Handball
Der Beste entscheidet das WM-Finale
Andreas Palicka steht als bester Torhüter der Weltmeisterschaft in Ägypten im Allstar-Team, doch der Schwede war nicht der beste Torhüter im finalen Match der globalen Welttitelkämpfe im Schatten der Pyramiden. Die Kommission, die sich darum kümmert, die besten Akteure für jede Position zu bestimmen, hatte sich zu früh entschieden. Im WM-Endspiel stellte Niklas Landin eindrucksvoll unter Beweis, dass er der Beste ist. Der Welthandballer aus dem Jahr 2019 sorgte mit zahlreichen spektakulären Paraden in der zweiten Halbzeit dafür, dass Dänemark seinen Titel als Weltmeister verteidigte. Finalgegner Schweden scheiterte beim 24:26 (13:13) in der Schlussphase allein am Keeper des THW Kiel.
Landin: Kraftreserven gefunden
„Wir haben Kraftreserven gefunden, an die wir nicht mehr geglaubt haben“, sagte Landin nach dem Triumph. Der Kapitän der dänischen Mannschaft hob sich während der 60 Minuten von allen anderen Spielern auf dem Feld ab, anschließend gab er sich als Teamplayer. „Der Sieg bedeutet mir unglaublich viel“, erklärte Landin, ehe er den WM-Pokal entgegennahm.
Die Schweden waren als Überraschungsfinalist mit viel Rückenwind, gegen den Weltmeister von 2019 aber trotzdem als leichter Außenseiter ins Endspiel gegangen. Dennoch gab es Phasen, in denen es wirkte, als könnten sie die Dänen in die Knie zwingen. Kurz vor der Pause führten das Drei-Kronen-Team mit 13:11, war in Überzahl, schaffte es aber nicht, eine Führung in die Halbzeit zu transportieren. Schweden, angeführt vom unermüdlichen Spielmacher Jim Gottfridsson von der SG Flensburg-Handewitt, nutzte die eigenen guten Momente nicht konsequent genug aus. Der erste WM-Titel seit 1999 – damals übrigens in der gleichen Halle in Kairo gewonnen, in der sie diesmal knapp scheiterten – war möglich.
In Kiel gereift
Der Mann, der in den vergangenen Jahren von einem Torhüter mit herausragenden Fähigkeiten zum besten Keeper seiner Zeit wurde, verhinderte das schwedische Märchen jedoch. Früh war Landins außergewöhnliches Talent sichtbar geworden, aber es dauerte ein paar Jahre, bis der Keeper des THW Kiel gelernt hatte, es in den wichtigen Phasen einer Partie abzurufen. Inzwischen umweht den 32-Jährigen eine Aura, die den Schützen des Gegners Respekt einflößt.
10 Paraden bei 19 Würfen
Ab der 40. Minute steigerte sich Landin deutlich, insgesamt wehrte er in der zweiten Halbzeit zehn von 19 Würfen auf sein Tor ab und sorgte dafür, dass die Dänen aus einem 18:19 (41.) eine 23:20-Führung machten (49.). In den letzten 14 Minuten entnervte Landin die Schweden mit sieben Paraden – das war pure Weltklasse. In einem hochklassigen Endspiel reichte der daraus resultierender Drei-Tore-Vorsprung zum zweiten WM-Titel nach dem Erfolg bei der Heim-WM vor zwei Jahren.
Vor dem spektakulären letzten Akt der WM hatte sich Spanien die Bronze-Medaille gesichert. Die Iberer setzten sich im Spiel um den dritten Platz am Ende souverän 35:29 gegen Frankreich durch.