Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Amateure oder Profis?

Warten auf den nächsten Wurf: Marc-Robin Eisel vom SV 64 Zweibrücken beim 28:21-Sieg gegen TV Kirchzell.
Warten auf den nächsten Wurf: Marc-Robin Eisel vom SV 64 Zweibrücken beim 28:21-Sieg gegen TV Kirchzell.

Ist die Dritte Handball-Liga eine Profiliga? Geklärt ist diese Frage nicht. Deshalb setzt der Deutsche Handballbund den Spielbetrieb zunächst bis 15. November aus. Bei den pfälzischen Drittligisten gehen die Meinungen auseinander. Mit Sorgen blicken die Klubs nach vorne.

Die Entscheidung fiel am Freitagabend in einer Videokonferenz. „Wir haben großes Verständnis für unsere Vereine und deren Nöte“, sagt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Handballbundes (DHB). Und fügt an: „Wir alle befinden uns in einer ungewissen Lage. Das vorläufige Aussetzen des Spielbetriebes verschafft uns Zeit, die wir benötigen, um die gerade erst veröffentlichten Verordnungen der jeweiligen Länder einschätzen zu können.“ Was die Dritte Liga betrifft, geht es hier um die Frage, ob es sich bei dieser um eine Profiliga handelt. Denn davon ist abhängig, ob im November gespielt werden kann, nachdem Bund und Länder vergangene Woche beschlossen, dass nur der Profiligenbetrieb fortgesetzt werden darf – ohne Zuschauer. Schober betont: „Mit Hochdruck arbeiten wir daran, auch auf politischer Ebene diese drängenden Fragen zu klären.“ Ein Thema, um dessen Klärung sich auch Ulf Meyhöfer, der Präsident des Pfälzer Handballverbandes, intensiv bemüht.

TuS Dansenberg: Spielbetrieb soll fortgesetzt werden

Beim TuS Dansenberg möchte man die Saison am liebsten so schnell wie möglich fortsetzen. „Wir sind von der Stadt Kaiserslautern als Profiverein eingestuft worden, wir bekommen vom Bund den Zuschuss für Profisportler und müssen auch selbst entsprechende Beiträge entrichten. Von daher sagen wir ganz klar, dass der Spielbetrieb auf jeden Fall fortgesetzt werden soll, wenn alle Spieler gesund sind. Die fehlenden Zuschauereinnahmen sind natürlich für alle Vereine eine Katastrophe“, betont Dansenbergs Teammanager Alexander Schmitt. Ganz ähnlich sieht das TuS-Coach Steffen Ecker: „Wenn es bei uns erlaubt bleibt, werden wir ganz normal weitertrainieren. Wir würden es sehr begrüßen, wenn die Unterbrechung möglichst kurz bliebe und die Entscheidung so gefällt wird, dass wir als Profis eingestuft werden und weiterspielen dürfen. Das würde dann auch bedeuten, regelmäßig Coronatests durchzuführen.“

TSG Haßloch: „Wir sehen uns zunächst als Amateure“

Bei der TSG Haßloch gibt es den Wunsch nach einer eindeutigen Klärung: „Man sollte hier klar formulieren, was ist ein Profi. Ich sehe als Profi, egal ob im Sport oder anderswo, denjenigen, der durch sein Tun davon leben kann. Unsere Spieler studieren zum Teil oder sind im Beruf und haben dort einen Arbeitgeber, der ihnen den Lebensunterhalt in der Regel sichert. Insofern sehe ich uns zunächst nicht als Profi“, berichtet Thomas Müller, der Trainer sowie Sportliche Leiter der TSG – und fügt an: „Die Frage ist eher, welche professionellen Strukturen haben wir, um unseren Sport zu betreiben? Hierzu gehört auch die Thematik der Testungen unserer Spieler. Da diese Fragen durch den Deutschen Handball-Bund nicht abschließend geklärt sind, sehen wir uns zunächst als Amateure, weshalb wir auch seit Freitag den Trainings- und Spielbetrieb aussetzen mussten.“ Dass der DHB für zwei Wochen den Spielbetrieb in der Dritten Liga ausgesetzt hat, um die Fragen zu klären, hält Müller für dringend notwendig. „Spiele ohne Zuschauer sind für uns schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht vorstellbar.“ Er plädiert für eine Verkleinerung der Staffel: „Bei einer Neuner-Staffel und insgesamt 16 Spielen könnte es ab Januar aus meiner Sicht wieder weitergehen.“

SV 64 Zweibrücken: „Wir sind Amateure“

Für Stefan Bullacher, Trainer des SV 64 Zweibrücken, ist die Entscheidung, die Saison zu unterbrechen, richtig. Es sei nicht vermittelbar, „wenn Restaurants schließen müssen und gleichzeitig Handball gespielt wird.“ Die Diskussion, die um die Frage geführt wird, ob Drittliga-Handballer Profis oder Amateure sind, „trifft nicht den Kern des Problems“. Für den SV könne er sagen: „Wir sind Amateure.“ Aber die Dritte Liga sei eine professionelle Spielklasse, verweist er auf eine Einordnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die Einstufung könne auch nicht Ländersache sein. Das Saarland folge der DOSB-Linie, der dortige Drittligist trainiere. Die Drittligisten in Rheinland-Pfalz dürften nicht trainieren, weil in der Landesverordnung nur die Erste und Zweite Bundesliga als Profis anerkannt werden. „Das kann nicht sein“, sagt Bullacher.

Der SV halte sich daran, trainiert wird aktuell nur individuell. Mannschaftstraining sei aber die Grundvoraussetzung, „damit wieder gespielt werden kann“, sagt er. Eine mehrwöchige Trainingspause bedeute wegen steigender Verletzungsgefahr, „dass lange nicht mehr gespielt werden kann. Dann wird es eine Existenzfrage“. Dass die Liga nicht wie geplant zu Ende gespielt werden kann, „ist klar“, sagt Bullacher. Er plädiert entsprechend der DOSB-Einordnung dafür Mannschaftstraining zulassen, zunächst besser ohne Zuschauer, als gar nicht zu spielen und die Hinrunde als Runde zu spielen.

TV Hochdorf: Einiges außerhalb der Vorstellungskraft

„Ich kann und will mir kein Derby ohne Zuschauer vorstellen“, sagt Björn Friedrich, Trainer des TV Hochdorf. Am kommenden Wochenende hätte seine Mannschaft die TSG Haßloch begrüßt. Normalerweise Garant für ein volles TVH-Sportzentrum, in das zuletzt allerdings ohnehin nur 150 Zuschauer durften – Dauerkartenbesitzer in erster Linie, die auf diesem Weg auch ein wenig Planungssicherheit mitgaben. „Ich weiß nicht, wie man diese Spannung auch in einer leeren Halle aufbauen sollte.“ Überhaupt liegt für ihn aktuell einiges außerhalb der Vorstellungskraft. „Wir haben zwar eine vereinseigene Halle, aber auch dort wurde uns im März von der Kommune der Trainingsbetrieb untersagt.“ Wie das in den aktuellen Vorgaben ist? „Keine Ahnung.“ Sicher sei nur: „Wenn wir trainieren dürfen, dann werden wir auch trainieren.“ Dies sei schließlich das letzte Fünkchen Normalität in einer ansonsten auf allen anderen privaten oder beruflichen Ebenen ungewohnten Situation.

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