FusSball RHEINPFALZ Plus Artikel Antonio Rüdiger – der Krieger will nicht nett sein

Stürmer Timo Werner (links) und Abwehrspieler Antonio Rüdiger, zwei Sieger. Rechts Ilkay Gündogan.
Stürmer Timo Werner (links) und Abwehrspieler Antonio Rüdiger, zwei Sieger. Rechts Ilkay Gündogan.

Sie bersten geradezu vor Selbstbewusstsein: Antonio Rüdiger und Timo Werner kamen als frisch gebackene Champions-League-Sieger zur deutschen Nationalelf. Werner sieht sich gleichwohl ein bisschen hintendran. Und Rüdiger hat so seine Überlegungen zum Auftakt gegen Frankreich.

Was ein einziger Erfolg alles verändern kann. Wobei: Es war ja ein beachtlicher. Aus Timo Werner sprudelte es am Samstag geradezu heraus. „Gut. Das Fazit fällt gut aus, wir haben die Champions League gewonnen, den wichtigsten Titel im Teamwettbewerb“, sagte der Nationalstürmer auf seine erste Saison in der Premier League angesprochen. „Es war ein Jahr mit Hochs und Tiefs für mich persönlich. Ich habe viel lernen können, und es war nicht alles schlecht. Ich habe mich in vielen Sachen weiterentwickelt. Man muss aber auch selbstkritisch sein, dass das eine oder andere Tor hätte sein müssen. Ich weiß, woran es liegt, das ist wichtig. Das kann ich verbessern, und ich habe schon gezeigt, dass mein Abschluss gar nicht so schlecht ist, wie es in dieser Saison teilweise war“, führte der Angreifer aus. Vergangenen Sommer wechselte Werner von RB Leipzig zum FC Chelsea.

Timo Werner ist Mitglied bei den drei deutschen Musketieren vom FC Chelsea. Mit Kai Havertz und Antonio Rüdiger stand er in der Mannschaft, die mit 1:0 gegen Manchester City die Champions League gewann. Alle drei reisten mit viel Selbstbewusstsein an. Trainer Thomas Tuchel hielt an ihnen fest, auch wenn es zuweilen nicht so lief. Am Ende bekamen Tuchel und seine Schützlinge die Belohnung ...

Werner war in Plauderlaune. Ausführlich gab er Auskunft, auch über Antonio Rüdiger. „Er sieht manchmal etwas grimmig aus, aber er ist ein lustiger Kerl und ein bisschen verrückt. Das ist auch das Gute an ihm, weil er sich nix denkt, er will den Ball gewinnen, er gibt einem das Gefühl: Okay, wir haben einen Krieger, der hinten alles wegverteidigt.“

Werner: Nicht in der Anfangself

Der Coup mit Chelsea trübt nicht Werners Blick, obgleich er gegen Lettland beim 7:1 erfolgreich war. In der Anfangself sieht er sich nicht. „Ich glaube, dass ich eher hintendran bin. Das ist aber nicht schlimm, ich bin kein Spieler, der sich mit verschränkten Armen auf die Tribüne setzt und schmollt. Wir haben nicht nur elf Spieler im Kader, und es hätten alle verdient zu spielen. Wir haben ein brutales Überangebot in der Offensive. Wenn wir es bis zum Ende schaffen sollten, dann wird jeder gebraucht. Ich hoffe, dass auch ich meine Einsätze bekomme“, sagte der Stürmer. Dass drei Spieler von Chelsea und auch noch Ilkay Gündogan von Manchester City im Kader stehen, ordnet er so ein: „Natürlich ist es immer wieder gut, wenn man einen Block von Spielern hat, die aus dem gleichen Verein kommen. Das hat man bei den Bayern gesehen. Und wenn man Spieler aus anderen Ligen hat, die haben dann manchmal auch eine andere Herangehensweise.“ Sein Fazit: Das Team ist bereit für die EM.

Antonio Rüdiger, der „ein bisschen Verrückte“, ist der Aufsteiger im deutschen Team. Im vergangenen Jahr vertraute ihm zwar auch Joachim Löw, aber da fehlte ihm die Spielpraxis, weil Tuchels Vorgänger Frank Lampard ihn kaum spielen ließ. Rüdiger war völlig verunsichert. Das ist nun anders. Rüdiger ist bissig, wach, schnell. Er scheint sich gut mit Grandseigneur Mats Hummels zu verstehen. Und das ganze Lob? Nebensächlich! „Das ganze Kriegerding, wenn ich ehrlich bin, so habe ich schon immer gespielt.“ Und ihm ist es auch nicht wichtig, ob er in die Kategorie Weltklasse aufgerückt ist. „Das müssen andere beurteilen. Ich weiß, dass ich noch an mir arbeiten muss.“

Vorbild Boateng

Wegen einer Gesichtsverletzung aus dem Spiel gegen Real Madrid trägt er weiterhin zur Sicherheit eine Maske. Rüdiger pries gestern Vorreiter Jérôme Boateng, der ihm ein Vorbild ist. „Er ist wie ein Bruder. Auch als ich bei Chelsea nicht gespielt habe, hat er immer mit mir gesprochen und geholfen“, sagte der 28-Jährige, der vor Frankreich, erster Gegner am Dienstag, viel Respekt hat. „Auf dem Papier haben sie natürlich sehr große Namen. Aber das ist nur Papier. Sie können ruhig Favorit sein. Wir müssen unser Spiel diktieren. Wir können das, wir sind bereit. Wir müssen für Eins-gegen-eins-Situationen bereit sein. Auch mal ein Zeichen setzen. Mit lieb sein kommst du da nicht weit.“

Hauptantrieb für Rüdigers Streben war und ist seine Familie, wie er in Herzogenaurach bekräftigte. Sein Vater ist Deutscher, seine Mutter stammt aus Sierra Leone. „Für mich war Fußball nur ein Weg, um aus der Armut rauszukommen“, sagte der Profi. „Ich wollte vor allem meiner Familie und mir selbst ein schöneres Leben geben können.“

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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