WOCHENENDE-KOLUMNE
Dem FCK hilft nur eine Radikalkur
Neuer Trainer, neue Chefetage, alles wieder mal komplett anders? Nein. Vereinsführungspersonal und vor allem Trainer hat der 1. FC Kaiserslautern in den vergangenen Jahren wahrlich mehr als reichlich gehabt und gewechselt. Und doch muss sich der Fußball-Drittligist in diesem Sommer komplett neu positionieren. Er ist nicht der große FCK, vor dem diese gerade in der abgelaufenen Saison so ausgeglichene, spannende Dritte Liga in Ehrfurcht erstarren müsste. Auch Aufsteiger wie der TSV Havelse und Viktoria Berlin müssen dies nun nicht. Mit für die Liga beachtenswerten Transfers wie Jean Zimmer, der mit der Hilfe der Investorengruppe Saar-Pfalz-Invest GmbH nun fest verpflichtet werden konnte, oder Mike Wunderlich wecken die Roten Teufel natürlich Erwartungen bei ihren Fans. Das ist normal, dafür sind es Fans, die ihren Klub möglichst immer siegen und Meisterschaften gewinnen sehen wollen.
Jede Spur Überheblichkeit, Pomadigkeit wird in der Dritten Liga bitter bestraft. Das haben die vergangenen Jahre regelmäßig gezeigt. Für den FCK ist der nun schon rund zehn Jahre währende, seit Bundesliga-Platz sieben 2010/11 anhaltende Sinkflug auch 2020/21 weitergegangen: Rang 14 in Liga drei. Und es sah lange noch düsterer aus.
Ein Ziel steht beim FCK über allen anderen
Trainer Marco Antwerpen, seit 1. Februar im Amt, ist es mit seinem Team gelungen, den Abstieg zu verhindern, auch mit wiedererlangter Heimstärke und aggressiverem Spiel. So nennt Sport-Geschäftsführer Thomas Hengen den Auf- und Ausbau einer Hausmacht auf dem Betzenberg als Saisonziel, das über allem stehen soll. Allzu vorsichtig und abwartend – ein solcher Fußballstil ist gar nichts für die Roten Teufel, vor allem nicht im Fritz-Walter-Stadion. Darin sind sich Sportchef Hengen und Chefcoach Antwerpen einig.
Gut für den FCK ist es, dass Antwerpen als Trainer, der aus den einzelnen Charakteren ein echtes Team formen muss, sehr tatkräftig gemeinsam mit Hengen die Kaderzusammenstellung vorantreibt.
Bei „Lapaloma“ folgt die Strafe auf dem Fuße
Die erfahrenen Neuzugänge, die von Drittliga-Konkurrent Viktoria Köln gekommen sind, der 35 Jahre alte Wunderlich und René Klingenburg (27), sind zu einem guten Stück weit wegen Antwerpen in die Pfalz gewechselt. Er kennt sie aus gemeinsamen früheren Zeiten. „Er versteht uns, wir sind irgendwie noch echte Straßenfußballer. Aber wenn ich Lapaloma mache, sitze ich ganz schnell auf der Bank, das ist auch klar“, sagt der 1,90-Meter-Hüne Klingenburg im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Auffällig: Hengen und Antwerpen haben einige sehr groß gewachsene Spieler verpflichtet, vier Neue sind 1,90 Meter und größer – so liebte es auch Otto Rehhagel; körperliche Präsenz ist äußerst wichtig, gerade angesichts des kampfbetonten Drittliga-Fußballs. Wie jedes Jahr sind Verantwortliche wie FCK-Fans froher Hoffnung, was die teils doch namhaften Neuzugänge angeht. Aber der ganze Klub ist gut beraten, den Ball flach zu halten. Auch wenn es ein Spagat ist zwischen großem Respekt vor jedem einzelnen Gegenspieler und großen Fanhoffnungen nebst dem Ehrgeiz gut verdienender Sportler.
Entschuldung ganz oben auf der Agenda
Großspurigkeit wäre das Schlechteste. Das meint auch der FCK-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Keßler. Seine Devise: „Demut, Augenmaß, nichts und niemanden unterschätzen – die ersten drei, vier, fünf Spiele sind wie immer richtungsweisend.“ Neben den sportlichen Aspekten ist „die Entschuldung des eingetragenen Vereins ein zentrales Thema“, sagt Keßler. Rund 2,4 Millionen Euro externe Schulden sind 2022 zu begleichen. Die Investoren mit ihren 33 Prozent am FCK haben dem e. V. für 2021 geholfen, tragen in der Hoffnung auf Erfolg auch Spielerkosten. So oder so: Die Radikalkur ist wichtig. Das heißt für jeden beim FCK: sympathisch-bodenständig sein. Und bleiben. Gegner für Gegner.
