Gewichtheben RHEINPFALZ Plus Artikel Das Pfalzderby hat es in sich – und bekommt ein Nachspiel

Sorgte für den Höhepunkt: Marin Robu vom AV 03 Speyer.
Sorgte für den Höhepunkt: Marin Robu vom AV 03 Speyer.

Der deutsche Meister AV 03 Speyer besiegt Tabellenführer AC Mutterstadt klar. Doch die Gäste protestieren gegen die Wertung.

881,1:820 (3:0) lautete das Endergebnis zugunsten des AV 03 Speyer. Allerdings legten die Mutterstadter nach dem Wettkampf einen offiziellen Protest gegen die Wertung ein. Der erstmals für Speyer startende türkische Weltmeister Muhammed Furkan Özbek soll bereits seit 2023 eine Startberechtigung für die Athletenschmiede Kiel besitzen. Ein offizieller Vereinswechsel zum AV 03 Speyer soll nicht stattgefunden haben. Darüber muss jetzt der Rechtsverband des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG) entscheiden.

Rund um den Wettkampf vor rund 200 Zuschauern in der vollbesetzten AV-Halle gibt es viele Geschichten zu erzählen. Da war der erste Einsatz der gebürtigen Iranerin Yekta Jamali (21) mit deutschem Pass. Am vergangenen Mittwoch erhielt die 21-Jährige in Heidelberg die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie ist ab sofort Teil des Nationalkader. Das übergeordnete Ziel für Jamali und den Verband ist die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles in der Gewichtsklasse bis 77 kg. Yamali hatte während der Juniorinnen-WM im Mai 2022 in Griechenland die Flucht ergriffen und in Deutschland Schutz gefunden. Sie wurde als Flüchtling anerkannt und trainiert seitdem gemeinsam mit den Kader-AthletInnen im Bundesstützpunkt in Leimen unter Bundestrainer Velagic.

Die Olympianeunte überzeugte mit fünf gültigen Versuchen und soliden 140 Relativpunkten. „Die Woche war turbulent. Ich bin froh und dankbar, dass das jetzt alles erfolgreich über die Bühne gegangen ist. Mit der Leistung bin ich zufrieden“, sagte die glückliche Jamali. Bundestrainer Almir Velagic fand lobende Worte: „Yekta hat das gut gemeistert. Im Hinblick auf die EM im April befindet sie sich auf einem guten Weg“.

Starke Damen an der Hantel

Genauso freute sich der frühere Speyerer Meisterheber über den starken Auftritt von Lisa Marie Schweizer. Mit sechs blitzsauberen Versuchen und 146 Relativpunkten befindet sich die Nationalheberin nach einer Rückenverletzung wieder in einer guten Verfassung. Neben diesen beiden Damen gingen mit Julia Schwarzbach, Milena Thiele, Nina Schroth, Marie Scherer und Jaqueline Nygaard noch fünf weitere Athletinnen an das Eisen.

Sportlicher Höhepunkte des Abends war der Aufritt des moldawischen Vize-Europameisters Marin Robu. Seine tadellose Vorstellung mit 203,6 Relativpunkten (380 Kilogramm im Zweikampf) waren weltklasse. Mit dieser Leistung ist Robu zurzeit bester Bundesligaheber. Die höchste Last des Abends stemmte allerdings der Mutterstadter Bulgare Hristo Hristov. 211 Kilogramm im Schlussversuch brachte der nach Relativpunkten zweitbeste Heber (185 Kilopunkte) zur Hochstrecke.

Debütierte für Mutterstadt: Yekta Jamali.
Debütierte für Mutterstadt: Yekta Jamali.

Erstmals Bundesligaluft schnupperte der türkische Weltklasseheber Muhammed Furkan Özbek. Mit dem amtierenden Weltmeister in der Klasse bis 65 kg zogen die Speyerer einen dicken Fisch aus dem Wasser. „Ich wusste, dass er einen Verein in Deutschland sucht und habe dann den Kontakt aufgenommen. Wir haben uns geeinigt und den Pass ganz normal beantragt. Für Briken Calja kam er jetzt erstmals zum Einsatz und hat mit 175 Relativpunkten gleich seine Klasse bewiesen. Das bringt uns noch mehr Punkte ein“, sagte AV-Sportchef Frank Hinderberger.

Was Hinderberger wohl nicht wusste: dass es für Özbek scheinbar schon einmal eine Bundesliga Startberechtigung für Kiel gab. Aus diesem Grund hat der AC Mutterstadt vorsorglich Protest gegen die Wertung eingelegt. „Ich kann nur sagen, dass wir die Startberechtigung für Özbek vom Verband hatten. Wir haben den Protest angenommen. Jetzt müssen andere darüber entscheiden. Wir haben mit ihm einen starken Wettkampf abgeliefert. Ich plane weiter mit ihm“, betonte Hinderberger.

Sein Kollege Stefan Mohr verteidigt den Protest: „Wir wussten von den Umständen. Aus diesem Grunde waren wir mehr oder weniger gezwungen, offiziell Protest einzulegen. Sportlich haben wir uns in Speyer ordentlich verkauft. Wir bleiben weiterhin im Rennen und den Finaleinzug.“

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