Eishockey
Adler-Torwart Brückmann mit doppelter Vorfreude im Peking-Flieger
„Die letzten zwei Wochen waren schon lang und nervenaufreibend, für den Kopf sehr schwer zu verarbeiten“, gesteht der 31-Jährige: „Je näher Olympia kommt, desto kritischer wird es, desto schneller kann man sich anstecken bei den hohen Infektionszahlen.“ Wie alle Sportlerinnen und Sportler, die bereits nach China flogen oder kurz davor sind, galt auch für Brückmann, seine fünf Mannheimer Kollegen und die gesamte Mannschaft nur diese Devise: sich bloß nichts einfangen, also das Coronavirus. Und der Covid-19-Ausbruch bei den Adlern vor über einer Woche machte die Sache natürlich nicht leichter. Nationalverteidiger Korbinian Holzer erwischte es zwar, er wird aber mindestens nach Peking nachfliegen können. Brückmann blieb gesund und fiebert nun schon seiner olympischen Premiere entgegen.
Feinschliff der Olympia-Auswahl in Mannheim
Dass die finale Vorbereitungsphase der Nationalmannschaft von Montag bis Mittwoch in Mannheim stattfand, änderte nichts daran, dass auch die Adler-Spieler ihr Zuhause nicht mehr sahen, sondern vor und nach den Trainingseinheiten in der SAP-Arena im Teamhotel blieben. Als die RHEINPFALZ am Dienstagmittag mit Brückmann telefonierte, war der 31-Jährige aber guter Dinge, heute vor dem Abflug noch einmal seine Frau Sabrina und vielleicht auch Hund Floki treffen zu können. Und er lüftete eine kleines Geheimnis: Sabrina, eine Tierärztin und Pferdeosteotherapeutin, erwartet in Sommer ein kleines Mädchen. Der werdende Vater hat also doppelte Vorfreude – zunächst aber mal auf die Eröffnungsfeier der Spiele am Freitag.
Klare Haltung zu Gastgeber China
Zu Gastgeber China hat Brückmann eine dezidierte Meinung. „Ein sensibles Thema“, sagt er und geht davon aus, „dass man seine Meinung sagen darf, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden“. Aber die Sportler, findet auch er, können nichts für die Vergabe der Spiele. Da wünscht er sich vom IOC künftig mehr Fingerspitzengefühl, „und dass die Anforderungen an Olympische Spiele heruntergeschraubt werden“. Einen politischen Boykott hält er für falsch. Seine Devise: „Hinfahren und genau hinschauen. Einfach wegzubleiben ist sehr bequem.“
Die Chinesen mit einem Ex-Adler
Am 10. Februar ist Kanada erster Gruppengegner der deutschen Auswahl in Peking. Weitere Kontrahenten in der Vorrunde sind Gastgeber China – mit 16 (!) eingebürgerten Nordamerikanern, darunter Ex-Adler Brandon Yip – und die USA. „Man darf ja hohe Ziele haben, muss aber aufpassen. Deutschland wird nach der Silbermedaille von vor vier Jahren auf keinen Fall mehr unterschätzt“, ahnt der Torwart. Damals – 2018 beim Wunder von Pyeongchang – fehlten dem Turnier wie jetzt die Profis der National Hockey League (NHL). Die Kanadier um Altstar Eric Staal bestücken ihr Team mit Legionären aus Europa und Russland, aber auch hungrigen College-Talenten. Da wird also etwas auf Brückmann oder seinen Torwartkollegen Mathias Niederberger zurollen. Danny aus den Birken gilt als Nummer drei im deutschen Kader.
Aber erstmal muss Brückmann wie alle anderen gesund in Peking landen. „Nicht so weit nach vorne schauen“, will er, „der Traum kann schnell platzen.“ Was bitter wäre, aber: „Man muss demütig bleiben: Die Gesundheit steht über allem.“
