Radsport
Deutsche bei der Bahn-Europameisterschaft in München weiter im Goldrausch
Miteinander fahren und feiern, das kann ganz schön viel Spaß machen. Der deutsche Frauenvierer hat das schon zur Genüge zelebriert. Aber gegeneinander antreten? Lisa Brennauer und Mieke Kröger durften das am Samstag im Kampf um Gold, weil sie am Vormittag das Finale in der Einerverfolgung erreichten. Aber dann mussten sie. Ein knallharter Fight stand an, zu verschenken hatte keine was. Und das WM-Trikot, das Lisa Brennauer trug, nun, das kann auch mal eine Bürde sein. Zudem das Wissen, dass es ihr allerletztes Bahnrennen sein wird.
Beide trugen ihren gewohnten Goldhelm, aber nur Mieke Kröger nahm sich die Goldmedaille. Eine Überraschung? Ach was, die Wahrheit liegt auf der Bahn. Eine schlichte Weisheit. Lisa Brennauer legte los wie die Feuerwehr. „Das ist mein Markenzeichen. Wenn ich stabil geblieben wäre, wäre ich eine Topzeit gefahren“, wird sie später sagen. Ihre Beine aber haben nicht mitgemacht. Auf dem letzten der drei Kilometer schmolz ihr Vorsprung, Mieke Kröger drehte auf. „Ich wusste schon nach der Qualifikation, dass ich noch etwas im Tank habe“, sagte die 29-jährige frischgekürte Europameisterin.
Innige Feier
Sie hatte vor diesen Titelkämpfen etwas an sich gezweifelt, jetzt aber weiß sie, dass sie sich etwas zutrauen kann. „Ich habe meinen Rhythmus und das Gefühl schnell gefunden und habe nicht überpaced. Und ich wusste einfach vor dem Rennen, dass es eng werden kann“, ließ sie die 3:22,46 Minuten noch mal an sich vorbeilaufen. Die beiden lagen sich lange in den Armen nach dem Rennen, die innige Feier zweier Gegnerinnen, Tränen flossen, wobei nicht klar war weshalb. „Es war wohl eine Mischung bei mir. So sehr ich die Teamdisziplin mag, das Gemeinsame, aber im Einzel zu gewinnen, tut der Seele ganz schön gut. Das hat mich überwältigt. Aber zu wissen, dass es Lisas Abschiedsgruß war, da springen die Emotionen über“, sagte Kröger.
„In mir herrscht erst mal großes Chaos“, gab Lisa Brennauer zu Protokoll. „Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber ganz ehrlich, ich freue mich auch sehr für Mieke, sie hat sich den Titel so was von verdient“, sagte Brennauer, die eine Sekunde langsamer war. Ihre Tränen rührten vom Wissen vom Abschied auf der Bahn: „Da kam alles noch mal kurz raus.“ Man wird sie aber am Mittwoch beim Straßen-Zeitfahren, durchaus mit Titelchancen, und am Sonntag beim Straßenrennen noch zwei Mal sehen. Auch Emma Hinze hat noch zwei Wettbewerbe vor sich. Sie ist auf dem Weg zur Sprintkönigin von München. Nach dem Titel im Teamsprint gewann sie das 500-m-Zeitfahren in deutscher Rekordzeit.
Heinrichs perfekter Tag
Ihr bedeutet die Tatsache, als erste Deutsche unter 33 Sekunden gefahren zu sein, mehr als der EM-Titel. „32,66 Sekunden, das habe ich überhaupt nicht erwartet“, sagte Emma Hinze (24). Dann, am Ende des dritten EM-Tages, trumpfte das größte deutsche Verfolgertalent Nicolas Heinrich (20) mächtig auf. In 4:09,320 Minuten holte der Zwickauer Gold gegen den Italiener David Plebani – mit 3,6 Sekunden Vorsprung. „Nach der Qualifikation hatte ich großes Selbstvertrauen. Das war ein perfekter Tag für mich, es ist der größte Sieg meiner Laufbahn“, sagte Heinrich.