EM-Tagebuch RHEINPFALZ Plus Artikel Championships: Die sympathische Lücke zur Perfektion

Eng, aber man kommt ans Ziel: Der Bustranfer beim Rudern.
Eng, aber man kommt ans Ziel: Der Bustranfer beim Rudern.

Bei den European Championships klappt alles, aber es läuft nicht alles reibungslos. Das kann man hinnehmen, oder man kann sich aufregen.

Man muss nicht lange drum herumreden, wir halten uns für die Meister des Organisierens und Planens. In der Welt werden wir für die Fähigkeit beneidet, Veranstaltungen aller Art so vorzubereiten, dass sie am Ende fehlerlos über die Bühne gehen können. Bei den European Championships sollte das auch so sein, sollte man denken.

Freundlich und bemüht bleiben

In den ersten Tagen in München habe ich einen anderen Eindruck gewonnen, aber das ist gar nicht schlimm, zumindest in den meisten Fällen nicht. Ich finde es sympathisch, wenn nicht alles im ersten Moment zu 100 Prozent klappt, die Menschen dafür aber freundlich und bemüht sind, aller Anliegen Herr zu werden. Im Café, im Supermarkt oder rund um die Championships.

Ich nenne das die sympathische Lücke zur Perfektion.

Nicht jeder teilt allerdings meine Einstellung. Das habe ich an der Ruderregattastrecke erlebt. Die befindet sich im Gegensatz zu den anderen Wettkampfstätten nicht im Zentrum der Stadt oder dem Olympiapark, sondern weit draußen, in Oberschleißheim. Mit der U-Bahn geht es bis Feldmoching und von dort mit einem Shuttlebus noch einmal knapp 15 Minuten bis an die Strecke. Zurück geht es natürlich den umgekehrten Weg – und da ging der Ärger los.

Fahrplan einfach umgeworfen

Nach den letzten Rennen wollen fast alle Zuschauer, Journalisten und Helfer gleichzeitig zurück, und darauf waren die Organisatoren nicht vorbereitet. „Die Shuttles fahren nach ihrem Zeitplan“, sagte eine freundliche Dame an der Haltestelle, wo viele, viele Menschen darauf warteten, „geschuttlet“ zu werden. Der Unmut wuchs beim ein oder anderen schnell, nicht jeder mag die sympathische Lücke zur Perfektion. Da wurde von Wartenden die fehlende Schlangenbildung der anderen Wartenden bemängelt, die Organisation unflätig kommentiert.

Immerhin, ein paar Minuten später sagte die freundliche Dame, die Shuttles würden jetzt nicht mehr nach Fahrplan fahren, sondern einfach kommen, wenn sie können. Das war ne gute Idee. Aus den zunächst avisierten 45 Minuten Wartezeit wurden deshalb knappe 15. Das war völlig in Ordnung und sorgte dafür, dass die Mehrzahl der Menschen, die auf den Bus warteten, besänftigt waren. Aber das ging beileibe nicht allen so.

Ein 15-minütiger Monolog

Ein Mann mittleren Alters schaffte es tatsächlich, sich die komplette Fahrt über aufzuregen. 15 Minuten lang redete er – mit sich selbst. Er schimpfte munter vor sich hin, und es war nicht aufzulösen, ob er alleine oder in einer Gruppe unterwegs war. Niemand erwiderte seine Aussagen, vielleicht war es seinen Begleitern schlicht zu peinlich.

Nun ja, aus meiner Sicht war eher unterhaltsam als nervend.

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