Eishockey
Adler Mannheim: Wirbelwind hält Endras und die Katzen auf Trab
Angesichts des erlösenden Sieges seiner Mannschaft am vergangenen Sonntag im Topspiel gegen München bemüht der 36-jährige Endras lachend ein in diesen Zeiten nahe liegendes Wortspiel: „Wir haben uns selbst geboostert.“ Stimmungstechnisch wohlgemerkt, denn natürlich schlug die erklärbare Ergebniskrise zuvor – fünf Niederlagen in Folge wegen der extremen Personalnot – allen aufs Gemüt. „Egal, wieviele Leute dir zur Verfügung stehen, du willst immer gewinnen. Dann ist das einfach frustrierend“, betont Endras und fügt an, dass der 3:2-Verlängerungserfolg gegen München, wo bereits am Donnerstag (19.30 Uhr) quasi das Rückspiel ansteht, „für die Stimmung Gold wert war“.
Endras zog sich im ersten Saisonspiel Mitte September in Straubing eine Beinverletzung zu, kehrte Anfang November zwischen die Pfosten zurück. Dann wütete das Virus in der Kabine, wichtige Spieler wie Korbinian Holzer und Borna Rendulic fielen zudem verletzt aus: „War natürlich schwierig für mich, so zurückzukommen.“ Die Trainer mussten viel improvisieren, „Kraut und Rüben“ nennt es Endras, lobt gleichzeitig die jungen Akteure, die die Lücken stopften. Aber jetzt sehen die Adler wirklich Licht am Ende des Tunnels: Ob bereits am Donnerstag Sinan Akdag, David Wolf und Jason Bast auflaufen können, wollen die Coaches kurzfristig entscheiden. Spätestens am Sonntag (14 Uhr) im Heimspiel gegen Wolfsburg soll das Trio aber wieder dabei sein.
Geisterspiele drohen
Wolfsburg, Sonntag, SAP-Arena – gutes Stichwort. Wahrscheinlich ist wohl, dass diese Partie das erste Geisterspiel der Saison wird, Baden-Württemberg hatte ja schon vergangene Woche mit der 2G+-Auflage die Regeln deutlich verschärft. „Es ist einfach kein Ende in Sicht. Dabei würde man so gerne mal den Kopf frei haben für den Sport“, sagt Dennis Endras und stöhnt angesichts der sich wieder verschärfenden Pandemielage. „Unsere neuen Spieler wollten doch endlich mal die Arena voll sehen“, erzählt er und ahnt, dass das selbst beim stimmungsvollen Spiel der leuchtenden Herzen einen Tag vor Heiligabend wohl nicht klappen wird. „Vor allem für die Kinder ist das schlimm“, sagt Endras. Sein Ian, anderthalb Jahre alt, genießt auch schon die Atmosphäre in der SAP-Arena. „Und meine Frau Lisa ist froh, wenn er mal zwei Stunden beschäftigt ist“, sagt Endras und lacht.
Eine tierliebe Familie
Ian kam im Sommer 2020 zur Welt. Weil erst ab kurz vor Weihnachten überhaupt wieder Eishockey gespielt werden konnte, durfte der stolze Vater damals viel Zeit mit dem Sprössling verbringen, bei dessen Geburt er auch dabei war. Jetzt ist der Youngster ein kleiner Wirbelwind, „unsere Tiere werden von ihm fleißig gejagt“, verrät Endras. Zwei Katzen und einen Hund hat die sehr tierliebe Familie. „Am Schwanz ziehen darf er nicht“, betont der dann doch strenge Papa.
Vergangene Saison war Dennis Endras der älteste Spieler der Adler, nun hat ihn Neuzugang Nigel Dawes um ein paar Monate abgehängt. „Das geb’ ich gern ab“, beteuert Endras, dessen Vertrag bis 2023 läuft. Dann ist er fast 38, aber ans Aufhören denkt der WM-Held von 2010 noch nicht: „Solange ich Spaß habe und gesund bin.“ Und bis Ian in die Schule kommt, ist es ja auch noch etwas hin ...