Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel DFB-Frauen vermasseln WM-Generalprobe: Der letzte Weckruf

Genervt: „Natürlich bin ich angefressen, ich kann nicht verlieren“, sagte DFB-Torjägerin und Kapitänin Alexandra Popp nach dem 2
Genervt: »Natürlich bin ich angefressen, ich kann nicht verlieren«, sagte DFB-Torjägerin und Kapitänin Alexandra Popp nach dem 2:3 gegen Sambia. Sie und Lea Schüller hatten die deutsche Mannschaft zum Ausgleich geführt,zum Sieg hat es dennoch nicht gereicht.

Die deutschen Frauen-Nationalmannschaft säht vor der WM-Abreise nach Australien Zweifel ob ihrer Leistungsfähigkeit. Die Niederlage gegen Sambia muss nun schnell und kritisch aufgearbeitet werden.

Deutsche Fußballerinnen, die auf einer angedeuteten Ehrenrunde warmen Applaus empfingen – die Szenerie rund um den Sportpark Ronhof in Fürth wirkte grotesk. Hunderte Fans, die sich an den Absperrgittern vor dem Mannschaftsbus drängten: Die DFB-Frauen können sich auch nach schlechten Vorstellungen noch des Zuspruchs sicher sein, was nach einer vermasselten WM-Generalprobe gegen den unkonventionellen Außenseiter Sambia (2:3) ja kein schlechtes Zeichen ist. Doch nur Aufmunterung wird bei der Endrunde in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) eben nicht reichen.

„Es wirft einiges über den Haufen“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg mit sorgenvoller Miene – und meinte damit ihre verletzt ausgewechselten Spielerinnen Lena Oberdorf, Marina Hegering und Carolin Simon. Doch eigentlich wirkten alle Akteurinnen erkennbar angeschlagen. Die Überzeugung und das Selbstvertrauen bröckeln vor dem Abflug nach Sydney am Dienstag. Von einer Titelform scheint das Team gut zwei Wochen vor WM-Start fast so weit entfernt zu sein wie Australien von Deutschland.

Trotzdem optimistisch: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.
Trotzdem optimistisch: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Jetzt auch die Frauen, wird sich manch Fußballfan denken. Die Peinlichkeiten der Nationalteams fügen sich in diesen verstörenden Wochen des deutschen Fußballs aneinander. Zwar bemühte niemand – weder Trainerin noch Spielerinnen – das Flicksche Unwort vom „Prozess“, aber die Parallelen an einem lauen Sommerabend, an dem anfänglich die Welle durchs Fürther Stadion schwappte, sind zu offensichtlich: Wenn die deutschen Fußballerinnen den Weckruf gegen einen WM-Novizen und Weltranglisten-77. Sambia nicht hören, wird auch dieses Turnier für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein Reinfall.

EM-Bonus allmählich aufgebraucht

Teilweise erfüllten einige Erklärungen den Tatbestand der Schönfärberei. Der Ball sei ja „gut gelaufen“, sagte Mittelfeldspielerin Sara Däbritz. Das mag streckenweise gelten, aber die EM-Heldinnen, die in identischer Besetzung und derselben taktischen Ausrichtung auf dem Rasen standen, haben ihren Bonus aufgebraucht. Vorne fehlte Durchschlagskraft, hinten Wehrhaftigkeit. Fast jeder Ballverlust beschwor eine brenzlige Situation herauf. „Wir müssen schneller ins Gegenpressing kommen, wir sind nicht kompakt genug“, mahnte die „schwer genervte“ Kapitänin Alexandra Popp. „Natürlich bin ich angefressen, ich kann nicht verlieren“, sagte die lange wirkungslose Torjägerin. Und sie erwähnte auch, dass „bei deutschen Fußball-Fans ganz schnell die Alarmglocken angehen“. Dass sich die 32-Jährige jedoch „keine Sorgen“ machen wollte, verwunderte angesichts der langen Mängelliste. Es muss der letzte Weckruf sein, wie die mit einem beeindruckenden Speed gesegnete Barbra Banda in der zwölften Minute (!) der Nachspielzeit den späten Ausgleich konterte, den Popp und die eingewechselte Lea Schüller nach einer Umstellung auf eine durchaus interessante 3-5-2-Formation geköpft hatten.

Außenseiter und Überraschungssieger: Die Frauen aus Sambia.
Außenseiter und Überraschungssieger: Die Frauen aus Sambia.

Nie hat die wiederholt überlaufene Verteidigerin Kathrin Hendrich nach eigenem Bekunden gegen eine schnellere Stürmerin als Banda gespielt, und die 23-jährige Kapitänin der „Copper Queens“ ist insofern eine Ausnahmeerscheinung, weil sie wegen erhöhter Testosteronwerte im vergangenen Jahr nicht zum Afrika-Cup zugelassen worden ist. Doch darüber sollte sich jetzt niemand beschweren, zumal die Fifa den Fall Banda nicht verfolgt – und der zweifache Weltmeister Deutschland mit sich selbst gut genug zu tun hat.

Nicht mehr Favorit – ein Vorteil?

Voss-Tecklenburg hob die Stimme, als sie mit Blick auf die Gruppenspiele gegen Marokko, Kolumbien und Südkorea sagte: „Gegen Kolumbien kommt die gleiche Physis, das gleiche Tempo auf uns zu.“ Sie erwarte die „klare Mentalität“, die Situationen konsequenter zu verteidigen. Es braucht definitiv ein anderes Zweikampfverhalten, sonst wird bereits die Vorrunde zur Zitterpartie.

Fünf Länderspiele im Jahr 2023 – gegen Schweden (0:0), Niederlande (1:0), Brasilien (1:2), Vietnam (2:1) und nun Sambia – lieferten mehr Fragen als Antworten. „In der Summe zu viele Fehler. In der Summe ein durchwachsenes Jahr“, konstatierte eine sorgenvolle Bundestrainerin, die zwar „nicht alles zerreden“ wollte, aber doch deutliche Worte fand: „Mentalität und Körperlichkeit“ müsse man reinkriegen, da müsse es endlich „klares Handeln und ein Learning“ geben.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Gleichwohl macht sich bei der 55-Jährigen keine Panikstimmung breit: „Wir sind nicht mutlos, wir sind selbstkritisch und bleiben hartnäckig.“ Die Daueroptimistin wollten in dem Dämpfer im Frankenland auch eine Chance erkannt haben: „Vielleicht gucken die anderen jetzt weniger auf uns.“ Das könnte sogar stimmen – in der Aufzählung der WM-Favoriten wird Deutschland nach der Generalprobe auch bei den Frauen wohl nicht mehr an erster Stelle genannt.

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