Interview
Appelgren: Ich war schon im März mit der Geduld am Ende
Kronau. Nach rund 16 Monaten Zwangspause wegen einer Schulter- und Knie-Operation brennt Torhüter Mikael Appelgren (31) von den Rhein-Neckar Löwen auf sein Comeback. Er hofft zum Saisonstart wieder fit zu sein. Er muss weiter geduldig sein.
Herr Appelgren, wie geht es Ihnen?
Das ist eine gute Frage. Die meisten Spieler hatten vier Wochen Urlaub, ich hatte vier Wochen noch Reha. Ich habe meine Reha-Arbeit gesteigert, jetzt geht es auf das Handball-Feld diese Woche. Ich will vor der Saison spielen, ich mus aber auch Geduld haben, das habe ich schon gemerkt.
Das heißt, gedämpft optimistisch?
Positiv, aber man muss mit Blick auf die Vergangenheit es auch so sehen: Ich habe versucht, Ende Mai, im Juni, zu spielen, da hat das Knie sofort wieder reagiert, ist dick geworden. Ich muss langsamer machen als damals, ich habe noch Zeit, muss erst Ende August wieder fit sein. Mein Ziel ist es jetzt, beim Saisonstart dabei zu sein.
Ist das realistisch?
Von mir aus ja. Aber es ist schwierig, ein festes Datum zu nennen. Der Knorpelschaden – man muss sehen, wie das Knie reagiert, wenn die Belastung gesteigert wird. Es wäre mein Wunsch.
Ziemlich frustriert
Mit der Schulter ist wieder alles in Ordnung?
Das ist auch eine Baustelle.
Wie schwierig ist es, nach so vielen Monaten geduldig zu bleiben?
Ich war schon im März mit meiner Geduld am Ende. Ab und zu fühle ich mich sehr frustriert. Aber ich muss auch akzeptieren, dass es so ist. Ich will den Jungs auf dem Feld helfen, und nicht nur als Zuschauer dabei sein. Für mich ist es eine schwere Zeit, damit umzugehen. Ich muss es hinkriegen, ich muss Geduld haben, um das Ziel zu erreichen.
Wie schwer wird es sein, Ihre altes Leistungsvermögen wieder zu erlangen? Machen Sie sich Sorgen?
Das habe ich mich auch gefragt, als ich es im Frühling versucht habe. Ich habe mich gefragt, kann ich wirklich noch Handball spielen? Als ich ins Training kam, habe ich schon gemerkt, ich kann noch Bälle halten. Das ist eine Herausforderung, nach so einer langen Pause. Sofort so gut zu spielen wie vor der Verletzung kann ich vielleicht nicht. Ich mache viel Reaktionstraining und viele kognitive Sachen.
Zehn Jahre ohne Verletzungen
Ihre zwei Verletzungen – würden Sie sagen, das war einfach Pech oder würden Sie sagen, das ist eben manchmal der Preis, den man als Leistungssportler zu zahlen hat?
Für mich waren es die ersten großen Verletzungen. Ich habe fast zehn Jahre Bundesliga gespielt ohne große Verletzungen. Ja, vielleicht war es Pech. Dann muss man eine Pause machen, um alles zu restaurieren. Ich muss positiver werden, ich habe meine lange Pause gehabt, jetzt versuche ich, meinen Körper so fit wie möglich zu bekommen und dann kann ich fünf, sechs, sieben Jahre noch Bundesliga spielen.
Trainer Klaus Gärtner hat für die Löwen als Ziel den Kampf um Platz drei ausgegeben. Ist das in Ordnung?
Ja, das ist gut, jetzt können wir anfangen zu arbeiten. Das wird sehr herausfordernd. Es gibt viele Mannschaften, die gute Spieler verpflichtet haben.
Ihrer Ansicht nach: Was ist in der vergangenen Saison schief gelaufen, als die Löwen sehr wankelmütig waren?
Einige Spieler sind noch bei Olympia, wir sind die Saison noch nicht so richtig durchgegangen. Ein großes Ding für uns ist, dass wir wieder als eine Mannschaft auftreten müssen. Vom Gefühl her sind wir etwas auseinander gegangen. Das ist der Knackpunkt für uns, dass wir alle in eine Richtung gehen, dass wir wieder als ein Team auftreten. Wir können etwas aufbauen. Wir haben einen kleinen Umbruch, aber auch einen Neustart. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben.