HANDBALL
Deutsche Handballer – gegen alle Widerstände
Die deutsche Auswahl hat sich trotz aller Turbulenzen abseits des Feldes nicht unterkriegen lassen. Sie zeigte gegen die Polen am Dienstagabend vor allem in der Abwehr eine überragende Leistung. Der nachnominierte Johannes Bitter war der einzige Torhüter im Kader. Silvio Heinevetter sollte auch nach Bratislava kommen, er wurde aber in der Heimat positiv auf das Corona-Virus getestet. Das deutsche Team nimmt als Gruppensieger die zwei Punkte mit in die Hauptrunde. „Ich bin extrem glücklich, dass wir das Spiel gewonnen haben. Die Mannschaft hat einen überragenden Charakter gezeigt“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason.
Neue Corona-Fälle
Der im Spiel gegen Österreich überragende Torhüter Till Klimpke und Linksaußen Marcel Schiller waren am Dienstag die nächsten zwei Spieler, die ausfielen. Damit erhöhte sich die Anzahl der Corona-Fälle im deutschen Kader auf neun. Keeper Daniel Rebmann von Frisch Auf Göppingen und Patrick Zieker vom TVB Stuttgart sind die Akteure, die nun nachkommen. Gislason berief nach bereits sechs neuen Fällen am späten Montagabend Johannes Bitter sowie die Feldspieler Fabian Wiede, Paul Drux, Rune Dahmke und Sebastian Firnhaber. „Das ist mit das verrückteste, was ich bisher gemacht habe“, meinte Routinier Bitter, der nur im Notfall noch einspringen wollte. Das war so ein Notfall. Der Weltmeister von 2007 kam auf eine Quote von 25 Prozent, das ist in Ordnung, aber er hielt den einen oder anderen Ball spektakulär. Die Polen hatten Respekt vor ihm.
Julian Köster überragend
Imponierend: Die deutsche Mannschaft steckte die schlechten Nachrichten weg. Ohne Abschlusstraining. Ohne gemeinsames Videostudium. Ohne persönlichen Kontakt den Tag über. „Man hat gesehen, was besondere Umstände mit einer Mannschaft machen können“, folgerte Kapitän Johannes Golla. Der Abwehr-Innenblock mit Golla und Patrick Wiencek, in den ersten zwei Spielen mit Schwächen, stand sehr kompakt. Christoph Steinert knüpfte an seine Leistungen aus den ersten beiden Partien an, er verwandelte sechs Siebenmeter.
Und dann war da ja noch Komet Köster: Als große Überraschung entpuppte sich Julian Köster vom Zweitligisten VfL Gummersbach. Der junge Mann traute sich viel zu, ihm gelang vor der Pause ein Hattrick. Den 21-Jährigen hatten die Polen nicht auf der Rechnung. Sie bekamen ihn auch nach der Pause nicht in Griff. Julian Köster – die Entdeckung der Partie und der Spieler des Spiels. „Ich habe unbeschreibliche Glücksgefühle, ich kann es noch gar nicht richtig begreifen. Ich freue mich einfach unfassbar, dass ich der Mannschaft so helfen konnte“, meinte der Rückraumspieler nach seinem erfrischenden Auftritt.
Spanien wartet
Im Gegensatz zu den ersten Spielen war die deutsche Mannschaft gleich konzentriert. Sie führte früh, behielt ihre Ruhe und kam nie in Gefahr.
In der Hauptrunde trifft das Team zunächst am Donnerstag auf Titelverteidiger Spanien, am Freitag auf Norwegen, am Sonntag auf Schweden, sowie am Dienstag dann auf Russland.
So spielten sie
Polen: Zembrzycki, Kornecki - Daszek (5), Olejniczak (1), Sicko (6) - Moryto (7/5), Krajewski (1) - Bis - Syprzak (2), Pietrasik (1), Przybylski, Pilitowski
Deutschland: Bitter - Steinert (9/6), Weber (4), Heymann - Zerbe (3), Dahmke (1) - Golla (6) - Wiencek (1), Drux, Köster (6), M’Bengue
Spielfilm: 2:3 (9.), 3:5 (13.), 5:8 (19.), 10:11 (25.), 11;15 (Halbzeit), 15:18 (37.), 15:20 (42.), 16:22 (47.), 19:23 (52.), 21:28 (57.) - Siebenmeter: 5/5 - 6/6 - Zeitstrafen: 5/6 - Beste Spieler: Steinert, Golla, Köster - Sicko, Moryto - Zuschauer: 1076 - Schiedsrichter: Nikolov/Nachevski (Mazedonien).
