Sport Der Weckruf

Der Fußball-Zweitligist 1. FC Kaiserslautern will morgen gegen den VfL Bochum die Trendwende erzwingen und die Krise besiegen. Die Vereinsführung hat beim Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung gegen „Sport Bild“ erlangt.
Auf dem grünen Rasen sind die Erfolge der Roten Teufel auch 2016 überschaubar. Am grünen Tisch ist der Vereinsführung ein Erfolg beschieden, der Ruhe ins Umfeld bringen sollte: Das Landgericht Hamburg untersagt mit der Einstweiligen Verfügung vom Freitag der „Sport Bild“, einem Blatt aus dem Hause Springer, die in der letzten Ausgabe im Beitrag „FCK am Boden“ genannten Zahlen zur angeblichen wirtschaftlichen Schieflage des FCK aufrecht zu erhalten. Bei einem Zuwiderhandeln wird ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro fällig. „Vier der fünf genannten Zahlen in dem Bericht sind unwahr“, klagt Fritz Grünewalt, der scheidende Finanzvorstand des FCK. Sein Nachfolger Michael Klatt hat Grünewalts Sicht der Dinge am Donnerstag in einer Pressemitteilung des Vereins bestätigt. „Was in ,Sport Bild’ verbreitet wurde, ist einfach unseriös. Der ursprünglich vom Internetportal ,Der Betze brennt’ in die Welt gesetzte angebliche Verlust durch rückläufige TV- und Zuschauereinnahmen in Höhe von vier Millionen Euro entbehrt jeder Grundlage. Die TV-Einnahmen sind in der laufenden Saison sogar um zirka 100.000 Euro gestiegen. Die rückläufigen Zuschauereinnahmen werden zu einem Rückgang zum Vorjahr von rund einer Million Euro führen. Also beläuft sich das Minus auf etwa 900.000 Euro“, erklärt Grünewalt im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die finanzielle Situation des FCK ist mittlerweile grundsolide. Wo wir noch Verbesserungspotenzial sehen, ist das Ressourcenmanagement des Vorstandes. Wie auf der Jahreshauptversammlung am 12. Dezember 2015 beklagt, ist die Entwicklung, dass der Vorstand zu 60 Prozent damit beschäftigt ist, Falschmeldungen, Anschuldigungen und Vorwürfe zu widerlegen. Als Mitglied bin ich darüber betroffen, als Fan bin ich bestürzt, als Unternehmer finde ich diese Entwicklung fatal. Alle, denen der FCK am Herzen liegt, müssen helfen, dass mein Nachfolger Michael Klatt, der neue Vorstand und der gesamte Verein, einschließlich der Mitarbeiter der Geschäftsstelle, sich wieder dem Wesentlichen widmen können: der Zukunft und der Steigerung der nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit des FCK“, appelliert Grünewalt. Er sieht seine Worte als Weckruf, zumal die Falschmeldungen die Gespräche des Aufsichtsrates mit potenziellen Vorstandskandidaten nachhaltig erschwerten. Nikolai Riesenkampff und seine Kollegen seien bestrebt, die bestmöglichen Lösungen für die künftige Vereinsführung zu finden. Top-Kandidaten würden durch solch fatale Falschmeldungen verunsichert, zumal auch renommierte Blätter ungeprüft falsche Zahlen veröffentlicht hätten. So sei die bei „Sport Bild “genannte Summe, die der aktuelle Hauptsponsor zahle, nachweislich falsch. Wer Verbindlichkeiten des Vereins von 17,3 Millionen Euro anführe, müsste auch die zweite Seite der Bilanz benennen: Forderungen, Bargeld und Anlagevermögen des FCK, was mit rund 21 Millionen Euro zu beziffern sei. „Ich bin demnächst weg. Ich hoffe aber, dass mein Weckruf fruchtet und mein Nachfolger nicht ständig mit unwahren Zahlen konfrontiert wird, die böswillig gestreut werden“, sagt Fritz Grünewalt. Die Mannschaft, die in der Bringschuld ist, braucht keinen Weckruf. Sie ist wach, hellwach, urteilt Trainer Konrad Fünfstück. Zu seinen herausragenden Kräften zählt der Coach den „giftigen“ Jean Zimmer – als Außenverteidiger oder auf einer der Außenbahnen. „Er ist mit seinen 22 Jahren schon ein Führungsspieler“, lobt der FCK-Coach. „Am Montag ist es wichtig, dass wir die ,englische Woche’ vergessen machen. Bochum ist – bis auf das Pokalspiel gegen Bayern – in diesem Jahr noch ungeschlagen, aber ich glaube, dass wir die Aufgabe meistern können“, sagt Zimmer, mit acht Vorlagen der beste Vorbereiter der Mannschaft, in die Linksverteidiger Chris Löwe anstelle des gesperrten Marcel Gaus zurückkehrt. Wo spielt Zimmer 2016/17? „Die Bundesliga sollte das Ziel jedes Profis sein“, sagt der Umworbene. Und entscheidet nach dem letzten Saisonspiel, wohin die Reise geht.