Leichtathletik Alexandra Burghardt: Vom Bob auf die Bahn – und weiter auf der Wolke

Nach der Rückkehr in die Leichtathletik: eine motivierte Alexandra Burghardt im Trikot des DLV.
Nach der Rückkehr in die Leichtathletik: eine motivierte Alexandra Burghardt im Trikot des DLV.

Nach dem geglückten Kunststück von zwei Olympischen Spielen in nur sechs Monaten ist Alexandra Burghardt vom Bob zurück auf der Leichtathletik-Bahn. Dort geht es um die nächsten Höhepunkte in noch kürzerer Zeit. Privat gibt es Grund zur Freude.

Eine Rückkehr in den Bob oder Ausflüge in andere Sportarten plant Sprinterin Alexandra Burghardt nach Olympia-Silber erst einmal nicht. „Wer weiß, was mir noch einfällt“, scherzte die 28 Jahre alte Leichtathletin zum Start in eine Saison, in der sie wieder einen Doppel-Höhepunkt anpeilt. „Nein, ich habe für mich alles erreicht. Ich wusste ja im Vorfeld, dass es Mariamas letzte Saison wird. Es war für uns beide ein Projekt, und wir haben es für uns bestmöglich gestaltet. Wir hätten uns beide nicht mehr erträumt.“

Die deutsche Doppelmeisterin über 100 und 200 Meter hatte im Winter mit einem olympischen Kunststück für Aufsehen gesorgt, als sie ein halbes Jahr nach den Sommerspielen in Tokio auch bei den Winterspielen in Peking an den Start ging. Dort gewann sie als Anschieberin des Zweierbobs von Pilotin Mariama Jamanka Silber. „Sie hat ihre Sache sehr, sehr gut gemacht“, lobte Jamanka, Olympiasiegerin von 2018.

Bei den Sommerspielen in Tokio hatte sie zuvor über 100 Meter das Halbfinale erreicht – und damit einen Achtungserfolg geschafft. Mit dem (zeitlich begrenzten) Wechsel auf die Bobbahn machte Burghardt danach über die nationalen Grenzen hinweg Schlagzeilen. In der gesamten Sportwelt wurde der Erfolg in Peking erstaunt zur Kenntnis genommen, Reporter aus vielen Ländern berichteten über den Silbercoup des deutschen Zweierbobs.

Der Bob-Ausflug sorgt für Gelassenheit und Ansporn

Burghardt zieht aus dem Erfolg im Eiskanal Gelassenheit und Ansporn zugleich. „Einerseits habe ich jetzt die nötige Ruhe. Andererseits spornt mich das natürlich alles noch mehr an, weil es ja jetzt erst richtig Spaß macht“, sagte sie. Am Wochenende finden in Berlin die deutschen Meisterschaften statt. Dort strebt Burghardt trotz Problemen in der Vorbereitung die Tickets für die WM vom 15. bis 24. Juli in den USA und die EM vom 15. bis 21. August in München an.

„Ich habe mit der Leichtathletik auch noch ein paar Ziele“, sagte die Sprinterin von der LG Wacker Burghausen. In Tokio war sie über 100 Meter als Elfte und mit der Staffel über 4 x 100 Meter als Fünfte ins Ziel gekommen. In diesem Jahr strebt sie neben einer persönlichen Bestleistung und einem guten WM-Auftritt eine EM-Medaille an.

Nach ihrem Saisoneinstand Ende Mai in München, als sie bei schlechtem Wetter 11,38 Sekunden sprintete, konnte die 28-Jährige allerdings wegen muskulärer Problemen nicht wie geplant trainieren. Sie musste angeschlagen ihre Starts bei den Wettkämpfen in Rabat und Regensburg absagen. In der DM-Woche kehrte sie nun endlich auch wieder in Spikes auf die Laufbahn zurück. Aktuell belegt sie Rang sechs in der von Gina Lückenkemper (Berlin) mit 11,04 Sekunden angeführten deutschen Jahresbestenliste. Burghardt lief im Vorjahr 11,01 Sekunden.

München ist das große Ziel

Vor allem die Heim-EM in München ist das große Ziel der Bayerin, die sich noch genau an einen Europacup im Olympiastadion vor anderthalb Jahrzehnten erinnert. Damals habe sie die Sportler bewundert und Fotos mit diesen gemacht, sagte Burghardt mit leuchtenden Augen, „und jetzt selbst vielleicht ein Vorbild zu sein für kleine Kinder und so nah daheim – da sind bestimmt 500 Leute im Stadion, die ich sehr gut kenne und die dann für mich schreien. Das ist einfach nur ein Traum.“

„Nach diesen ganzen Höhepunkten“ hofft Burghardt auf einen „großen Urlaub“. Nach dem Sommer mit zwei internationalen Meisterschaften wird die Sprinterin Zeit brauchen, um das Geschehene sacken lassen zu können. „Es ist so viel passiert im letzten Jahr, ich habe zwischendrin auch noch geheiratet“, berichtete Burghardt. „Ich schwebe einfach gerade auf meiner Wolke und hoffe, dass ich da noch bis August weiter schweben darf.“

Winterlicher Silberstreich in Peking: Alexandra Burghardt (links) mit Mariama Jamanka.
Winterlicher Silberstreich in Peking: Alexandra Burghardt (links) mit Mariama Jamanka.
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