PFALZ-SPORTLER DER WOCHE
Bei Berglauf-EM jede Menge Silber nach Hause geholt
Damit überhaupt eine Mannschaft zustande kam, unterbrach sogar einer der „Bergziegen“ seinen beruflichen Aufenthalt in Ruanda.
Im Ziel fehlten ihnen die Worte. Das gleich in zweierlei Hinsicht. Zum einen schienen Lennart Nies, Marcel Job und Florian Schlindwein nach der kräftezehrenden Einheit beim 10,5 Kilometer-Berglauf am Ende ihrer Kräfte. Sie hatten bei strahlendem Sonnenschein alles gegeben. Es war ihnen eine besondere Ehre, im Trikot des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) die deutschen Farben bei den Titelkämpfen zu vertreten.
Als dann Lennart Nies, der 35-jährige Diplom-Betriebswirt und zugleich der Jüngste des pfälzischen Trios, als Vierter im Gesamteinlauf nach 850 Höhenmetern das Ziel erreichte, in seiner Altersklasse M 35 noch den Vizetitel schaffte, strahlte der sympathische Bergläufer.
Das nächste Ausrufezeichen
Acht Monate nach der Silbermedaille bei der Marathon-DM in München setzte Nies das nächste sportliche Ausrufezeichen. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt Nies. Nach 50:14 Minuten hatte er das Ziel erreicht. Er blickte auf den Kurs hinab ins Tal und wartete sehnsüchtig auf seine beiden Freunde Marcel Job (54:38) und Florian Schlindwein (1:01:00). Auch sie kamen erschöpft am Gipfel an, und waren einfach nur glücklich, das Ziel erreicht zu haben.
Die schöne Überraschung
Bei der Siegerehrung wurden sie überraschend auf das Podium gebeten. Das Trio des TV Maikammer war auch das schnellste deutsche Team und landete hinter Frankreich und vor Italien erneut auf Rang zwei. Die drei „Bergziegen“, die stets beim Pfälzer Berglauf-Pokal am Start sind, konnten es nicht fassen. Es fehlten ihnen wieder die Worte. Auch deshalb, weil Job und Schlindwein altersbedingt als M 40 Läufer bei den M 35 Silber holten. „Es ist einfach schön, dass wir für unseren gemeinsamen Plan auch alle belohnt wurden“, sagt Nies. „Dass wir vom TV Maikammer auch noch das Nationalteam waren, das war schon ungewöhnlich und wir waren super happy“, ergänzt Marcel Job, mit 42 Jahren der älteste im Team. Während Nies, der gebürtige Mutterstadter, der in Ludwigshafen lebt, gleich zwei Silbermedaillen holte, hatten die Kollegen über die 36 Kilometer-Trail-Distanz keine Erwartungen. Das hatte Gründe: Marcel Job hat erst Tage zuvor seine Corona-Infektion auskuriert, und Florian Schlindwein (41) fehlte aus beruflichen Gründen die nötige Zeit zu einer optimalen Vorbereitung.
Steil bergab – mit viel Geröll zwischen den Füßen
Aber nach Silber in der Mannschaft am Vortag und einigen Gläser pfälzischen Weines bei der internen Feier gingen sie am nächsten Tag auf die schwere Strecke mit über 2100 Höhenmetern sowie Bergab-Passagen von 20 bis 30 Prozent mit Geröll. „Wir hatten nicht gerade die besten persönlichen Voraussetzungen nach den Umständen in den Tagen zuvor“, meinte Marcel Job. „Und diese Strecke ist nun mal was anderes als bei uns im Pfälzerwald“, so der Sparkassen-Betriebswirt. Dazu warf ihn das Virus zuvor aus der Bahn. „Wenigstens mit Wandern hatte ich versucht, etwas Bergtraining zu machen.“
So war er „stolz wie Bolle“, als er nach 4:11:39 Stunden das Ziel erreichte. Dabei war der Südpfälzer, der ein Entwicklungshilfe-Projekt in Ruanda betreut, eigens aus Ostafrika ins französische Savoyen gereist. Auch Florian Schlindwein, der in Neustadt-Diedesfeld lebt, feierte seine Premiere bei der Berglauf-EM. „Marcel hatte mich erst einen Monat vor dem Rennen gefragt, ob ich Lust und Zeit hätte, da mitzumachen. Die Aussicht, einmal im Deutschland-Trikot starten zu dürfen, klang sehr verlockend. Ich musste also nicht lange überlegen und habe sofort für den Berglauf zugesagt“, so Schlindwein.