Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Bennet Wiegert will die Entwicklung des SC Magdeburg vorantreiben

Die Stunde des Siegers: Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert am 12. Juni mit der Meisterschale.
Die Stunde des Siegers: Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert am 12. Juni mit der Meisterschale.

Bennet Wiegert, seit 2015 Trainer des deutschen Handball-Meisters SC Magdeburg, hätte im Sommer gerne etwas länger Zeit zum Genießen gehabt. Aber er will ja seine Mannschaft weiterentwickeln.

Herr Wiegert, wie waren die Sommerwochen als deutscher Meister für Sie persönlich?
Nicht anders als zuvor. Und dann muss ich sagen: Es war erschreckend, wie schnell der Alltag wieder eingetreten ist. Ich habe mich schnell wieder auf neue Dinge fokussiert. Da hätte vielleicht ein bisschen mehr Zeit sein können zum Genießen. Aber das liegt ja auch immer an einem selber: wie ist man strukturiert? Bei mir ging es dann relativ schnell wieder darum, wie kann ich die Entwicklung der Mannschaft vorantreiben.

Stichwort Fortentwicklung: Wo können sie ihr Team noch verbessern?
Ich sehe noch viele Reserven. Wir dürfen sicherlich nicht die Entwicklung verpassen. Die Entwicklung des Handballs, die Entwicklung der neuen Regeln. Sich auf der Vergangenheit auszuruhen, wäre fahrlässig. Ich schaue immer: Wo gibt es Innovationen? Durch zwei neue Regeländerungen, die ich für wichtig erachte, schnelle Mitte und Zeitspiel, könnte sich das Spiel noch verändern. Und darauf muss man sich einstellen. Die neue schnelle Mitte sehe ich nicht als so gravierend an, das neue Zeitspiel ist dramatisch, da man zwei Pässe weniger hat. Das macht einen Riesenunterschied.

Gerne nach Norwegen

Für das Trainingslager war der SC Magdeburg wieder in Norwegen. Wie war das? Warum Norwegen?
Für mich war das top. Superorganisiert, wir hatten dort einen sehr freundlichen Gastgeber. Es hat sich gelohnt. Wir machen ja fast schon traditionell diese Skandinavien-Touren, wir waren die letzten Jahre in Dänemark, ich sehe uns da auch als Markenbotschafter. Ziel ist, die Marke SC Magdeburg auch in Skandinavien besser zu platzieren, weil das ja auch, und das ist kein Geheimnis, unser Scouting-Bereich ist.

Was glauben Sie: Ist es schwerer, Meister zu werden oder den Titel zu bestätigen?
Ich weiß es nicht. Aber wenn Sie mich so fragen: Die Bestätigung, die Konstanz, das ist das, was wir im Sport immer suchen. So ein Final Four an einem Wochenende zu gewinnen, das geht. Aber immer wieder oben zu stehen, ist schwierig. Das ist das höchste Gut, das ein Trainer erreichen will.

Gutes Management mit Covid

Was waren die Erfolgsfaktoren in der vergangenen Saison?
Ich glaube, ein wichtiger Aspekt war, dass wir es geschafft haben, den Kader über einen Großteil der Saison gesund zu halten. Wir hatten ein gutes Management mit Covid. Wir hatten ein gutes Management bei der Belastung. Aber trotz alledem haben wir auch guten Handball gespielt!

Wie haben Sie es geschafft, dass alle Neuzugänge in der Vergangenheit so großartig einschlugen?
Frühzeitige Kontaktaufnahme. Spieler wie Omar Ingi Magnusson und Magnus Saugstrup haben wir vor Jahren schon verpflichtet. Damals konnte man das Potenzial erahnen. Die volle Leistungsfähigkeit war noch nicht absehbar. Das ist ein Risiko für uns. Das ist unsere Nische. Wir nehmen auch verletzte Spieler zu uns. Wir müssen uns nicht einreden, dass wir uns einen Königstransfer leisten können. Diese Finanzkraft haben wir in Magdeburg einfach nicht. Wir können keinen Spieler von Kiel, Flensburg oder Barcelona verpflichten.

Handballbegeisterte Stadt

Was hat der Titel mit der Stadt und der Region gemacht?
Nicht viel eigentlich. Man hat Zufriedenheit gespürt, Stolz. Aber dass Magdeburg fünf Jahre ohne Titel weniger handballbegeistert gewesen wäre, das wäre ungerecht zu sagen. Diese Stadt hat ihre Mannschaft immer unterstützt. Generell geht es natürlich immer um Titel. Aber ich fand es sehr charmant, als ich gelesen habe, mit welchem Slogan die HSG Wetzlar in die Saison geht. 25 Jahre Ligazugehörigkeit, wir waren dabei. Ist das weniger charmant, ohne Titel? Ist das nicht schön? Das ist mein Ansatz. Genau so wie ich Mindens Trainer Frank Carsten bei einem Telefonat gratuliert habe, dass GWD Minden drin geblieben ist. Oder wenn ich sehe, wie Hartmut Mayerhoffer sich freut, dass Frisch Auf Göppingen wieder international spielt. Und davon lebt doch der Sport!

Zur Person

  • Bennet Wiegert (40) war als Spieler von 1998 bis 2004 beim SC Magdeburg. Mit dem Team gewann er die Champions League. Seit Dezember 2015 trainiert Wiegert die Bundesligamannschaft des SCM. Unter seiner Leitung gewann Magdeburg den DHB-Pokal 2016, die EHF European League 2021, den IHF Super Globe 2021 und die deutsche Meisterschaft 2022 – erstmals wieder nach 21 Jahren. Wiegert ist verheiratet und hat zwei Töchter.

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