satzes folgte: „Aber es war vor allem in der Abwehr ein Abfall zu sehen, nachdem wir gewechselt hatten.“

Mittwoch startet der Flieger Richtung Japan

Knapp zwei Wochen vor dem Start ins Olympische Turnier gegen Europameister Spanien fehlt der deutschen Mannschaft Leistungsdichte. Ohne Abwehr-Chef Hendrik Pekeler im Zentrum und ohne Steffen Weinhold auf der rechten Halbposition fällt das Niveau ab. In Tokio steht alle zwei Tage ein kräfteraubendes Match an, die Stammbelegschaft wird Verschnaufpausen benötigen und aus diesem Grund ist es elementar, dass der Leistungsabfall geringer ist, wenn es in der „Nationalen Sporthalle Yoyogi“ um den Traum von der Goldmedaille geht. „Wir arbeiten daran“, sagte Gislason.

Bis Mittwoch bleiben Mannschaft und Trainerteam in Herzogenaurach im Trainingslager, ehe das Olympia-Abenteuer von Frankfurt aus in Richtung Japan startet. Nach einer weiteren Woche Vorbereitung in Tokushima geht es anschließend ins Olympische Dorf. Es ist also noch etwas Zeit, um an den Schwachstellen zu arbeiten. Und: insgesamt waren die beiden Spiele in Nürnberg ein Mutmacher für die deutschen Handballer und alle jene, die ihnen die Daumen drücken.

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