Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsche Frauen können trotz Niederlage vom EM-Halbfinale träumen

Laura Van Der Heijden aus den Niederlanden versucht, sich gegen Alina Grijseels durchzusetzen.
Laura Van Der Heijden aus den Niederlanden versucht, sich gegen Alina Grijseels durchzusetzen.

Niemand jubelte, doch nur für eine Mannschaft ist der Traum von einer Medaille zerplatzt. Die Nationalmannschaft der Frauen verlor gegen die Niederlande 27:28 (15:14), kann bei der Europameisterschaft am Dienstag aber trotzdem aus eigener Kraft das Halbfinale erreichen.

Tess Wester hielt zwei Sekunden vor Schluss den Wurf von Marlene Zapf und sicherte den Niederländerinnen damit den Sieg – und doch konnte sich die Weltklasse-Torhüterin nicht darüber freuen. Der Blick von Wester drückte die Enttäuschung aus, denn der knappe Sieg im Duell gegen die Deutschen reichte nicht aus, um eine Chance auf das Halbfinale zu erhalten. Der amtierende Weltmeister hätte mindestens mit drei Tore Differenz gewinnen müssen, um die Medaillenrunde erreichen zu können. Währenddessen schuf sich der Rivale aus Deutschland die Chance, aus eigener Kraft zum ersten Mal seit 2008 das Halbfinale bei einem Großturnier zu erreichen. Am Dienstag (18.15 Uhr) würde ein Sieg mit zwei Toren Differenz gegen Kroatien reichen.

Dinah Eckerle hält überragend

Den Spielerinnen auf dem Feld war die Konstellation bewusst, weshalb die Niederländerinnen die Köpfe hängen ließen, obwohl sie gerade ein packendes Match am Ende hauchdünn gewonnen hatten. „Wir sind an Dinah Eckerle gescheitert, haben viele Chancen nicht verwertet“, sagte Danick Snelder. Die Kreisläuferin scheiterte in entscheidenden Situationen immer wieder an der deutschen Torfrau, die verdient als beste Spielerin der Begegnung ausgezeichnet wurde.

Eckerle hielt 16 Bälle. Einen weniger zwar als Wester auf der anderen Seite des Spielfeldes, aber die Deutsche war deshalb überragend, weil sie viel mehr freie Würfe auf ihr Tor entschärfte und immer zur Stelle war, wenn die Niederländerinnen hätten davonziehen können. „Wir sind dank Dinah Eckerle dran geblieben“, sagte Bundestrainer Henk Groener. „Es ist schon sehr, sehr bitter, weil es wieder mal ein Tor ist“, befand Eckerle: „Wir hatten ein Tick Pech.“ Die Ausgangslage der deutschen Mannschaft vor dem finalen Spiel der Hauptrunde hat sich nur marginal geändert, anstelle eines Sieges mit einem Treffer ist nun ein Erfolg mit zwei Toren nötig.

Starker Start, danach Probleme im Angriff

Selbst bei einem klaren Sieg gegen den Weltmeister wäre ein weiterer Erfolg gegen Kroatien die Grundvoraussetzung für den Sprung in die Runde der letzten Vier gewesen – und das war schlicht unrealistisch. Ein knapper Erfolg oder ein Remis war aber möglich, vor allem in der ersten Halbzeit überzeugten die Deutschen und lagen zwischenzeitlich mit vier Toren vorne – 13:9 (21.). Im Laufe der Partie erlahmte aber das Angriffsspiel der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), so dass es immer schwieriger wurde, sich klare Chancen zu erspielen.

Allerdings profitierten die Deutschen von starken Einzelaktionen, um bis in die Schlussphase hinein eine knappe Führung zu halten. Beim 24:26 und doppelter Unterzahl (56.) drohte jedoch großes Ungemach – die Niederländerinnen hofften auf einen deutlichen Sieg. Daraus wurde jedoch nichts, weil Eckerle unglaubliche Paraden zeigte und ihrem Team damit eine realistische Chance aufs Halbfinale erhielt.

Am Dienstag dürfte es gegen Kroatien wieder einen Handball-Krimi geben.

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