Sport Der große Moment des Jamie Murphy
Offenbach. War das wichtig: Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft veredelte den Sensationssieg von vor drei Wochen gegen Rumänien und besiegte am Samstag – erneut in Offenbach – Belgien mit 34:29 (20:6). Sie musste aber jede Menge harte Arbeit verrichten, ehe der Erfolg feststand.
„Wir hatten zwar erwartet, dass es gegen Belgien schwierig werden würde, aber letztlich haben wir uns nach guten ersten 60 Minuten selbst in Schwierigkeiten gebracht“, sagte Nationaltrainer Kobus Potgieter. „Wir sind dann nicht mehr richtig ins Spiel gekommen, haben viele Bälle verloren und damit Belgien wieder zurück ins Spiel gebracht. In der ersten Hälfte waren wir gut im Spiel, haben aber aus unseren Chancen zu wenig gemacht. So wurde es noch mal eng.“ Erneut unglaubliche Dramatik im Sparda-Bank-Hessen-Stadion, früher besser bekannt als Stadion am Bieberer Berg, wo die Kickers vom OFC schon so mache Schlacht geschlagen haben. Erneut ein Drama mit glücklichem Ende für die deutsche Auswahl, die nach drei Spielen in der Rugby Europe Championship schon zwei Siege errungen hat und in der WM-Qualifikation noch eine weiße Weste hat. Hier zählen die Spiele gegen Georgien nicht mit, da die „Lelos“ schon für die WM 2019 in Japan qualifiziert sind. Vor drei Wochen noch holte die deutsche Fünfzehn zweimal einen 18-Punkte-Rückstand zum 41:38-Triumph auf. Dieses Mal war es (fast) umgekehrt. Als in der 46. Minute Sean Armstrong den schönsten Versuch des Tages – der Ball wanderte von der eigenen Hälfte ausgehend durch viele deutsche Hände – zum 25:6 gelegt hatte, standen die Zeichen auf Sieg. In diesem Moment hatte Deutschland sogar den offensiven Bonuspunkt für drei oder mehr erzielte Versuche sicher. Aber es kam anders. Ab der 60. Minute drehte Belgien auf, hatte fast ständig Ballbesitz. Zwar dominierten die Deutschen die Gasse, hatten aber im Gedränge Probleme. Hier wurden im Vergleich zum Rumänien-Spiel der Hüne Michael Poppmeier (Innenbandriss) und Erste-Reihe-Stürmer Damien Tussac (keine Freigabe von Castres Olympique) vermisst. Ein Glück für die Gastgeber, dass der für Clemens von Grumbkow eingewechselte walisische Kämpfer Jamie Murphy den Ball im Sprint noch fangen konnte und ihn zum vorentscheidenden 32:21-Zwischenstand (67.) ablegte. Ebenso ein Glück für Rugby-Deutschland, dass zwei Generationen früher Jamie Murphys Großmutter sich mit einem Briten eingelassen hat und mit ihm Kinder bekam. Denn somit ist der Waliser, der bei den Bridgend Ravens unweit von Cardiff spielt, auch für Schwarz-Rot-Gold spielberechtigt. Apropos Bridgend Ravens. Der Club wurde schon 1878 gegründet und spielt in der walisischen Premier Division, Heimspiele im Brewery Field, auf deutsch: Brauereiplatz. Das Spiel am Samstag wurde ja live bei Sport1 übertragen, vielleicht haben es Murphys Mitspieler in Bridgend auch gesehen. Da wird Jamie einiges an der Clubhausbar zu erzählen haben, wenn er wieder zurück ist im Süden von Wales.